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"Die Höhle der Löwen": Wie Herr Gerhard den Blinkerhandschuh für Radfahrer erfand

Fahrradfahrer werden beim Abbiegen leicht übersehen. Daher hat Harald Gerhard einen Blinkerhandschuh erfunden. Dem stern berichtet der Gründer, wie er auf seine Idee kam und was die Polizei dazu sagt.

"Die Höhle der Löwen": Nützlich oder daneben? Der Blinker-Handschuh im Test

Mit dem Beginn der dunklen Jahreszeit erhöht sich für Radfahrer die Gefahr, im Straßenverkehr unter die Räder zu kommen. Um besser sichtbar zu sein, können sich Radler zwar mit Standlichtern, Warnwesten und Speichenreflektoren ausrüsten. Doch beim Abbiegen, dem gefährlichsten Manöver im Stadtverkehr, heißt es nach wie vor "Arm raus" - was Autofahrer in der Dämmerung leicht übersehen können.

Dieses Problem wollte Harald Gerhard nicht so stehen lassen. Nachdem ihn ein Pkw in der Dämmerung auf seinem Rad fast übersehen hatte, machte er sich an die Entwicklung des Blinkerhandschuhs. Drei Jahre lang tüftelte der Ruheständler an seinem Produkt. Bei der Erfindung handelt es sich um einen gewöhnlichen Fünffinger-Handschuh, in dessen Zeigefingerspitze ein elektronisches Blinklicht eingebaut ist, das von vorne und hinten gesehen wird. Vor dem Abbiegen kann der Nutzer den Blinker durch einfaches Antippen aktivieren. Nach 15 Sekunden geht der Blinker von alleine wieder aus. "Der Blinkerhandschuh bietet Radfahrern deutlich mehr Sicherheit im Straßenverkehr", ist der 69-jährige Erfinder überzeugt. 

Blinkerhandschuh in der "Höhle der Löwen"

Erfinder Harald Gerhard präsentiert seinen Blinkerhandschuh in der "Höhle der Löwen"

Fahrradstreifen der Polizei ausgestattet

Der gelernte Wirtschaftsingenieur hat sein Produkt in enger Abstimmung mit verschiedenen Verkehrsinstitutionen entwickelt. "Verkehrswacht und finden das gut", berichtet Harald. Eine Darmstädter Polizeistation beriet den Tüftler nicht nur bei der Entwicklung, sondern orderte auch gleich eine Ladung des fertigen Produkts für ihre Fahrradstreifen.

Aktuell gibt es den in drei Varianten, die zwischen 45 und 50 Euro kosten. Das Modell "Übergang" für den alltäglichen Gebrauch, einen Winterhandschuh und einen Sommerhandschuh, bei dem alle Finger bis auf den Blinker-Zeigefinger abgeschnitten sind. Die Knopfbatterie, die die eingebaute LED mit Energie versorgt, hält laut Erfinder etwa ein Jahr.

Seit zweieinhalb Jahren lang tingelt Gerhard mit seinem Blinkerhandschuh bereits über Fahrradmessen und hat viel positives Feedback erhalten. Rund 5000 Paar hat er bereits aus eigener Kraft verkauft. An diesem Dienstag präsentiert er seine Erfindung in der "Höhle der Löwen". Sollte das Produkt gut ankommen, wird man es wohl bald häufiger auf den Straßen sehen. 

Der Blinkerhandschuh: Kurz ausprobiert

Die gute Nachricht: Der Blinker funktioniert einfach und zuverlässig. Noch am Lenker drückt man die Finger zusammen und hebt dann die blinkende Hand. Im Dunkeln ist das LED-Licht kaum zu übersehen. Bei hellem Sonnenschein oder in der Lichterflut der City ist der Effekt natürlich nicht so eindrucksvoll.

Der Handschuh selbst ist für die Übergangszeit geeignet, vermutlich kann man ihn sogar im Sommer tragen. Für winterliche Temperaturen um null Grad herum, muss man das gefütterte Modell tragen. Die eigentliche Elektronik nebst Batterien wird in einem Täschchen auf dem Handrücken untergebracht – das wirkt wenig überzeugend. Der Verschluss mit Klettband ragt nur wenig über die Platine hinweg. Bewegt sich die Hand öffnet sich der Verschluss. Wenn man größere Hände hat, spannt die Platine spürbar auf der Hand. Am besten nimmt man die Handschuhe eine Nummer größer.

Eindruck: Gute Idee. Die Umsetzung ist aber noch verbesserungswürdig. 

"Die Höhle der Löwen": Nützlich oder daneben? Der Blinker-Handschuh im Test


bak/kra