Fußball Schulden gefährden Bundesliga-Existenzen


Die Tendenz ist alarmierend: Drei Viertel der Bundesliga-Manager sehen durch Verschuldung "existenzgefährdende Probleme" auf den deutschen Profi-Fußball zukommen.

Zu wenig Eigenkapital und eine gesunkene Kreditwürdigkeit bei den Banken zwingen die 18 Top-Clubs zur Einführung oder Fortsetzung von Spar-Programmen. Dennoch haben die Etatzahlen vor der 42. Bundesliga-Saison nur leicht nachgegeben: Für die am 6. August beginnende Spielzeit kalkulieren die Vereine mit insgesamt 581,7 Millionen Euro (Vorjahres-Spielzeit: 596,2 Millionen Euro). Branchenführer bleibt der FC Bayern München mit 60 Millionen Euro vor Hertha BSC (54,7) und dem deutschen Meister SV Werder Bremen (45).

Borussia Dortmund speckte ab

Abgesehen von den Aufsteigern 1. FC Nürnberg (Etatansatz: 25 Mio. Euro), Arminia Bielefeld (22) und FSV Mainz 05 (22) rechnen weitere sieben Vereine mit mehr Ausgaben. Den gegenläufigen Trend bildet der einzige Börsen notierte deutsche Fußball-Club: Borussia Dortmund verordnete sich angesichts einer bedrohlichen Finanzkrise einen rigorosen Sparkurs und speckte allein bei den Personalkosten von 57 Millionen Euro auf unter 40 Millionen Euro ab. "Noch im Januar hat man uns prophezeit, die Lichter würden ausgehen", sagte Gerd Niebaum, nachdem bei den Westfalen letztlich "jeder sein Geld bekommen hat", wie der BVB-Präsident sich ausdrückte. Das unerwartete Aus im UI-Cup am Samstag hat die Sparzwänge nun allerdings noch einmal erhöht.

Der 1. FC Kaiserslautern kalkuliert nach einer zwischenzeitlichen Beinahe-Zahlungsunfähigkeit nur noch mit Ausgaben für den Lizenzspieler-Bereich von 16,5 Millionen Euro. Ähnlich wie Meister Werder Bremen (plus 10 Millionen Euro Etatansatz im Vergleich zum Vorjahr), Borussia Mönchengladbach und Hannover 96 (beide plus rund 7 Millionen) stockte Hertha BSC ihren Sockel um 5,5 Millionen auf den Rekordetat von 54,7 Millionen Euro auf. Die Erhebungen basieren auf Vereinsangaben und geben als größte Posten die Gehälter wieder.

Bayer zahlt ordentlich für Leverkusen

Bei Bayer Leverkusen nannte Meinolf Sprink als Sportbeauftragter des Konzerns erstmals konkrete Zahlen. Demnach überweist die Bayer AG jährlich etwa 15 Millionen Euro an die Fußball-GmbH. Hinzu kommen 8 bis 10 Millionen Euro aus dem Erlös des Trikot-Sponsorings. Der Gesamtetat wird auf 25 bis 28 Millionen Euro geschätzt.

Die Leverkusener haben, wie die Mehrheit der Vereine, vor allem an den Personalkosten gespart. Außer hoch dotierten Spielern wie Weltmeister Lucio stehen auch die Top-Manager Reiner Calmund, Ilja Kaenzig und Jürgen Kohler nicht mehr auf der Gehaltsliste. "Die Umsätze sind in zwei bis drei Jahren um 40 Prozent zurück gegangen. Also muss man das einfach einsparen", macht Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser eine simple Rechnung auf.

Neue Finanzierungsvarianten gesucht

Trotz Kostenreduktion bei den Bundesligisten kommen Experten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young AG zunächst auf wenig Erfreuliches: In einer Studie aller 36 Profi-Vereine nennen sie den Gesamt-Schuldenstand von 700 Millionen Euro (Stand: 2003). Neue Finanzierungs-Möglichkeiten sind gefragt. Der FC Schalke 04 nahm 2003 eine festverzinsliche Anleihe von 75 Millionen Euro auf. Bayern München verkaufte zehn Prozent der Clubanteile an den Sportartikel- Hersteller Adidas. Absteiger 1. FC Köln finanziert seinen Zweitliga- Kader als erster DFB-Club zum Teil mit so genannten Genuss-Scheinen. Es soll ein Gesamtwert von 10 Millionen Euro platziert werden.

"Die großen Vereine können die kommenden Jahre angesichts leicht steigender Einnahmen und sinkender Ausgaben unter Beibehaltung der sportlichen Konkurrenzfähigkeit zur Gesundung nutzen", sagte Ernst & Young-Manager Arnd Hovemann. Doch die Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander: "Für die kleinen und finanzschwachen Clubs wird es immer enger."

Dietmar Fuchs, dpa DPA

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