HOME

Konjunktur: Satte Gewinne bei DAX-Unternehmen

Inmitten der schwachen deutschen Konjunktur streichen die führenden Unternehmen des Landes in diesem Jahr satte Gewinne ein. Dabei zeigen sie sich ausgabefreudig bei Investitionen - aber sparsam bei den Mitarbeitern.

Keines der 30 Unternehmen im Börsenindex DAX wies nach den ersten neun Monaten 2004 rote Zahlen aus. Zehn erwirtschafteten einen Milliardengewinn und selbst ein jahrelanger Verlustmacher wie der Chiphersteller Infineon schaffte es in die schwarzen Zahlen. Ein Musterbeispiel ist der Industriegigant Siemens. Der Überschuss stieg im Ende September 2004 abgeschlossenen Geschäftsjahr auf 3,4 Milliarden Euro - das zweitbeste Ergebnis der Konzerngeschichte - von 2,44 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Die Sachinvestitionen waren mit 4,6 Milliarden Euro genauso hoch wie im Vorjahr. Die Bar-Kasse ist mit gut zwölf Milliarden Euro prall gefüllt.

Unverminderter Spardruck

Dennoch bleibt der Spardruck beim Personal unvermindert: Mit der Drohung einer Jobverlagerung nach Ungarn setzte Siemens im Sommer längere Arbeitszeiten für mehrere tausend Beschäftigte in der verlustbringenden Handy-Produktion durch. In den vergangenen Jahren wurde der Abbau von mehr als 35.000 Stellen angekündigt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr fiel die Zahl der Inlandsmitarbeiter um 6000 auf 164.000. Im Ausland stieg die Zahl der Beschäftigten dagegen um 13.000 auf 430.000.

Globales Handeln prägt das Geschäft der deutschen Großkonzerne mit allen dazugehörigen Chancen und Risiken. Der Einzelhandelsriese Metro oder der Autozulieferer Continental koppeln sich beispielsweise mit einem hohen Auslandsanteil von der schwachen Inlandskonjunktur ab. Lufthansa oder die Tui leiden dagegen unter der Krise im weltweiten Reisegeschäft und den hohen Ölpreisen. Für den Energiekonzern E.ON, zu dem inzwischen auch der Gasversorger Ruhrgas gehört, zahlt sich die Preisexplosion dagegen aus - Mit 3,9 Milliarden Euro legte das Unternehmen das beste Ergebnis unter den großen 30 vor.

DaimlerChrysler ruht auf bequemem Polster

DaimlerChrysler musste erst Milliarden für die Sanierung des US-Konzernteils aufwenden. Nun bringt Chrysler Gewinne, aber dafür schwächeln Mercedes und smart und die Qualitätsprobleme des japanischen Partners Mitsubishi kosten Geld. Der Neunmonatsgewinn 2004 war dadurch zwar um ein Drittel geringer als ein Jahr zuvor - unterm Strich kamen aber immer noch 1,9 Milliarden Euro zusammen. Zudem sitzt DaimlerChrysler auf einem Gewinnrücklage-Polster von 29,5 Milliarden Euro. In einem wochenlangen Streit setzte der Konzern in diesem Jahr Einsparungen bei den Personalkosten von 500 Millionen Euro im Jahr durch - im Gegenzug gibt es Beschäftigungssicherung für die 160.000 Mitarbeiter im Inland bis 2012. Für dieses Jahr sind 7,3 Milliarden Euro an Sachinvestitionen eingeplant.

Der unter Absatzproblemen und dem starken Euro leidende VW-Konzern verdiente bei einem Gewinneinbruch von 43 Prozent 459 Millionen Euro. Auf dem eingeschlagenen Sparkurs wurden die Investitionen um 16 Prozent reduziert - betrugen aber noch 5,3 Milliarden Euro. Der Großteil waren Sachinvestitionen im Autobereich. Im Oktober setzte das Management nach zähen Verhandlungen einen neuen Tarifvertrag mit einer Senkung der Arbeitskosten um jährlich eine Milliarde Euro ab 2006 durch. Dafür gibt es für die 103.000 Mitarbeiter der westdeutschen Werke eine Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2011.

Wachstum duch Niedriglohn-Ausland

Metro will bei einem Neunmonatsgewinn von 266 Millionen Euro in diesem Jahr rund 1,8 Milliarden Euro investieren - zu zwei Dritteln im Ausland. Continental, dessen Chef Manfred Wennemer vor einigen Monaten für Aufruhr mit der Äußerung sorgte, Deutschland werde in einigen Jahren gar keine Reifenproduktion mehr haben, investiert vor allem im Niedriglohn-Ausland. Einem Neunmonatsgewinn von 430 Millionen Euro standen Investitionen von 450 Millionen Euro gegenüber. Conti stellt vor allem im Ausland ein - zum Beispiel in China, Mexico, Tschechien und Rumänien.

Die Lufthansa flog nach dem Verlust von knapp einer Milliarde Euro 2003 wieder in die schwarzen Zahlen mit einem Neunmonatsplus von 164 Millionen Euro. Knapp 1,3 Milliarden Euro wurden in diesem Jahr bereits investiert - unter anderem in Luxus: Eine verbesserte Business-Class, Internet an Bord und ein First-Class-Terminal in Frankfurt. Für die Zukunft stehen der Kauf des Riesen-Airbus A380 und der entsprechende Ausbau der Infrastruktur als Großinvestitionen an. (dpa)

Die 30 führenden deutschen Unternehmen im Aktienindex DAX fahren in diesem Jahr bisher satte Gewinne ein. Eine Aufstellung der Nachsteuerergebnisse für die ersten neun Monate 2004 (Quelle dpa):

UnternehmenGewinn
adidas-Salomon 295 Mio Euro
Allianz 1,8 Mrd Euro
Altana 299 Mio Euro
BASF1,48 Mrd Euro
Bayer 562 Mio Euro
BMW1,6 Mrd Euro
Commerzbank 294 Mio Euro
Continental430 Mio Euro
DaimlerChrysler1,9 Mrd Euro
Deutsche Bank 2,27 Mrd Euro
Deutsche Börse211 Mio Euro
Deutsche Post890 Mio Euro
Deutsche Telekom3,2 Mrd Euro
E.ON3,9 Mrd Euro
Fresenius Med. Care294 Mio Dollar
Henkel399 Mio Euro
HypoVereinsbank 214 Mio Euro
Infineon61 Mio Euro*
Linde 153 Mio Euro
Lufthansa 164 Mio Euro
MAN171 Mio Euro
METRO266 Mio Euro
Münchener Rück1,5 Mrd Euro
RWE 1,6 Mrd Euro
SAP 769 Mio Euro
Schering591 Mio Euro
Siemens3,4 Mrd Euro*
ThyssenKrupp426 Mio Euro**
TUI572 Mio Euro
VW459 Mio Euro
* Volles Geschäftsjahr 2003/04 zum 30. September