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Kommentar: Stoppt den Gehaltswahn der Manager

Die Gagen der Manager steigen ins Absurde: Porsche-Chef Wiedeking kassiert vermutlich 50 Millionen Euro, dagegen ist selbst Deutsche-Bank-Chef Ackermann ein kleines Licht. Die Politik jammert - und tut nichts.

Von Lutz Kinkel

Es ist grotesk. Wir diskutieren über Mindestlöhne, Hartz-IV-Sätze und Kinderarmut. Gleichzeitig lechzt ganz Deutschland nach dem Lotto-Jackpot, dem Gewinner winken 38 Millionen Euro. Es ist allerdings wahrscheinlicher, vom Blitz erschlagen zu werden, als die richtigen Zahlen zu tippen. Einen Mann wie Porsche-Chef Wendelin Wiedeking muss das alles nicht kratzen. Er hat im vergangenen Geschäftsjahr geschätzte 50 Millionen Euro verdient. Exakte Zahlen gibt das Unternehmen nicht heraus. Jene 15 Millionen Euro, die Josef Ackermann kassiert, der Lieblingsfeind der Kapitalismuskritiker, sind dagegen Peanuts.

Wohl nicht zufällig klagte Bundespräsident Horst Köhler in einem aktuellen Interview mit dem "Handelsblatt", die hohen Managergehälter gefährdeten den Zusammenhalt in der Gesellschaft. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla schloss sich Köhler an, wandte sich aber gegen gesetzliche Regelungen. Es müsse vielmehr öffentlicher Druck aufgebaut werden. Das hatte zum Beispiel Ex-Arbeitsminister Franz Müntefering getan. Auf dem Hamburger SPD-Parteitag sagte er, es könne gar nicht sein, dass die Arbeitskraft eines Menschen tausendmal mehr wert sei als die Arbeitskraft eines anderen. Die Delegierten klatschten sich die Finger wund.

Verschleierung von Vorstandsbezügen

Passiert ist nichts. Und es wird vermutlich auch nichts passieren. Denn wer wäre in der Lage, Obergrenzen für Managerbezüge festzulegen? Sollen es 10, 20, 200 oder 1000 Mal so viel sein wie der Durchschnittsverdienst von Arbeitern und Angestellten? Oder sollte der Firmengewinn den Ausschlag geben? Sind vielleicht die Vorstandsgehälter vergleichbarer Firmen ein Maßstab? Niemand weiß es. Kriterien für angemessene Managergehälter aufzustellen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Außerdem kann der Gesetzgeber den Inhabern von Firmen schwerlich vorschreiben, wie viel sie ihren leitenden Angestellten zahlen sollen. Das ist eine Frage des Marktes, und der Jobmarkt für Spitzenkräfte ist frei.

Deswegen darf die Politik jedoch nicht die Hände in den Schoß legen. Denn es gibt zumindest eine wirksame Waffe gegen Gehaltsexzesse: Transparenz. Theoretisch müssen zumindest die börsennotierten Firmen die Vorstandsbezüge ausweisen. Der stern hat dies mal am Beispiel des Ex-RWE-Chefs Harry Roels überprüft. Der RWE-Geschäftsbericht beschäftigt sich mit diesem Thema auf sechs Seiten. Und zwar so, dass es unmöglich ist, den Verdienst von Roels auf den Cent genau auszurechnen. Warum werden die Vorschriften zur Offenlegung nicht so verschärft, dass jeder Kleinaktionär die Verdienste jedes einzelnen Vorstands auf einen Blick erkennen kann?

Wechselseitige Gehaltshilfe

Auch über die Kontrolle von Unternehmen ist viel geschrieben worden, verändert hat sich nichts. Die Manager beaufsichtigen sich nach wie vor gegenseitig, der eine sitzt hier im Aufsichtsrat, der andere dort. Also funktioniert das Spiel so: Winkst Du meine Gehaltserhöhung durch, winke ich Deine Gehaltserhöhung durch - wir sind doch alle eine Familie. Es wäre für den Gesetzgeber hohe Zeit, diesen Filz aufzubrechen. In die Aufsichtsräte gehören externe Experten, nicht nur "Freunde des Hauses" und gut gepamperte Gewerkschaftsmitglieder.

Der Worte sind genug gewechselt, die Probleme sind bekannt. Die Politik ist nicht hilflos, sie kann reagieren. Mit wohlfeilen Reden allein ist der soziale Frieden nicht herzustellen.