HOME

Devisen: Euro setzt zu neuem Höhenflug an

Der Euro zeigte Muskeln und hat einen neuen Anlauf genommen, die historische Höchstmarke im Verhältnis zum Dollar zu durchbrechen. Die US-Regierung ist offenbar nicht an einer Intervention zu Gunsten des Dollar interessiert.

Die Gemeinschaftswährung wurde am Montagmorgen mit 1,1739 Dollar gehandelt und befand sich damit nur noch knapp unter dem Allzeithoch von 1,1884 Dollar vom 4. Januar 1999. Im späteren Handelsverlauf gab der Euro wieder etwas nach. Ursache für den Höhenflug sind nach Ansicht von Beobachtern die jüngsten Signale der US-Regierung, nicht zu Gunsten des Dollar intervenieren zu wollen.

"Ziemlich bescheiden"

US-Finanzminister John Snow hatte am Wochenende bei einem Treffen mit seinen G-8-Kollegen erklärt, die bisherigen Verluste des Dollar seien nur "ziemlich bescheiden" gewesen. Bereits vor einer Woche hatte Snow mit seiner Bemerkung, ein schwächerer Dollar könnte den US-Exporten helfen, den Greenback auf Talfahrt geschickt. Auch gegenüber anderen Währungen zeigt der Dollar Schwäche. In Tokio wurde er mit 115,20 Yen gehandelt (minus 1,16 Yen). Am Zürcher Devisenmarkt kostete der Dollar am Mittag 1,2931 Franken. Das Tagestief betrug 1,2895 Franken, der tiefste Stand seit November 1996. Im Vergleich zum Freitag büßte der Greenback damit fast zwei Rappen ein.

Sorgen verstärkt

Snows Bemerkungen hätten die Sorgen der Anleger nach der Bekanntgabe der Zahlen zur US-Inflation am Freitag noch verstärkt, erklärte Michael Schuber von der Commerzbank in Frankfurt am Main. Der Rückgang der US-Verbraucherpreise um 0,3 Prozent im April war von Beobachtern als Indiz für eine mögliche Deflation gewertet worden. Snows Bemerkung und die Inflationsdaten hätten wie eine "kleine Bombe" auf den Märkten gewirkt, sagte Schubert.

Eher Dollar-Schwäche als Euro-Stärke

Zum Höhenflug des Euro tragen nach Meinung von Devisenexperten gleich mehrere Faktoren bei. Zum einen haben immer mehr Anleger Sorgen vor der weiteren Entwicklung der US-Konjunktur und der Finanzmärkte. Wenn diese Investoren ihre Gelder aus den USA abziehen, verkaufen sie Dollar und üben zusätzlichen Druck auf die US-Währung aus. Ein weiterer Faktor ist das höhere Zinsniveau in Europa, das ebenfalls zu einem Zufluss von Geldern aus den USA führt. Dort haben die Zinsen inzwischen den tiefsten Stand seit vier Jahrzehnten erreicht. Die meisten Analysten vertreten die Ansicht, dass es sich bei der derzeitigen Entwicklung eher um eine Dollar-Schwäche als um eine Euro-Stärke handelt und verweisen auf das nach wie vor nur moderate Wirtschaftswachstum in Europa.