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Lotto-Bilanz: Die Sehnsucht nach dem schnellen Geld

Die Sehnsucht der Deutschen nach leicht verdientem Geld ist ungebrochen - und spült den Lotto-Gesellschaften Jahr für Jahr Milliarden-Umsätze in die Kasse. 2006 konnten sich so immerhin 69 Tipper den Traum von der Million erfüllen.

Rund fünf Milliarden Euro war Deutschlands Lottospielern in diesem Jahr der Traum vom großen Glück wert. Dank eines Rekordjackpots von zuletzt knapp 38 Millionen Euro, der über Wochen einen unvorstellbaren Ansturm ausgelöst hatte, blieben die Umsätze damit in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Für 69 Tipper zahlten sich die Einsätze voll aus - sie räumten mit teils wenigen Euro für ihren Spielschein Millionengewinne ab. "Das klassische Zahlenlotto hat von seiner Popularität auch nach über 50 Jahren Geschichte nichts eingebüßt", sagt der Geschäftsführer der derzeit noch federführenden Land Brandenburg Lotto GmbH, Horst Mentrup.

Allerdings konnte es nicht spürbar von der Euphorie im Jahr der heimischen Fußball WM und des beginnenden wirtschaftlichen Aufschwungs profitieren. "Zwar legten die Einsätze beim Mittwochslotto - bedingt durch den Rekordjackpot - um vier Prozent zu, bei den Samstagsziehungen gab es aber ein Minus von 0,6 Prozent." Dabei kämen die Ostdeutschen offenbar immer mehr in Lotto-Laune. Fast in allen neuen Ländern legten die Umsätze zu, während sie im Westen auf dem Niveau des Vorjahres oder knapp darunter lagen. "Die Pro- Kopf-Einsätze je Woche im Lotto 6 aus 49 liegen im Vergleich aller Bundesländer zwischen 1,54 und 0,82 Euro", erklärt Mentrup.

Krankenpfleger gewann 38 Millionen

Höhepunkt des Jahres war nach seinen Worten der bislang höchste Jackpot der Lottogeschichte, der ganz Deutschland in einen wahren Lotto-Rausch versetzte. Schließlich kassierte ein Krankenpfleger aus Nordrhein-Westfalen rund 37,7 Millionen Euro. "Zu der entscheidenden Ziehung konnten wir mit 148 Millionen Euro den höchsten Einsatz in Euro-Zeiten verbuchen", sagt Lotto-Geschäftsführer Klaus Walkenbach. Dennoch: "Im europäischen Vergleich sind die Deutschen zurückhaltend." So gab jeder Bundesbürger laut Walkenbach im Jahr 2005 im Schnitt 97,75 Euro für Tipps für das gesamte Angebot im Deutschen Lotto- und Totoblock aus - die Nordeuropäer für entsprechende Angebote in ihren Ländern fast das Doppelte.

"Ein Grund ist, dass wir in Deutschland nie massiv die Werbetrommel gerührt haben und auch in Zukunft nicht rühren dürfen", betont Walkenbach. Dies werde im neuen Staatsvertrag, den die Landtage im nächsten Jahr beschließen wollen, nochmals konkreter festgelegt. Zudem hofft Walkenbach, dass mit dem Staatsvertrag auch der Streit mit dem Bundeskartellamt beigelegt werden kann. "Der Staatsvertrag wird die Trennungslinie zwischen Ordnungsrecht und Wettbewerbsrecht noch klarer ziehen; wegen der Suchtgefahr wird Internet-Spiel nicht mehr möglich sein, ebenso wenig Werbung für Glücksspiele in Stadien oder auf Sportlertrikots."

109 Millionengewinne

Während Lotto 6 aus 49 auch im Jahr 2006 das "Glücksspiel für die Masse" war, wie Mentrup und Walkenbach es beschreiben, lockten auch andere Angebote des Blocks wie Keno, Spiel 77 oder die Sportwette Oddset. Insgesamt gaben die Spieler den Angaben zufolge rund 8 Milliarden Euro aus, 109mal wurden Millionengewinne ausgeschüttet. Von den Gesamteinsätzen geht die Hälfte an die Tipper, vom Rest profitieren unter anderem Breitensport oder Kultureinrichtungen über die von den Ländern vergebenen Lottomittel. Nach drei Jahren Federführung reichen Mentrup und Walkenbach das "Lotto-Zepter" vom nächsten Jahr an Baden-Württemberg weiter.

Imke Hendrich/DPA / DPA