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Checkliste Autokauf: Warnung vor dem Abwrackwahn

2500 Euro Verschrottungsprämie versetzen Deutschland mitten in der Wirtschaftskrise in Autokauflaune. Mit der Prämie werden kleine Neuwagen so billig wie nie zuvor. Aber lohnt sich ein Neukauf wirklich, oder ist ein Gebrauchter nicht doch die richtige Wahl?

Von Gernot Kramper

2500 Euro vom Staat, bei dieser Botschaft brennen bei vielen Deutschen die Sicherung durch. Diese Summe will man sich nicht entgehen lassen. Den Autohandel freut es, die Kunden treibt es in die Ausstellungsräume wie lange Zeit nicht mehr. Tatsächlich gibt es in allen Klassen sehr günstige Angebote an Neuwagen, Tageszulassungen und Jahreswagen. Die Prämie macht diese Schnäppchen noch attraktiver. Klein- und Billigwagen gelangen mit Prämie und Rabatt in die Preiszone zwischen 5000 und 8000 Euro und werden so auch für typische Gebrauchtwagenkäufer interessant. Aber auch 7000 Euro für einen neuen Wagen sind eine Menge Geld, wenn das Budget knapp ist. Was spricht also für einen Neuwagen und was für Gebrauchten?

Fazit: Meist werden die Kosten des neuen Fahrzeugs und seine Finanzierungsrate die Einsparmöglichkeiten übersteigen. Mit Prämie und Rabatt wird der neue Kleinwagen billiger als gedacht, aber es gibt ihn eben nicht zum Null-Tarif.

Komfort und Fahrspaß

Hier haben Gebrauchte die Nase vorn. Für einen Preis um 10.000 Euro kann man ein gut erhaltenes Mittelklassemodell mit Extras und einigen Schikanen kaufen. Wer möglichst viel Autospaß fürs Geld will, liegt hier richtig. Neu gibt es nämlich nur ein sparsam ausgestattetes Fahrzeug der Polo-Klasse mit Einstiegsmotor und entsprechender Ausstattung. Unter rein ökonomischen Gesichtspunkten rechnet sich diese Entscheidung allerdings nicht. Zwar erleiden edle Gebrauchte nicht mehr den massiven Wertverfall der ersten Jahre, aber der Unterhalt bemisst sich doch an der ursprünglichen Fahrzeugklasse. Einfache Probe: Machen Sie den Reifenkostencheck. Am Vergleich der Kosten für einen Satz Neureifen für beispielsweise einen Opel Corsa oder einen 5er BMW erkennt man, in welcher Liga man mitfahren möchte.

Vorteil: Gebrauchtwagen

Guter Gebrauchter vorhanden

Mit einem alten, bezahlten Wagen, der keinen Ärger macht, fährt man am günstigsten. Sollte es sich um einen "normalen" Kompakten oder Kleinwagen handeln, sind die Einsparpotentiale bei Steuern und Verbrauch nicht so hoch, dass ein Wechsel zwingend notwendig ist. Auch Rabatte und Angebote sollten einen nicht unter Druck setzen. Der Preisdruck im Automarkt wird auch in Zukunft für gute Angebote sorgen. Die Verschrottungsprämie bildet eine Ausnahme, weil sie ausdrücklich auf das Jahr 2009 begrenzt ist.

Ruhig bleiben und die Entscheidung überdenken, wenn größere Kosten für Reparaturen und Tüv anstehen. Sollte noch Geld im Prämiensäckel ist, bekommen Sie die Abwrackprämie selbst dann, wenn der Alte keinen Meter mehr vorwärtskommt. Sobald regelmäßige Reparaturen anstehen, rechnet sich ein neuer Billigwagen immer. Finanzierungstipp: Fahren Sie den Alten weiter. In der Zeit legen Sie jeden Monat schon mal die Finanzierungsrate für den anvisierten Neuwagen zurück. Wenn Sie sich dann zum Kauf entscheiden, besitzen Sie höhere Eigenmittel und außerdem merken Sie schon vor dem Kauf, ob Sie sich die Rate überhaupt leisten können.

Vorteil: Gebrauchtwagen

Inspektionskosten

Neuwagen müssen zur Inspektion, und sei es, um den Garantieschutz zu erhalten. Weil in den ersten Jahren eine Garantie für Defekte besteht, sollten die Inspektionskosten bei einem Kleinwagen zwischen 150 und 200 Euro im Jahr liegen. Ein alter Gebrauchter unterliegt nicht mehr dem formalen Inspektionszwang, aber gerade bei ihm ist regelmäßige Kontrolle und Service wichtig. Wirklich sparen kann nur der Selbermacher und Bastler - oder all diejenigen, die einen Mechaniker in der Familie haben. Aber auch dann gibt es keinen Ölwechsel für Null Euro.

In der Regel: Unentschieden

Garantie und Reparaturkosten

Klarer Vorteil für den Neukauf bzw. für den Jahreswagen. Hier gibt es eine Vollgarantie von bis zu drei Jahren, außerdem ist das Fahrzeug und damit auch alle Verschleißteile neu. Mit den Themen Reifen, Bremsen, Kupplung, Auspuff etc. sollte man zunächst nichts zu tun haben.

Natürlich ist ein Neuwagen keine Garantie für sorgenfreies Fahren, dafür gibt es zu viele Horrorstories von "Montagsautos". Im Durchschnitt ist man dennoch vor unangenehmen Überraschungen sicher. Wer hingegen ein acht Jahre altes Auto kauft, muss schon sehr viel Glück oder Sachkenntnis haben, wenn es in den nächsten Jahren überhaupt keine Probleme geben soll.

Vorteil: Neuwagen

Bastler und Selbermacher

Wer kann, der kann. Er darf sich aber nur am alten Wagen austoben. Beim Neufahrzeug macht "Selbermachen" keinen Sinn, die Garantie deckt mögliche Schäden ab und wäre durch den Selbsteinsatz nur gefährdet. Beim Altfahrzeug fallen in der Regel höhere Kosten für Reparaturen und Verschleiß an. Wer das in der Vertragswerkstatt in Ordnung bringen lassen will, wird kräftig zur Kasse gebeten. Zumindest, wenn man den bescheidenen Restwert des Autos im Auge behält. Am günstigsten sind natürlich einsatzfreudige Verwandte vom Fach. Von wem sonst kann man den Einbau einer Kupplung zum Preis eines Abendessens bekommen? Der Selbst- oder Familieneinsatz ist schwer zu kalkulieren, macht einen Alten aber durchweg attraktiver.

Vorteil: Gebrauchtwagen

Rabatte

Neuwagen, Dienstwagen und Tageszulassungen werden mit massiven Rabatten in den Markt geschoben. Dieser Preisdruck wirkt auch auf die Gebrauchtwagenpreise, wie all die bemerken, die jetzt versuchen, einen "jüngeren" Gebrauchten wieder zu verkaufen. Aber generell werden ältere Gebrauchte nicht subventioniert. Vom aktuellen Preisrutsch sind sie nicht im gleichen Maße betroffen, insbesondere nicht die gesuchten, verbrauchsarmen Modelle.

Im Niedrigpreissegment kann man von der "Rabattities" profitieren, wenngleich im bescheidenen Rahmen. Mehr als 2000 Euro zusätzlich zur Abwrackprämie sind kaum drin, während man im Bereich der oberen Mittelklasse Nachlässe heraushandeln kann, deren Volumen höher ist als der Preis eines Billigwagens.

Vorteil: Neuwagen

Verbrauch und C02-Ausstoß

Bei gleichem Gewicht und gleicher Leistung verbrauchen Neuwagen deutlich weniger als ältere Gebrauchtwagen. Weil Fahrzeuge von Generation zu Generation schwerer und größer geworden sind und stärkere Motoren bekamen, wurde dieser Vorteil zugunsten von mehr Komfort aufgezehrt. Für einen fairen Vergleich sollte man daher einen alten Golf IV nicht gegen einen aktuellen Golf antreten lassen, sondern gegen einen Wagen vergleichbarer Größe und Ausstattung etwa einem Skoda Fabia. Fährt man auch vorher schon eine "bescheidene" Motorisierung fällt die mögliche Ersparnis beim Neuwagen allerdings geringer aus, als Kampfbegriffe wie "alte CO2-Schleudern" vermuten lassen.

Eine Ersparnis von 1 bis 1,5 Liter pro hundert Kilometer sollte allerdings durchweg möglich sein. Bei 12.000 Kilometern Laufleistung und heutigen Preisen ergibt das eine Ersparnis von 150 bis 200 Euro im Jahr. Bei Vielfahrern oder steigender Preisen fällt die Ersparnis entsprechend höher aus.

Enorm sparen kann derjenige, der bislang einen Altwagen mit hohem Verbrauch gefahren ist. Wer etwa einen älteren 5er BMW mit Sechszylinder-Benzinmotor sein eigen genannt hat, kann mit einem bescheidenen, modernen Auto seine Benzinrechnung durchaus halbieren. In Sachen "Leistung und Fahrspaß" wird man dann aber zurückstecken müssen.

Vorteil: Neuwagen

Versicherungskosten

Im Punkt "Versicherung" muss der Neuwagenkäufer mit deutlich höheren Kosten rechnen. Ob freiwillig oder aus Gründen der Finanzierung werden für Neuwagen Teil- und Vollkaskoversicherung abgeschlossen. Bei älteren Gebrauchtwagen wird zumindest auf die Vollkaskoversicherung verzichtet. Die tatsächliche Belastung hängt von zahlreichen Faktoren ab, aber in jedem Fall handelt es sich um merkliche Mehrkosten. Ganz unnütz sind diese Ausgaben nicht, schließlich genießt man auch den verbesserten Versicherungsschutz. Übersetzt: Sollte es zu einem selbstverschuldeten Unfall kommen, wird der vollkaskoversicherte Neuwagen mit vollem Wert ersetzt. Hat man beim Gebrauchten auf die Vollkaskoversicherung verzichtet, gibt es nichts.

Vorteil: Gebrauchtwagen

Finanzierungskosten

Die Finanzierung von Neuwagen, Tageszulassungen und Dienstwagen wird häufig subventioniert (siehe Stichwort Rabatte). Der Verkauf von alten Gebrauchtwagen wird nicht über Zinssubventionen angekurbelt. Die reinen Kreditkosten machen einen großen Teil der Kosten des Fahrzeugs aus. Wenn aufs Geld geachtet werden muss und keine ausreichenden Eigenmittel zur Verfügung stehen, müssen Kreditkonditionen und Kredithöhe genau betrachtet werden. Haben Sie keine falsche Scham. Der freundliche Autohändler nimmt sowohl dem Alt- wie auch dem Neuwagenkäufer gern den Gang zur Bank ab und vermittelt selbst einen Kredit. Das ist praktisch, aber nur selten wirklich zu empfehlen. Abgesehen von den Rabatt-Krediten zu 0,9 % Zinsen, erhält der Kunde häufig nicht die besten Konditionen. Der Händler agiert selbst als Kreditvermittler und versucht durchaus am Kredit zu verdienen. Erkundigen Sie sich im Internet nach aktuellen Kreditkonditionen. Die "besten" Angebote gelten allerdings nur für "beste" Kunden - mit gewissen Abstrichen muss man als Normalsterblicher rechnen. Vorsicht auch bei Absicherungsversicherungen, sie verteuern den Kredit erheblich. Um die Finanzierungskosten abschätzen zu können, müssen sie genau wissen, wie viel Geld Sie a. ausbezahlt bekommen und b. in der Summe zurückzahlen müssen. Also lassen sie sich nicht nur mit Zinssatz und Ratenzahl abspeisen. Beispielrechnung: 5000 Euro Volumen, 6 Prozent effektiv, 48 Raten: Monatsrate 117,06 Euro, Gesamtaufwand: 5.618,93 Euro. Also: Hemmschwelle überwinden, Angebote einholen und vergleichen.

Abgesehen von Rabatt-Krediten ergibt sich nicht unbedingt ein Vorteil für Neuwagen oder Gebrauchtwagen. Bei beiden muss der naive Kunde damit rechnen, einen überteuerten Kredit vermittelt zu bekommen.

Vorteil: Unentschieden

Vorsicht beim Kreditvolumen

Nichts ist leichter, als Geld auszugeben, das man nicht hat. Wenn ohnehin finanziert werden muss, lassen sich viele Kunden zu höheren Ausgaben als geplant verleiten. Es wird ja nur ein wenig länger abbezahlt, denkt man. Aber Vorsicht: Bei gleichbleibender monatlicher Belastung sind die letzten 1000 Euro im Kredit am Ende auch die teuersten. Bei gleichbleibender Rate ist ein Kredit von 10.000 Euro eben nicht doppelt so teuer, wie einer über 5000 Euro. Also das Budget im Auge behalten. Denken Sie daran, der Verkäufer möchte Ihnen grundsätzlich einen teueren Wagen verkaufen.

Vorteil: Unabhängig vom Fahrzeugalter

Steuern und Abgaben

Wer modern, sauber und verbrauchsarm fährt, zahlt am wenigstens. Auf der Gewinnerseite ist bei man der Kfz-Steuer mit modernen Kleinwagen. Der Vorteil für Neuwagen kann allerdings auch gering ausfallen kann. Wer etwa einen älteren kleinen Benziner gegen ein aktuelles Modell tauscht, kann eine Ersparnis von etwa 50 Euro im Jahr verbuchen. Nur bei besonderen Bedingungen wird mehr gespart. Für einen älteren Diesel ohne Filter mit 1,9 Litern Hubraum werden etwa 320 Euro im Jahr fällig, ein kleiner Benziner mit 1,2 Liter kostet etwa 80 Euro. Bei einem Wechsel macht sich die Ersparnis von 240 Euro bemerkbar.

Hinzu kommt die Steuerbefreiung für Neuwagen. Im Rahmen des ersten Konjunkturpakets werden Neuwagenkäufer ein Jahr ganz von der Kfz-Steuer befreit. Für die besonders schadstoffarmen Fahrzeuge mit Euro 5- und Euro 6-Einstufung gilt eine Steuerbefreiung von zwei Jahren. Kleine Wagen mit kleinen Motoren zahlen wenig Steuern, sparen entsprechend weniger. Hochgerechnet auf zwei Jahre spart der Käufer eines neuen Golfs durch das Konjunkturprogramm 188 Euro an Steuern. Die "subjektive" Ersparnis kann natürlich auch höher sein. Wer anstatt eines alten Diesels einen Euro 5-Wagen kauft, spart die Dieselsteuer. Im Beispiel 320 Euro im Jahr.

Vorteil: Neuwagen

Zauberwort "Downsizing"

Das größte Einsparpotenzial besteht bei der Wahl zwischen großen Altwagen mit hoher Leistung und hohem Verbrauch und einem neuen Kleinwagen mit schwacher Motorisierung. Wenn man auf Leistung, Komfort und Größe des großen Gebrauchten verzichten kann, addieren sich Kostenvorteile im Bereich Unterhalt, Reparaturen, Verbrauch und Steuern. Hier kann man sein monatliches Budget tatsächlich entlasten. Wer bereits einen abbezahlten, unproblematischen Kleinwagen fährt, kann dagegen nicht erwarten, nach dem Kauf jeden Monat mehr im Portemonnaie zu haben. Die Kosten des neuen Fahrzeugs und seine Finanzierungsrate werden die Einsparmöglichkeiten vermutlich übersteigen. Mit Prämie und Rabatt wird der neue Kleinwagen billiger als gedacht, aber es gibt ihn eben nicht zum Null-Tarif.

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.