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Arbeitsmarkt: Darum rekrutieren Amazon und andere Firmen Bundeswehrsoldaten

Der Versand-Riese Amazon sucht in Deutschland nach ehemaligen Bundeswehrangehörigen als neue Arbeitskräfte. Auch andere Großunternehmen haben Interesse an früheren Soldaten und Offizieren – aus einem einfachen Grund.

Ein Werbeplakat von Amazon für Jobs für ehemalige Bundeswehrangehörige

Ein Werbeplakat von Amazon in Kiel für Jobs für ehemalige Bundeswehrangehörige

stern

Mit Hilfe eines Werbeplakats sucht der Online-Versandhändler Amazon nach neuen Arbeitskräften. Soweit nichts Ungewöhnliches, würde die Werbung nicht auf "ehemalige Bundeswehrangehörige mit Führungserfahrung" abzielen. Mit der Werbekampagne versucht Amazon aber nicht etwa eine eigene Armee aufzubauen, sondern ehemalige Zeitsoldaten der Bundeswehr mit besonderen Fähigkeiten für sich zu gewinnen, erklärt Amazon-Pressesprecher Michael Schneider dem stern.

Denn Zeitsoldaten sind bei vielen Unternehmen zu begehrten Fachkräften geworden. Sie verpflichten sich nämlich für mehrere Jahre bei der Bundeswehr und werden in dieser Zeit in vielen Bereichen ausgebildet. Vom Lkw-Führerschein bis zum Hochschulstudium bietet der Arbeitgeber Bundeswehr den Soldaten und Soldatinnen viel, um sich weiterzubilden. Nachdem der Dienst abgeleistet wurde, landen viele der ehemaligen Soldaten auf dem Arbeitsmarkt – mit vielen Fähigkeiten, die für Unternehmen wie die Post, Bahn oder Einzelhandelsketten interessant sind.

Teamfähigkeit für Arbeitgeber interessant

Doch es sind nicht nur die erlernten theoretischen Fähigkeiten der Soldatinnen und Soldaten, die für die Arbeitgeber interessant sind. Sie verfügten auch Soft Skills wie Teamfähigkeit, so Michael Schneider. Denn bei der Bundeswehr lerne man im Team zu arbeiten, aber auch ein Team zu leiten, wenn man sich in einer Führungsposition befinde, so Schneider. Außerdem würden Bundeswehrangehörige sich häufig in Situationen wiederfinden, in denen sie mit wenigen Informationen Entscheidungen treffen müssten. Das sei im Logistikgeschäft wichtig, zum Beispiel, wenn ein Schneesturm den Transport gefährdet, so Schneider weiter.

An die begehrten Arbeitskräfte von der Bundeswehr kommen die Unternehmen auf unterschiedlichste Weise. Amazon zum Beispiel hat einen speziellen "military recruiter", ebenfalls mit militärischem Hintergrund, der speziell für die Anwerbung von ehemaligen Bundeswehrangehörigen und die Auswertung ihrer Lebensläufe spezialisiert ist, erklärt Schneider. Laut Bundeswehr hätten die Streitkräfte bei rund 5000 Unternehmen Ansprechpartner.

Eigene Jobbörsen für Bundeswehrangehörige

Eines dieser Unternehmen ist neben Amazon auch die Deutsche Bahn. "In der Regel bringen ehemalige Soldaten eine gute technische Ausbildung mit sowie eine große Portion Motivation", so ein Sprecher zur Nachrichtenagentur DPA. So würden pro Jahr circa 100 ehemalige Bundeswehrangehörige mit einem neuen Job beginnen. Laut Amazon-Sprecher Schneider habe man im letzten Jahr rund 1000 neue Jobs in Deutschland geschaffen, etwa 20 davon gingen an ehemalige Offiziere der Bundeswehr.

Laut Amazon gibt es seit 2010 ein Programm, welches sich speziell an ehemalige Angehörige von Streitkräften richtet, nicht nur in Deutschland. Man biete mehreren Dienstgraden verschiedene Stellen an. So könnten Mannschaftssoldaten mit Führungserfahrung von kleinen Teams etwa Teamleiter werden und Offiziere mit Studium kämen als Abteilungsleiter in Betracht.

Neben den Recruitern von Unternehmen gibt es aber auch andere Wege für ehemalige Angehörige der Bundeswehr an neue Jobs zu gelangen. So gibt es mit dienstzeitende.de eine Online-Jobbörse eigens für Soldaten und Soldatinnen auf Zeit, die nach einem Job suchen. Dort bieten etwa Aldi Süd, Airbus oder Rheinmetall Jobs an. Auch die Bundeswehr selbst hilft mit einem eigenen Berufsförderungsdienst (BFD) Soldatinnen und Soldaten bereits vor ihrem Ausscheiden aus der Bundeswehr bei der Jobsuche. Dafür bietet der BFD neben Beratungen eine eigene Jobbörse an und arbeitet eng mit Unternehmen wie Amazon und Co. zusammen. Laut Angaben der Bundeswehr konnten dadurch im Jahr 2018 rund 9000 Stellen angeboten werden, bei einer Eingliederungsquote in den Arbeitsmarkt von über 94 Prozent.

Quellen: www.dienstzeitende.de, Bundeswehr (1), Bundeswehr (2)

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mit Agentur / DPA