De Beers Diamanten-Monopol greift nach dem US-Markt


Nach fast 60 Jahren Exil will sich der weltgrößte Diamantenproduzent De Beers mit einem Schuldeingeständnis vor einem US-Gericht wieder Zugang zum US-Markt sichern.

Bis zu 10 Millionen Dollar (acht Mio Euro) Geldstrafe drohen für das Eingeständnis der illegalen Preisabsprache bei Industrie-Diamanten - ein Trinkgeld angesichts des seit langem ersehnten freien Zugangs zum größten Markt der Welt für Schmuckdiamanten. Immerhin geht weltweit fast die Hälfte von ihnen über US-Ladentische.

Vorwurf der illegalen Preisabsprachen

Bereits im Februar hatte der von der Oppenheimer-Familie kontrollierte De Beers-Konzern Verhandlungen mit dem US-Justizministerium bestätigt, um unter seinem Namen wieder das "gewisse Funkeln" in die Augen der Schmuckkäufer zu bringen. Bisher war das nur über Zwischenhändler möglich. Auch die Eröffnung des ersten De-Beers-Geschäfts, das der Diamanten-Grossist gemeinsam mit dem weltweit größten Luxuskonzern LVMH auf New Yorks 5th Avenue plante, musste immer wieder verschoben werden. Denn sowohl der Oppenheimer-Familie wie den Managern des südafrikanischen Unternehmens drohte beim Durchschneiden des roten Bandes in New York die Festnahme. Sie konnten bisher damit problemlos leben.

Doch vor dem Hintergrund einer Neuausrichtung als Anbieter von Luxusgütern gewinnt der direkte Zugang zum größten Juwelenmarkt für De Beers an Bedeutung. Das Problem: US-Juristen sahen die Diamanten-Handelsgesellschaft (vorher: Zentrale Verkaufsorganisation/CSO) von De Beers als ein gegen US-Wettbewerbsgesetze verstoßendes internationales Kartell. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatten sie dem Unternehmen illegale Preisabsprachen für Industriediamanten vorgeworfen - eine Klage, die 1994 erneuert wurde. In der Tat hat De Beers über sein Vertriebssystem im Laufe seiner 124-jährigen Geschichte jahrzehntelang den Weltmarkt für Industrie- und Naturdiamanten fast völlig kontrolliert.

Monopol weitgehend intakt

Auch wenn Newcomer wie Australien, Russland oder Kanada das Monopol aufgebrochen haben, ist es noch immer weitgehend intakt. Schätzungen gehen davon aus, dass De Beers heute zwei Drittel des Weltmarktes für Rohdiamanten kontrolliert. Das Milliardengeschäft ist seit 2001 fast völlig in der Hand der Oppenheimer-Familie. Sie kaufte vom Anglo American-Konzern ihre Anteile zurück und sicherte sich mit 45 Prozent das Management. Denn Anglo hält zwar ebenfalls 45 Prozent der Anteile, doch die restlichen 10 Prozent sind in den Händen von Debswana. Und das ist ein 50:50-Joint-Venture zwischen De Beers und dem Staat Botswana, Afrikas größten Diamanten-Produzenten. Gerüchte, dass die Oppenheimer-Familie auch die restlichen 45 Prozent von Anglo American zurückkaufen wolle, wurden bisher stets dementiert.

Ralf E. Krüger, dpa DPA

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