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Apple Pay und Co.: Wie Internetfirmen Banken zittern lassen

Tech-Firmen wie Facebook und Apple setzen auf Bezahldienste - und nehmen damit das Bankengeschäft ins Visier. Davon profitieren die Kunden. Doch es stellt sich die Frage: Brauchen wir noch Banken?

Spätestens seit dem 9. September verwischen die Grenzen zwischen Smartphone-Welt und dem Bankenimperium. An diesem Tag stellte Apple sein neues iPhone 6 vor, das mit einer spannenden Neuerung daherkommt: dem Bezahlsystem Pay. Kunden können damit künftig an der Supermarktkasse mit Fingerabdruck bezahlen. Das ist nicht nur unheimlich praktisch für die Kunden und ein umsatzreiches Geschäft für Apple - das System lässt die traditionellen Banken zittern. "Die Internetfirmen haben der Bankenwelt den Kampf angesagt", sagt Thomas Dapp von Deutsche Bank Research dem Wirtschaftsblog "Netzökonom".

Reich, aber träge

Banken sind zwar reich, aber auch träge. Innovatives erwartet man von der Seite der Geldhäuser zumindest eher nicht. "In den nächsten zehn Jahren werden Internet-Firmen den Banken die Kunden abnehmen", sagt Oliver Samwer, der gleich drei Bezahldienste gestartet hat. Rund 3500 Tech-Firmen fokussieren sich auf das Bankgeschäft. Ein gigantischer Markt, den sie quasi ohne Gegenwehr der traditionellen Geldhäuser entern können. Diese so genannten Fin-Techs verbinden technische Entwicklung und Finanz-Know-how.

Kunden scheinen bei den technischen Neuerungen beim Banking deutlich fortschrittsfreundlicher zu sein, als die Banken, die den Service nur schleppend einsetzen. Rund 37 Millionen Menschen - und somit zwei Drittel aller Bankkunden - setzen schon heute auf Online-Banking. Die mobile Alternative steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. Bislang nutzen Smartphone-Besitzer ihr Telefon zum Surfen und Kommunizieren. Dass Bankgeschäfte aber künftig auf den mobilen Endgeräten stattfinden, ist absehbar.

Start-ups sind schneller

Banken haben diesen Trend bislang verschlafen. Also füllen clevere Start-ups diese Lücke. Portale zur Kreditvergabe wie Smava, Lendico oder Auxmoney vermitteln schon heute private Geldverleiher und Kreditnehmer. Die Kontoverwaltung funktioniert über Outbank, Numbrs oder Finanzblick. Und wer günstig Geld ins Ausland überweisen will, nutzt Transferwiese. Dazu kommen unzählige App-Entwicklungen. Inzwischen ist das traditionelle Kerngeschäft - Kreditvergabe, Kontoverwaltung und Überweisungen - längst auch bei anderen Unternehmen angesiedelt. Für Banken ein herber Schlag, denn die neuen Geschäftsgebiete beherrschen sie nicht. Und bei den alten Bereichen mischen nun auch Start-ups mit. Banken - die Partner in Finanzfragen? Möglicherweise bald nicht mehr.

Keine Kredite für Pokerspieler

Ein neuer Trend, so berichtet "Netzökonom", ist "Algo-Banking". Das Hamburger Unternehmen Kreditech bietet eine besondere Bonitätsprüfung für Kreditnehmer an. Anders als die Schufa sucht ein Algorithmus im Netz nach Auffälligkeiten: Welche Facebook-Freunde hat der Kreditnehmer und in welchen sozialen Schichten sind diese unterwegs? Gibt es Hinweise auf Poker-Programme (Hinweis, dass der Schuldner zum Glücksspiel neigt)? „Der Wettlauf um die netzaffinen Kunden ist in vollem Gange und legt eine Dynamik an den Tag, auf die viele traditionelle Banken nicht vorbereitet sind“, sagt Dapp von Deutsche Bank Research.

Banken sind zu spät

Apple Pay revolutioniert das Bezahlen mit den mobilen Endgeräten. Bei anderen Tech-Unternehmen sind Zahlungssysteme inzwischen zu eigenständigen Marken geworden. Aktuell ist der Bezahldienst Paypal des Onlineauktionshauses Ebay eine zentrale Unternehmsstütze. Der Konzern gab zuletzt an, dass Paypal inzwischen 45 Prozent zum Gesamtumsatz beisteuert. Künftig wird Paypal allerdings selbstständig sein, der Bezahldienst strebt im kommenden Jahr an die Börse. Auch Facebook will im Geldsegment künftig mitmischen. Der ehemalige Paypal-Chef David Marcus war erst jüngst zu Facebook gewechselt. Nun plant die Social-Media-Plattform mit seinem Messenger Überweisungen unter den Usern zu ermöglichen.

In die Bankenwelt kommt nur langsam Bewegung - und wohl auch zu spät. Beispielsweise Girocode der Sparkassen und Volksbanken: Kunden können durch einen QR-Code auf der Rechnung direkt den Betrag überweisen. Viele der vermeintlich neuen Dienste bieten Start-ups schon längst an. Das Urteil von André M. Bojorat, der selbst schon Fintech-Start-ups gegründet hat, fällt daher auch ernüchternd aus: "Die Institute in Frankreich, Spanien und den Niederlanden machen es besser. Sie haben verstanden, dass ihre Kunden die neuen Fintech-Angebote gut finden."

Katharina Grimm