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Fakeprofile erkennen: Abzocke bei Datingportalen: Die gängigsten Maschen und wie man sie enttarnt

Manche finden beim Online-Dating tatsächlich die große Liebe, andere werden Opfer skrupelloser Geschäftemacher. Bernd Storm van's Gravesande, Chef des Portals Aboalarm, erklärt die gängigsten Maschen - und wie man Fakeprofile erkennt.

Datingportale

Beim Online-Dating trifft man nicht nur auf Liebessuchende, sondern auch auf Betrüger

Wer sich bei einem Online-Dating-Portal anmeldet, hat normalerweise konkrete Beweggründe: Nicht mehr alleine einschlafen und aufwachen wollen, das Leben endlich wieder mit einem Partner teilen – sprich: sich zu verlieben. Doch manche, die sich dort anmelden, verfolgen mit ihrem Profil einen anderen Zweck: Sie wollen mit der Hoffnung auf die große der Nutzer Geld verdienen.

Fakeprofile sind ein großes Problem, gegen das Dating-Plattformen zu kämpfen haben. Doch nicht immer sagen die Betreiber den Fakeprofilen den Kampf an. Erst vor kurzem wurde bei den Betreibern der Dating-App Lovoo eine Razzia durchgeführt. Es geht um Betrug in einem besonders schweren Fall. Der Vorwurf: Lovoo ließ seine ahnungslosen Nutzer von fiktiven Frauen, sogenannten Promotern, anflirten. Nach aktuellem Stand waren fast 500 Promoterinnen gleichzeitig aktiv und haben die Lovoo-Nutzer so um insgesamt über eine Million Euro gebracht.

Bernd Storm van's Gravesande, Gründer und Geschäftsführer des Kündigungsdienstes "aboalarm", berichtet in loser Folge über Ärgernisse und Fallen, vor denen sich Verbraucher in Acht nehmen müssen.

Bernd Storm van's Gravesande, Gründer und Geschäftsführer des Kündigungsdienstes "aboalarm", berichtet in loser Folge über Ärgernisse und Fallen, vor denen sich Verbraucher in Acht nehmen müssen.

Ein Ausnahmefall? Leider nicht! Auf einigen Dating-Portalen scheinen sich die Fake-Frauen nur so zu tummeln. Manchmal wird dies in den AGB kenntlich gemacht, ein andermal bleibt nur ein komisches Gefühl bei den Liebessuchenden.

Datingportal-Abzocke - die gängigsten Maschen

Grundsätzlich kann man drei Arten von Fakeprofilen unterscheiden: Spammer, Scammer und Bots. Alle drei haben das gleiche Ziel: Männern oder Frauen Hoffnungen auf ihren Traumpartner machen und ihnen so das Geld aus der Tasche locken. Doch jeder Fakeprofil-Typ hat da seine ganz eigene Taktik.

1. Spammer: "Komm mit mir, Geliebter"

Spammer sind für Online-Dating-Portale wohl das größte Ärgernis. Denn sie versuchen, Kunden abzuwerben. Als gutaussehender Single getarnt fangen sie ein Gespräch mit dem vermeintlich Auserwählten an. Hat dieser angebissen, versprechen sie ihm engeren Kontakt, mehr Bilder oder was er sonst hören will – jedoch nur unter einer Voraussetzung: Er soll ihnen auf ein anderes, angeblich besseres, sichereres Portal folgen. Selbstverständlich ist auch dieses Portal kostenpflichtig. Folgt der Auserwählte brav, ebbt das Gespräch schnell ab – die Abbuchungen der neuen Dating-Börse aber bleiben.

2. Scammer: "Ich brauche dringend Geld, mein Schatz"

Scammer gehen da etwas perfider vor: Nach einer Zeit des Schreibens und der Liebesbekundungen fordern sie Geld. Die Beweggründe, die hierfür genannt werden, sind verschieden und reichen von rührseligen Geschichten angeblicher Verwandter oder Kinder bis hin zur Erpressung mit im Liebesrausch gesendeten Fotos.

3. Bots: "Schreib mir, ich bin schön!"

Bots werden in der Regel vom Betreiber des Dating-Portals selbst eingesetzt. Algorithmen oder Mitarbeiter erstellen Fakeprofile mit Fotos und Daten attraktiver Frauen oder Männer und schreiben mit diesen Profilen Nutzer an. Damit diese auf den Flirtversuch eingehen können, müssen sie eine kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaft abschließen. Was sich wohl für die meisten im ersten Moment wie Betrug anhört, wird in den AGB vieler Dating-Portale ganz offen dargelegt.

Die Untersuchung der AGB von 56 Dating-Portalen ergab, dass mehr als 50 Prozent Formulierungen wie diese enthielten: "DER ANBIETER setzt zur Animation und Unterhaltung der Nutzer professionelle Animateure und Operatoren ein, die im System nicht gesondert gekennzeichnet werden. Mit diesen sind keine realen Treffen möglich. Die Nutzer können ihnen lediglich Nachrichten innerhalb des Portals senden oder per SMS oder telefonisch mit ihnen in Kontakt treten. Nachrichten über das elektronische Postfach sind nur im Rahmen des kostenpflichtigen Dienstes möglich." (Quelle: Flirtfair AGB)

Eine Liste der Dating-Anbieter, die nachweislich Fakeprofile nutzen, kann im aboalarm-Blog-Artikel "Dating-Portale, die nachweislich Fakeprofile nutzen" nachgelesen werden.

Online-Dating: Ein Millionenmarkt und sein Geschäftsmodell

Doch warum riskieren die Anbieter Negativ-Schlagzeilen durch den Einsatz von Fakeprofilen und verlassen sich nicht auf die Qualität ihres Produkts? Dazu muss man sich das Geschäftsmodell und den Markt genau ansehen.

Das gängigste Geschäftsmodell in der Welt des Online-Datings ist das sogenannte Freemium-Modell. Die Registrierung erfolgt meist kostenlos, will der Liebeshungrige aber das Portal vollumfänglich nutzen – also Nachrichten schreiben, Bilder sehen usw. – muss er oder sie eine kostenpflichte Premium-Mitgliedschaft abschließen. Und um genau dies zu provozieren, werden Bots und Fakeprofile eingesetzt. Wie eine Statista-Erhebung zeigt, machten Dating-Portale noch 2003 kaum Umsatz. Bis 2014 stieg dieser jedoch auf knapp 200 Millionen Euro an – und das nur in Deutschland. Ein riesiger Markt also, auf dem es um viel Geld geht.

Fünf Tipps, wie Nutzer Fakeprofile erkennen

Doch wie schützt man sich nun vor Fakeprofilen? Diese fünf Tipps helfen.

1. Professionell erstellte Nackt- und Erotikfotos

Bei professionellen Fotos, die zu schön wirken um wahr zu sein, sollten Nutzer skeptisch werden: Hat mein Gegenüber wirklich Zeit und Geld in ein professionelles Shooting investiert oder handelt es sich nicht eher um kopierte Bilder aus dem Netz?

Hilfe bietet die Google Rückwärts-Bildersuche: Nutzer kopieren die URL verdächtiger Profilbilder. In der Google Bildersuche ziehen sie das Bild nach Klick auf das Kamerasymbol in der Suchleiste in die Maske. Dort sehen sie, ob das Bild noch auf weiteren (Erotik-)Seiten auftaucht, oder ob es sich tatsächlich um ein Privatbild handelt.

2. Zeitpunkt und Inhalt der Nachrichten

Zwar kann der Zeitpunkt der Nachricht nur ein schwacher Indikator für ein Fakeprofil sein, dennoch liegt ein Zusammenhang nahe. Erhalten Nutzer beispielsweise schon kurz nach der Anmeldung eine Nachricht, ohne dass Sie überhaupt mit der Erstellung Ihres Profils fertig sind, so sollten sie zumindest vorsichtig sein. Auch der Inhalt ist aufschlussreich. Denn oftmals ist dieser in Fake-Nachrichten so allgemein gehalten, dass er quasi an jeden geschickt werden könnte. Auch auf Fragen oder Aussagen wird kaum oder gar nicht eingegangen. Auch hier sollten Nutzer stutzig werden.

3. Treffen nicht möglich

Schlagen Nutzer immer wieder Termine für ein erstes Treffen im realen Leben vor und das Gegenüber findet ständig Gründe, warum dies nicht klappt oder die Termine werden kurzfristig abgesagt, kann das ein Hinweis auf ein Fakeprofil sein.

4. Kostenpflichtige Nachrichten

Spätestens, wenn der Flirtpartner vorschlägt, über andere Portale oder Dienste kostenpflichtige Nachrichten zu senden oder über eine teure Hotline zu telefonieren, sollte klar werden, dass es nicht ums Flirten oder Verlieben geht, sondern um Geld.  

5. Bitte um Geld

Die Bitte um Geld ist die typische Masche der sogenannten "Scammer". Man schreibt sich, kommt sich näher und entwickelt Gefühle für sein virtuelles Gegenüber. Und nach einiger Zeit kommt dann die Frage nach Geld. Betroffen sind vor allem Frauen.

Die Vorwände sind vielfältig: Geld für die Reise oder das Visum, damit man sich das lang ersehnte Treffen leisten kann oder für die todkranke Tante in Amerika. Bei den Geschichten sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Und was der Normal-Denkende schnell entlarven würde, sieht der langjährige und verzweifelte Single oft nur durch die rosarote Brille. Deshalb lautet der Appell: Niemals, wirklich niemals Geld an Personen überweisen, die man nicht persönlich kennt. Und auch nach einem persönlichen Treffen sollte das Überweisen großer (und kleiner) Summen Tabu sein.

Die rosarote Brille absetzen

Bei allen Warnungen, die wir bis hierhin ausgesprochen haben, wollen wir nicht sagen, dass nicht auch funktionieren kann. Dennoch sollten Sie sensibel bleiben bei der Online-Suche nach dem Traumpartner. Nehmen Sie immer wieder die rosarote Brille ab und betrachten Sie Ihr Gegenüber ganz nüchtern. Sind die Fotos realitätsnah? Geht mein Gegenüber auf mich ein? Können die Geschichten stimmen, die er/sie mir erzählt? Und die wichtigste Frage ist wohl: Ist mein Gegenüber wirklich an mir und einem Kennenlernen interessiert oder hält es mich nur hin und fordert am Ende auch noch Geld?

Denn eines wird auch im Fall von Lovoo klar: Selbst wenn sich der Betrugsverdacht erhärtet wird es für die Nutzer schwer sein, beweisen zu können, dass sie auf ein Fakeprofil hereingefallen sind. Und so schwinden auch die Chancen auf eine Entschädigung oder eine Rückzahlung des bezahlten Gelds. 

Gastautor Bernd Storm van's Gravesande ist Mitgründer und Geschäftsführer des Online-Kündigungsdienstes aboalarm und schreibt für den stern regelmäßig über Verbraucherthemen.

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