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Handel: Quelle steigt in den Autohandel ein

Quelle will künftig elf verschiedene Fahrzeugtypen entweder mit Tageszulassung oder Importe aus dem europäischen Ausland anbieten. Experten halten dies für einen "reinen Werbegag".

Das Versandhaus Quelle steigt in den Autohandel ein. Quelle wird künftig verschiedene Fahrzeugtypen entweder mit Tageszulassung oder Importe aus dem europäischen Ausland anbieten, erklärte der Unternehmenssprecher Erich Jeske. Damit bestätigte er einen entsprechenden Bericht der "Bild am Sonntag".

Preisvorteil von 5.000 Euro

"Wir sind wahrscheinlich die ersten, die als Nicht-Autohändler in diesen Vertrieb einsteigen", betonte Jeske. Die Autos würden im Vergleich zum Handel mit einem Preisvorteil von mehr als 5.000 Euro angeboten. Bereits Mitte April hatte das Versandhaus 50 Autos der Marke "Smart" zum Preis von 2.000 Euro angeboten. Diese Aktion sei als Einstieg in den Autohandel zu sehen, erklärte Jeske.

Verkauf vorerst über's Internet

Vorerst wird es die Autos nur über das Internet geben. Von den rund 5,5 Millionen Kunden, die sich an der Verlosungsaktion für ein smart-Cabrio zum Kaufpreis von 1.990 Euro beworben haben, sind einer Umfrage zufolge mehr als 100.000 am Kauf eines Autos interessiert und bekommen zuerst ein schriftliches Angebot. Alle anderen Interessenten können die Autos vom 10. Juni an unter www.quelle.de bestellen, sagte der Quelle-Vorstandsvorsitzende, Christoph Achenbach, am Dienstag in Nürnberg.

Preisvorteile - je nach Modell

Insgesamt bietet das Versandhaus elf verschiedene Automodelle der Marken Ford, VW, Nissan und smart an. Die Fahrzeuge sollen mit Preisvorteilen im Vergleich zum Händler-Listenpreis von fünf Prozent beim Ford Streetka bis zu 22 Prozent beim Ford Galaxy Trend verkauft werden. "Wir haben bewusst keine Ladenhüter, sondern gängige Modelle gewählt, für die wir sehr attraktive Rabatte bieten", erläuterte Quelle-Vorstand Michael Badke. Ob die Autos auch in den Quelle- Hauptkatalog aufgenommen würden, ist noch offen.

Für 170 Euro mehr vor die Haustür gerollt

Quelle hat von den elf Autotypen derzeit Fahrzeuge in vierstelliger Stückzahl vorrätig, einzelne jedoch nur in begrenzter Menge. "Wir haben überhaupt keine Erfahrung mit dem Autohandel und müssen erst einmal sehen, wie der Verkauf anläuft", erklärte Badke. Wer ein Quelle-Fahrzeug kauft, kann sich sein Auto entweder selbst bei den rund 800 Quelle-Handelspartnern in Deutschland abholen oder für 170 Euro Mehrkosten vor die Haustüre liefern lassen.

Reiner Werbegag?

Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Gelsenkirchen, bezeichnete den Quelle-Vorstoß indes als reinen Werbegag. "Ich glaube nicht, dass dies der große Wurf ist", sagte er. Die Rabatte, die Quelle den Autokäufern gewähren wolle, könnten diese zum Teil auch im herkömmlichen Handel erhalten. "Quelle verdient dabei zu wenig und wird langfristig auf die Nase fallen", prognostizierte der Automobilfachmann.

Autos können nicht in Zahlung gegeben werden

Versuche, in den Autohandel einzusteigen, seien bereits vor rund 15 Jahren bei Metro gescheitert: Dudenhöffer: "Niemand will im Supermarkt ein Auto kaufen." In den vergangenen Monaten hatten auch die Einzelhandelsketten Plus und Edeka in einzelnen Aktionen Autos angeboten. Dudenhöffer erklärte weiter, Quelle habe nicht bedacht, dass etwa 80 Prozent aller Autokäufer ihren bisherigen Wagen beim Händler für ihr neues Auto in Zahlung gäben. Hierfür biete das Konzept des Versandhauses keine Lösung an.

Autohändler nicht beunruhigt

Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) wertete die Quelle-Aktion als Marketingmaßnahme. "Wer sich ein Auto kauft, legt Wert darauf, auch noch später in seinem Händler einen Ansprechpartner zu haben bei allen Fragen rund um Reparatur, Sicherheit und Gewährleistung", sagte VDA-Sprecher Eckehart Rotter. Das Vertrauensverhältnis zwischen Hersteller, Händler und Kunde sei sehr wichtig.