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Expansion: Indischer Markt lockt deutsche Autobauer

Der indische Automarkt ähnelte noch in den 80er Jahren dem der DDR: Einheimische Modelle waren die einzigen im Angebot, ihre Qualität war mangelhaft, und sie mussten Jahre im Voraus bestellt werden. Das hat sich radikal geändert.

Indiens Automarkt verzeichnet inzwischen ein Wachstum, von dem in Deutschland nur geträumt werden kann. Immer mehr deutsche Autobauer steuern nun den Subkontinent an. Im Juli beginnt Audi mit dem Verkauf, Porsche startete bereits diesen Monat. Für die seit kurzem erhältliche DaimlerChrysler-Luxuslimousine Maybach liegen erste Bestellungen vor, und auch BMW erwägt den Markteintritt.

Absatzplus von 15 Prozent

Die Vereinigung der indischen Automobilhersteller (SIAM) rechnet dieses Jahr mit einem Absatzplus um bis zu 15 Prozent - erstmals würden in Indien dann mehr als eine Million Neuwagen verkauft. Im vergangenen Jahr war der Verkauf bereits um 27 Prozent auf gut 900.000 hochgeschnellt. Zwar sind die Zahlen für das riesige Land mit mehr als einer Milliarde Menschen gering: In Deutschland wurden 2003 - bei stagnierendem Absatz - rund 3,24 Millionen Autos neu zugelassen. Doch sie sind auch Beleg für das gigantische Potenzial.

Bislang kämen im Schnitt nur sechs Auto auf tausend Inder, sagte SIAM-Präsident Jagdish Khattar. Sollte das Wirtschaftswachstum aber auf derzeitigem Niveau von rund acht Prozent anhalten, "würden 50 Millionen Menschen jedes Jahr von der Mittelschicht in die obere Mittelschicht aufsteigen. Sie sind die künftigen Autobesitzer des Landes." Ziel müsse sein, mit China gleichzuziehen. Das Reich der Mitte sei noch vor kurzem auf gleicher Augenhöhe mit Indien gewesen und nun auf dem Weg, zum weltweit drittgrößten Automarkt zu werden.

DaimlerChrysler startete eigene Produktion

Das Potenzial veranlasste die heutige DaimlerChrysler AG schon 1994, eine eigene Pkw-Produktion mit Joint-Venture-Partnern zu starten. Bereut hat der erste deutsche Automobilkonzern auf den indischen Markt den Schritt nicht: Zwischen 2000 und 2003 stieg der Absatz um gut 50 Prozent auf 1.700 Fahrzeuge der C-, E- und S-Klasse. 2004 erwarte DaimlerChrysler India, seit vergangenem Jahr eine hundertprozentige Tochter der DaimlerChrysler AG, eine weitere Zunahme der Verkäufe, sagt Mercedes-Vertriebschef Joachim Schmidt.

"Der Unterschied ist deutsche Technik" - damit wirbt Opel India im Fernsehen. Diesen Unterschied wollen jetzt auch Audi und Porsche nutzen, selbst wenn sie nicht im Land produzieren und deshalb mit Einfuhrzöllen von bis zu 101 Prozent kämpfen müssen. "Sicher ist Indien einer der größten von uns bislang nicht berücksichtigten Märkte", sagt Porsche-Sprecher Michael Baumann. Die beiden Importeure in der Finanzmetropole Bombay und der Hauptstadt Neu Delhi rechnen mit 80 verkauften Autos im ersten Jahr. Die Stückzahl ist gering. Doch Baumann ist überzeugt: "Der Markt hat viel Potenzial."

Es beginnt wie in China

Auch Audi rechnet nur mit insgesamt 1.000 verkauften Fahrzeugen in den ersten fünf Jahren. Weltweit hat der Konzern im vergangenen Jahr rund 770.000 Autos abgesetzt, davon alleine in China mehr als 65.000. "Aber China begann auch nur mit ein paar Hundert Autos", erinnert sich Audi-Sprecher Jürgen de Graeve an den Markteintritt des Konzerns 1988. Man müsse langfristig denken - und schließlich besage das alte chinesische Sprichwort: "Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt."

Can Merey, dpa / DPA