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Familienförderung: Alles rund ums Elterngeld

Zwei Drittel des letzten Nettogehalts, maximal 1800 Euro und das 14 Monate lang: Seit 2007 das Elterngeld in Deutschland eingeführt wurde, steigt die Geburtenrate. Aber wer genau bekommt das Geld? Welches Einkommen wird als Grundlage genommen? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Die Geburtenrate in Deutschland ist auch 2008 deutlich gestiegen. Das geht aus dem am Montag in Berlin vorgestellten Familienreport hervor. Ein Verdienst, den Familienministerin Ursula von der Leyen, selber Mutter von sieben Kindern, gerne auf ihre Familienpolitik und das Elterngelt zurückführt. Auch nach der Bundestagswahl strebt von der Leyen eine zügige Ausweitung der Vätermonate beim Elterngeld an.

Die Ministerin warnte davor, in der Wirtschaftskrise die Familienpolitik zu vernachlässigen. "Wir müssen enorm aufpassen, dass das so bleibt", sagte die CDU-Politikerin. Gerade die Investitionen in die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie in frühkindliche Bildung könnten dazu beitragen, Deutschland krisenfester zu machen.

Keine Zeugungsprämie

Dabei ist das Elterngeld keine Zeugungsprämie oder eine dauerhafte Stütze, sondern eine zeitlich begrenzte Hilfe, die es Berufstätigen leichter machen soll, sich ganz der Erziehung zu widmen. Die Grundidee: Der Staat zahlt maximal 14 Monate lang zwei Drittel des letzten Nettogehalts, aber höchstens 1800 Euro pro Monat. Auch Arbeitslose, Studenten und Hausfrauen bekommen einen Mindestsatz. Das klassische Kindergeld gibt es oben drauf. stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen rund ums Elterngeld.

Wann kann ich das Elterngeld beantragen?

Nach der Geburt des Kindes. Wer Geldreserven hat, muss nichts überstürzen, weil das Elterngeld bis zu drei Monaten rückwirkend gezahlt wird. Ein kleines Polster ist ohnehin nützlich, weil jeder Antrag bei den Familienkassen erst bearbeitet werden muss. Wo genau der Antrag gestellt werden muss, ist vom Bundesland abhängig.

Wie lange bekomme ich Elterngeld?

Maximal 14 Monate, wobei ein Elternteil auf höchstens zwölf Monate Anspruch hat. Eine Ausnahme sind Alleinerziehende; sie werden unter bestimmten Bedingungen über den vollen Zeitraum unterstützt. Das Mutterschaftsgeld, das bei vorher Berufstätigen wie bisher acht Wochen nach der Geburt gezahlt wird, wird voll auf das Elterngeld angerechnet.

Bekomme ich als Alleinerziehende immer das gesamte Elterngeld?

In voller Länge von 14 Monaten, also inklusive der beiden so genannten Vätermonate, bekommen Alleinerziehende das Elterngeld nur dann, wenn sie das alleinige Sorge- und Aufenthaltsbestimmungsrecht haben, nicht mit dem Ex-Partner in einer Wohnung leben und vor der Geburt Einkünfte hatten.

Alle drei Bedingungen müssen erfüllt sein, damit die vollen 14 Monate gezahlt werden. Sonst gibt es nur zwölf Monate.

Welche Grundvoraussetzungen muss ich erfüllen?

Wer mit seinem Kind im gleichen Haushalt wohnt, hat Anspruch auf Elterngeld. Egal, ob er mit dem anderen Elternteil verheiratet ist oder nicht. Gleichzeitig muss die bisherige Berufstätigkeit ausgesetzt werden oder auf höchstens 30 Stunden pro Woche begrenzt sein.

Der Hauptwohnsitz der Antragssteller muss dabei in Deutschland liegen. Ausnahme: Beamte, die zeitweise im Ausland eingesetzt werden. Ausländer brauchen eine Arbeitsgenehmigung und müssen auch in Deutschland arbeiten. Wer nur vorübergehend hier lebt, zum Beispiel Studenten, hat keinen Anspruch.

Wie kann ich die 14 Monate aufteilen?

Mütter und Väter können die 14 Monate aufteilen, wie sie wollen, wobei der Maximalzeitraum pro Elternteil auf zwölf Monate begrenzt ist. So können Paare zum Beispiel je sieben Monate Elterngeld beziehen. Oder einer bleibt zwölf Monate zu Hause beim Kind und der andere zwei. Die Zeiträume müssen nicht zeitgleich liegen, sondern können auch hintereinander gelegt werden: So kann einer zwölf Monate Elterngeld beziehen und danach der andere zwei Monate.

Kann ich die Elternzeit verlängern?

Die Elternzeit kann verdoppelt werden, wobei sich die Gesamtsumme der Beträge nicht verändert. Statt zwölf Monaten zu 1800 Euro kann ein Elternteil also 24 Monate lang 900 Euro erhalten.

In welcher Höhe bekomme ich Elterngeld?

Berechnungsgrundlage für das Elterngeld ist immer das durchschnittliche Nettoeinkommen der letzten zwölf Monate vor der Geburt. Dieser Zeitraum gilt auch, wenn nicht durchgehend gearbeitet wurde. Unabhängig vom Einkommen des Partners werden zwei Drittel des letzten Nettos, jedoch maximal 1800 Euro pro Monat und minimal 300 Euro, als Elterngeld vom Staat gezahlt.

Was wird auf mein "durchschnittliches Nettoeinkommen" angerechnet?

Nur steuerpflichtiges Erwerbseinkommen. Sozialleistungen, Renten, BAföG, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Sonntagszuschläge und Trinkgelder werden nicht angerechnet. Auch Akademikerinnen bekommen auf dem Weg nach oben Steine in den Weg gelegt: Promotionsstipendien werden ebenfalls nicht angerechnet. Das begründet das Bundesfamilienministerium auf Anfrage von stern.de mit der angeblich erschwerten "Handhabbarkeit für die Verwaltung".

Gibt es Elterngeld auch für Selbstständige?

Ja. Berechnungsgrundlage ist auch hier der Zeitraum der letzten zwölf Monate, und zwar das zu versteuernde Einkommen. Der Nachweis erfolgt entweder über den letzten Steuerbescheid oder als eigene Schätzung der Gewinnerwartung. Da natürlich am Ende präzise abgerechnet werden muss, ist es im Zweifel besser, den erwarteten Gewinn eher zu niedrig als zu hoch einzuschätzen. Im ersten Fall gibt es einen Nachschlag, im zweiten ist eine Rückzahlung fällig.

Wie viel bekomme ich, wenn ich arbeitslos bin?

Bei Empfängern von Arbeitslosengeld II ("Hartz IV") gibt es ähnlich wie bei Studenten, Hausfrauen oder Stipendiaten den Mindestsatz von 300 Euro. Empfänger von Arbeitslosengeld I können wählen. Entweder nehmen sie weiter das ALG I und bekommen die 300 Euro Mindestsatz oben drauf. Dabei müssen die Bezieher aber wie alle Arbeitslosen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, brauchen also im Zweifel einen Erzieher (Freunde, Oma, Nachbarn). Die zweite Möglichkeit ist, wie im Normalfall auch, erst das Elterngeld zu beziehen und nach Ablauf der üblichen Fristen den Restanspruch ALG I zu bekommen.

Wie ist das mit Teilzeitjobs in der Elternzeit?

Teilzeitjobs sind bis zu 30 Stunden in der Woche erlaubt. Das Elterngeld wird dann nur in der Höhe von zwei Dritteln des Differenzbetrags zwischen dem vorgeburtlichen Nettoeinkommen und dem späteren Teilzeiteinkommen gezahlt, wobei der Deckelbetrag 2700 Euro beträgt.

Beispiel:

Ein Vater, der vor der Geburt seines Kindes 3400 Euro netto hatte und nach der Geburt in Teilzeit 1600 Euro verdient, bekommt theoretisch zwei Drittel der Differenz als Elterngeld, also 1200 Euro. Wegen des Deckelbetrags von 2700 Euro reduziert sich das Elterngeld aber auf 737 Euro. Eine Regelung, von der laut Bundesfamilienministerium zwei Prozent der Frauen und vierzehn Prozent der Männer betroffen sind, die ein entsprechend hohes Einkommen vor der Geburt hatten. Der Mindestsatz von 300 Euro gilt immer.

Welche Steuerfallen gibt es?

Grundsätzlich ist das Elterngeld nicht steuerpflichtig. Aber Vorsicht bei Verheirateten, die das Ehegattensplitting nutzen: Das Elterngeld kann dem Partner ein höheres zu versteuerndes Einkommen bescheren. Gutverdienende machen darum gerne Gebrauch von der Möglichkeit, das Elterngeld auf 24 Monate zu verteilen.

Auch beim Wechsel der Steuerklasse zur Erhöhung des Nettogehalts vor der Geburt ist Vorsicht geboten. Das höhere Gehalt wird nur anerkannt, wenn der Wechsel nachweisbar nicht zur Erhöhung des Elterngelds, sondern aus steuerlichen Gründen vollzogen wurde. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Partner weniger verdient als man selbst.

Was bekomme ich, wenn ich mehrere Kinder habe?

Für das zweite und jedes weitere Kind gibt es zehn Prozent Aufschlag, aber immer mindestens 75 Euro. Achtung: Dieser so genannte Geschwisterbonus wird nur bis zum dritten Geburtstag des älteren Kindes gezahlt. Sind zwei oder mehr ältere Geschwister vorhanden, wird er bis zum sechsten Geburtstag des ältesten Kindes verlängert. Der Staat übt so Druck im Sinn einer schnellen Geburtenfolge aus, weil bei einem größeren Abstand der Bonus wegfällt.

Bei einer neuen Schwangerschaft während der Elternzeit werden die Elternzeit vom ersten Kind, die Zeit des Mutterschaftsgeldes sowie ein Zeitraum, in dem das Einkommen wegen schwangerschaftsbedingter Erkrankung gesunken ist, nicht als Bemessungsgrundlage für das Elterngeld beim zweiten Kind herangezogen. Maßgeblich sind die letzten zwölf Monate vor der Geburt des zweiten Kindes, in denen das nicht der Fall war, auch wenn diese vor der Schwangerschaft mit dem ersten Kind lagen. Dadurch erhöht sich das Elterngeld für ein zweites Kind deutlich, wenn der Abstand zwischen den Geburten sehr klein ist.

Diesen Zuschlag gibt es auch bei Zwillingen. Bei Mehrlingsgeburten gibt es also nicht den doppelten oder dreifachen Elterngeldsatz, sondern den Regelsatz plus 300 Euro pro weiterem Kind.

Weitere Informationen

Das neue Elterngeld weckt viele Hoffnungen: Es soll die Familienarmut mildern, Alleinerziehenden helfen und Väter zur Elternzeit überzeugen. Doch wie funktioniert es? Und was für Hilfe gibt's sonst noch vom Staat? Ein Buch gibt Antworten.

Kinder, Geld und Steuern

Neusel Tibet / Arrocha Kathrin / Beyer Sigrid
Das neue Elterngeld - Steuern sparen für Familien - Klug vorsorgen - Viele praktische Tipps und Rechenbeispiele
(2007, 192 Seiten, ISBN 978-3-7093-0135-7, Euro 9,90).

Christoph M. Schwarzer