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Bürokratie: Von der Wiege bis zur Bahre: Formulare

Stirbt ein naher Angehöriger, stehen eine Menge Behördengänge und Entscheidungen an. Wer sämtliche Formalitäten durch ein Bestattungsunternehmen erledigen lassen will, muss tief in die Tasche greifen.

Stirbt ein naher Angehöriger, stehen eine Menge Behördengänge und Entscheidungen an. Wer sämtliche Formalitäten durch ein Bestattungsunternehmen erledigen lassen will, muss tief in die Tasche greifen. Das Rundum-Sorglos-Paket der Profis ist zwar Balsam für strapazierte Nerven. Doch längst nicht jeder kann sich diese Zusatzbelastung für den Geldbeutel leisten. In solchen Fällen ist es ratsam, zumindest einen Teil der Aufgaben selbst in die Hand zu nehmen. Die meisten Beerdigungsinstitute sind nach den Erfahrungen der Verbraucherzentralen auch bei weniger lukrativen Aufträgen bereit, notwendige Informationen zu geben.

Keine Zeit zum Trödeln

Wer den Behördenmarathon auf sich nimmt, sollte sich allerdings darüber im Klaren sein, dass er nicht trödeln darf. Eine Bestattung muss je nach Bundesland in der Regel spätestens vier bis fünf Werktage nach dem Tod erfolgt sein. Einer der ersten Schritte nach dem Tod eines Familienmitglieds ist das Beantragen der Sterbeurkunde. Der Tod eines Menschen muss dem Standesbeamten spätestens am folgenden Werktag angezeigt werden. Dafür ist ein Totenschein notwendig. Das Dokument wird vom herbeigerufenen Arzt zu Hause oder im Krankenhaus oder Altersheim ausgestellt.

Zuständig ist Standesamt des Sterbeortes

Wichtig zu wissen: Die Sterbeurkunde muss nicht zwangsläufig am Wohnort des Verstorbenen, sondern bei dem Standesamt beantragt werden, in dessen Zuständigkeitsbereich der Todesfall passiert ist - also beispielsweise nach einem Verkehrsunfall in einer fremden Stadt. Zusammen mit dem Totenschein, der Geburtsurkunde und dem Personalausweis muss bei verheirateten Verstorbenen noch die Heiratsurkunde oder das Familienstammbuch vorgelegt werden. War der Tote geschieden, wird zusätzlich das Scheidungsurteil benötigt. Bei verwitweten Personen wird überdies die Sterbeurkunde oder Todeserklärung des verstorbenen Ehepartners verlangt. Der Behördengang zum Standesamt kann übrigens auch von hilfsbereiten Nachbarn oder Freunden übernommen werden.

Immer genug Kopien verlangen

Von der neu ausgestellten Sterbeurkunde werden automatisch gleich mehrere Kopien für den Friedhof, die Rentenversicherung und die Krankenkasse ausgefertigt - kostenfrei. Noch ein paar Exemplare mehr für Formalitäten wie Auflösung von Konten oder laufenden Verträge können nicht schaden, raten Verbraucherschützer.

Meldepflicht bei Lebens- oder Unfallversicherung

Nicht zögern sollten Hinterbliebene auch mit der Benachrichtigung sämtlicher Versicherungsgesellschaften. In den meisten Lebensversicherungs- oder Unfall-Policen sind Meldefristen zwischen 24 und 72 Stunden festgelegt oder zumindest "unverzüglich", wie es in den Klauseln oft heißt. Wer seiner Meldepflicht innerhalb von drei Tagen nach dem Todesfall nachkommt, geht immer auf Nummer sicher, wie die Rechtschutzversicherung Arag beruhigt. Bei einer Verspätung ist aber auch nicht alles verloren. Der Versicherer werde auch dann seine Leistung nicht verweigern, so die Arag.

Keine Eile bei anderen Versicherungen

Keine Eile ist bei sachbezogenen Versicherungen wie Gebäudehaftpflicht, Kfz- oder Betriebshaftpflicht geboten. Die Policen gehen auf die Erben über. Diese können die Verträge dann nur innerhalb der vereinbarten Fristen kündigen. Eine Sonderstellung hat die Hausratversicherung. Sie endet zwei Monate nach dem Tod des Verstorbenen. In der gesetzlichen Krankenkasse mitversicherte Familienmitglieder müssen auf der Hut sein: Weil sie automatisch nur noch einen Monat nach dem Todesfall Versicherungsschutz haben, sollten sie möglichst schnell mit der Kasse Kontakt aufnehmen.

Schnell mit Bank und Versicherungen sprechen

Wichtig kann auch der schnelle Gang zur Bank werden. Hatte der Verstorbene die alleinige Verfügungsberechtigung über die Konten der Familie, sollten sich die Angehörigen rasch um eine Umschreibung oder Auflösung der Konten kümmern, um finanzielle Engpässe zu vermeiden. Dafür ist jedoch ein Erbschein notwendig. Er kann beim zuständigen Amtsgericht mündlich oder schriftlich beantragt werden.

Berrit Gräber, AP / AP / DPA