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Faber-Castell: Qualität statt billig

Der Stifte-Hersteller Faber-Castell ist auch nach mehr als 240 Jahren in Familienbesitz. Nicht nur deshalb kommt ein Mitschwimmen auf der "Geiz-ist-geil"-Welle nicht in Frage.

Mitschwimmen auf der "Geiz-ist-geil"-Welle kommt für den traditionsreichen Stifte-Hersteller Faber-Castell nicht in Frage. "Wir müssten doch mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn wir Produkte der Marke Faber-Castell bei Aldi anbieten würden", sagt Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell. "Wir müssen vorsichtig mit der Marke umgehen". Qualität statt billig lautet daher das Motto des Juristen, der einen der weltweit führenden Hersteller von Produkten rund um das Schreiben und Malen in der achten Generation leitet.

"Das Beste machen"

Der Firmenchef steht damit in der Tradition seines Ururgroßvaters, des Freiherrn Lothar von Faber, der Mitte des 19. Jahrhunderts unter dem Label "A.W. Faber" den ersten Markenbleistift der Welt kreierte. Lothar von Faber hatte einst gesagt: "Mir war es von Anfang an nur darum zu tun, mich auf den ersten Platz emporzuschwingen, in dem ich das Beste mache, was überhaupt in der Welt gemacht wird..."

Sortiment von mehr als 2.000 Artikeln

Alles fing mit dem Schreiner Kaspar Faber an, der 1761 seine ersten Bleistifte fertigte. Mittlerweile enthält das Sortiment mehr als 2.000 Artikel - vom klassischen Bleistift über Produkte für Kinder, Hobby- und Profikünstler, für das Büro bis zur exklusiven Edel-Linie, der Marke "Graf von Faber-Castell" mit hochwertigen Schreibgeräten und Accessoires. Jüngster Coup des Familienunternehmens: Die Noppen-Blei- und Farbstifte Grip. Kleine Wasserlack-Noppen auf den Stiften geben das Gefühl besserer Griffigkeit. Die Noppen-Stifte, deren Produktionsverfahren zu den wohl gehüteten Geheimnissen des Unternehmens zählt, sind ein voller Erfolg, wie Graf von Faber-Castell berichtet. Konkurrenzprodukte gibt es bisher nicht. Außerdem stellt Faber-Castell Produkte für Kosmetik-Unternehmen her - Kernbereich ist aber auch mehr als 240 Jahre nach Unternehmensgründung die Produktion von Blei- und Farbstiften.

Autarke Holzproduktion

Rund 1,8 Milliarden sind es jährlich, 1,5 Milliarden werden davon in den brasilianischen Faber-Castell-Werken gefertigt. Das größte Tochterunternehmen des fränkischen Herstellers ist den Angaben zufolge damit Weltmarktführer im Bereich holzgefasster Farbstifte. Und die brasilianische Tochter ist autark bei der für die Stifteproduktion so wichtigen Holzversorgung. Auf ehemaligem Weideland mit magerem Sandboden werden seit rund als 20 Jahren karibische Pinien aufgezogen. Rund 10.000 Hektar groß ist die Holzplantage mittlerweile, und da mehr Pinien gepflanzt als geschlagen werden, tut das Unternehmen auch noch was für die Wiederaufforstung der brasilianischen Savanne. Dafür erhielt die Plantage 1999 das "FSC"-Zertifikat für "umweltschonende, sozial faire und nachhaltige Waldwirtschaft."

Lernen von der Tochter

Ausgerechnet von seiner siebenjährigen Tochter musste Graf von Faber-Castell allerdings erfahren, dass auch bei einem Unternehmen, das sich der Qualität verschrieben hat, einmal etwas schief gehen kann. Sie kam eines Tages mit Stiften von der Konkurrenz nach Hause. Diese würden nicht so leicht abbrechen, meinte die Siebenjährige. Wie sich später herausstellte, hatte es bei der Produktion einer Stiftcharge eine Panne gegeben. Die Konsequenz für den Grafen: Auf den neuen Verpackungen wird künftig für alle Fälle die E-Mail-Adresse und die Hot-Line-Nummer des Unternehmens stehen. "Es ist besser, wenn sich Kunden beschweren, als sie zu verlieren", argumentiert Faber-Castell, der Besucher gelegentlich in der Villa seines Urgroßvaters gegenüber dem Firmengelände im fränkischen Stein empfängt.

Nicht vom deutschen Markt allein leben

Klar war für den Juristen, der 1978 die Unternehmensleitung übernahm, dass Faber-Castell schon lange nicht vom deutschen Markt allein leben kann, obwohl die Geschäfte in Deutschland wie auch in Europa allgemein weiterhin positiv laufen. In Deutschland steht der Schreibwarenfachhandel zunehmend unter Druck, die öffentliche Hand muss sparen und der Konzentrationsprozess in der Branche hat sich verschärft, beschreibt der 62-Jährige die Lage. Gezielt setzte er daher die unter seinen Vorgängern eingeleitete internationale Expansion fort. In 19 Ländern ist das vor mehr als 240 Jahren gegründete Unternehmen inzwischen mit Produktionsstätten und Vertriebsgesellschaften vertreten. Große Wachstumschancen sieht "der Graf", wie ihn seine Mitarbeiter nennen, künftig zudem in Südamerika, Osteuropa und Fernost.

Rund um den Globis präsent

Seinen fränkischen Wurzeln ist das Familienunternehmen Faber-Castell längst entwachsen. Von dem Firmensitz in Stein bei Nürnberg mit seinen Produktionshallen und dem Schloss aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts werden inzwischen Fertigungsstätten und Vertriebsgesellschaften in 19 Ländern gesteuert. Allein 2.500 Mitarbeiter von insgesamt 5.500 Beschäftigten weltweit arbeiten für die brasilianische Faber-Castell-Gesellschaft mit ihrem großen Wiederaufforstungsbetrieb. In Deutschland beschäftigt das Unternehmen noch rund 850 Menschen.

Mittlwerweile ein internationales Unternehmen

Bereits früh erkannte der Hersteller von Blei- und Buntstiften die Chancen des internationalen Geschäfts. 1849 gründete Lothar von Faber die erste Auslandsniederlassung des Unternehmens und zwar in New York. Faber beziehungsweise Faber-Castell ist vermutlich sogar die älteste existierende Marke der USA, wie Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell stolz berichtet. Er leitet das Unternehmen, das 2002/2003 einen Umsatz von 276,4 Millionen Euro erwirtschaftete, in der achten Generation. 85 Prozent des Umsatzes stammen mittlerweile aus dem Auslandsgeschäft. Produktionsstätten gibt es neben Deutschland und Österreich in Brasilien, Peru, Kolumbien, Costa Rica, USA, Malaysia, Indonesien, China, Indien und Australien.

Firmensitz wird nicht verlagert

Eine Verlagerung des Firmensitzes kommt für ihn aber nicht in Frage. Zwar besitzt er wegen seiner Schweizer Mutter das Niederlassungsrecht in dem Land. Aber: "Faber-Castell ist ein internationales Unternehmen mit deutschen Wurzeln, und die deutschen Wurzeln sind wichtig",betont er.

Börsengang nicht ausgeschlossen

Ob künftig ein Deutscher, Inder, Brasilianer oder Chinese das Unternehmen leitet, ist Faber-Castell dagegen egal: "Hauptsache er macht es richtig". Die Weichen für einen Wechsel an der Unternehmensspitze hat der Vorstandschef bereits 2000 mit der Gründung der Faber-Castell Aktiengesellschaft gestellt. Damit gebe es mehr Optionen für seine Nachfolge. "Ich weiß ja nicht, ob mein Sohn, der gerade sein Studium beendet hat, die Firma übernehmen will. Er soll die Chance haben, aber es ist kein Muss", sagt Faber-Castell, der sich mittelfristig als "aktiven Aufsichtsratschef" sieht. Zugleich eröffnet die Gründung der Aktiengesellschaft die Möglichkeit, das Unternehmen irgendwann einmal an die Börse zu bringen. Derzeit ist dies allerdings kein Thema und die Familie würde auch immer die Mehrheit behalten, wie Faber-Castell betont.

Friederike Marx / DPA
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