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Mal kurz die Welt retten, Teil III: Wie Sie zum guten Kapitalisten werden

Geldinstitute mit grünem Gewissen: Ethisch-ökologische Banken legen das Geld ihrer Kunden in Umweltprojekte statt in Waffengeschäfte an. Welche Angebote es gibt und für wen sie taugen.

Von Daniel Bakir

Würden Sie Ihr Geld einem Waffenhändler geben, wenn er Ihnen ein paar Euro Zinsen verspricht? Oder eine Textilfirma finanzieren, die ihre Arbeiter ausbeutet? Oder die Abholzung der Regenwälder sponsern? Viele Kleinsparer und Bankkunden wollen ihr Geld sicher nicht für solche Aktivitäten einsetzen. Ob sie es dennoch tun, liegt häufig aber gar nicht in ihrer Hand. Denn wer sein Geld bei einer normalen Bank anlegt, hat meistens relativ wenig Einfluss darauf, was das Finanzinstitut damit anstellt. Bei den meisten Anlagen versprechen die Institute einen bestimmten Ertrag - wie sie den erreichen, ist ihre Sache.

Ethisch-ökologische Banken versprechen mehr: Sie wollen das Geld nicht nur mehren, sondern auch noch Gutes damit tun. Sie investieren in erneuerbare Energien und Klimaschutz statt in Kohle und Atomenergie. In faire Unternehmen und soziale Projekte statt in Glücksspiel, Kinderarbeit und Suchtmittel. Grüne Banken wie GLS-, Ethik- oder Umweltbank stellen moralische Kriterien auf, nach denen sie das Geld ihrer Kunden anlegen. "Grundsätzlich funktionieren diese Banken wie jede normale Bank", sagt Thomas Pfister, Finanzexperte der Verbraucherzentrale NRW. "Nur, dass sie sehr strenge Grundsätze bei Geldanlage und Kreditvergabe verfolgen."

Von der Transparenz der alternativen Banken könnten sich die konventionellen eine Scheibe abschneiden, sagt Pfister. Die grünen Banken nennen sowohl die Branchen und Themen, die sie mit Krediten fördern, als auch ihre jeweiligen ethischen No-Gos, zu denen etwa Tierversuche und Gentechnik gehören können. Wie stark die Einschränkungen sind, entscheidet jedes Institut selbst.

Mögen die Banken inhaltlich alternativ daherkommen, formal sind sie ganz seriös. Sie verfügen über eine ganz normale Banklizenz und sind Mitglied einer Einlagensicherung. Die meisten bieten alle Basisprodukte, die der Normalkunde braucht: vom Girokonto über Tagesgeld bis hin zu ethisch korrekten Fonds. Die Zinssätze können nicht mit den Top-Anbietern mithalten, was aber in der derzeitigen Niedrigzinsphase auch nicht viel ausmacht. Wer sich für eine grüne Bank entscheidet, sollte allerdings mit Onlinebanking zurechtkommen. Die Institute haben wenige bis gar keine Filialen. Die Anbieter auf dem deutschen Markt im Kurzporträt.

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GLS Bank

Wer steckt dahinter? Die GLS Bank aus Bochum gibt es bereits seit fast vierzig Jahren. Größeren Zulauf erhält sie aber erst in der jüngsten Vergangenheit. 2012 stieg die Zahl der Kunden um 23 Prozent auf 143.000. Wer sein Geld zur GLS Bank bringt, kann wählen in welchem Bereich die Bank das Geld bevorzugt anlegen soll. Zur Auswahl stehen Wohnen, regenerative Energien, Bildung, Ernährung sowie Soziales und Gesundheit. Mit dem Geld finanziert das Institut sozial-ökologische Unternehmen und Projekte. Ausgeschlossen sind Investments im Zusammenhang mit Kinderarbeit, Tierversuchen, Atomenergie, Bioziden, Pornografie und Ähnlichem.

Wie sind die Konditionen? Das Girokonto kostet zwei Euro im Monat, die Bankkarte 15 Euro im Jahr und die Kreditkarte 25 Euro im Jahr. Es gibt Filialen in sieben deutschen Städten. Kostenlos Geld abheben kann man an den rund 19.000 Automaten, die dem "BankCard-Servicenetz" angeschlossen sind. Das sind vor allem Volks- und Raiffeisenbanken. Tagesgeld ab 10.000 Euro bringt derzeit 0,3 Prozent Zinsen, für geringere Beträge gibt es gar keine Zinsen. Zudem gibt es Baufinanzierungen, Rentenprodukte sowie faire Fonds. Sämtliche Ersparnisse sind durch die Einlagensicherung der Volks-und Raiffeisenbanken abgesichert.

Für wen eignet es sich? Wer sein Geld nach ethisch-ökologischen Kriterien anlegen will und nicht auf die Rendite guckt, ist bei der GLS gut aufgehoben. Wenn Sie Ihre Bankgeschäfte nicht allein online abwickeln wollen, müssen Sie prüfen, ob es in Ihrer Stadt eine Filiale gibt.

Ethikbank

Wer steckt dahinter? Die Ethikbank ist eine Zweigniederlassung der Volksbank Eisenberg, gegründet 2002 als reine Onlinebank. Auch die Ethikbank hat auf ihrer Seite einen ausführlichen Kriterienkatalog, welche Geschäfte sie unterstützt und welche nicht.

Wie sind die Konditionen? Für das Girokonto sind fünf Euro Gebühren im Monat fällig, die Bankkarte ist kostenlos. Die Mastercard kostet 20 Euro und ist ab einem Umsatz von 4000 Euro kostenlos. Die Ethikbank ist wie die GLS-Bank dem "BankCard-Servicenetz" mit seinen rund 19.000 Geldautomaten angeschlossen. Auf Tages- und Festgeldkonten gibt es derzeit mit 0,1 bis 0,3 Prozent fast überhaupt keine Zinsen. Im Angebot sind auch zwei nachhaltige Investmentfonds sowie ein Riester-Banksparplan. Kundengelder sind durch die Einlagensicherung der Volks-und Raiffeisenbanken abgesichert.

Für wen eignet es sich? Wem ethische Kriterien wichtig und Zinsen egal sind, der kann sein Geld zur Ethikbank bringen. Er muss aber bereit sein, alle Angelegenheiten per Telefon und Internet zu erledigen, da es keine Filialen gibt.

Umweltbank

Wer steckt dahinter? Die Umweltbank verwendet die Einlagen ihrer 95.000 Kunden ausschließlich für Umweltprojekte. Die Kredite gehen vor allem an die Solarbranche sowie ökologische Bauprojekte. Für die Geschäfte der Umweltbank gelten strenge Positiv- und Ausschlusskriterien. Seit 1997 ist sie als Onlinebank am Markt.

Wie sind die Konditionen? Aufs Tagesgeldkonto gibt es derzeit 0,5 Prozent Zinsen. Wer sein Geld längerfristig anlegt, bekommt etwas mehr, aber immer noch nicht viel. Zum Portfolio gehört außerdem eine Reihe ausgewählter Ökofonds. Ersparnisse bis 100.000 Euro sind über die gesetzliche Einlagensicherung geschützt.

Für wen eignet es sich? Wem vor allem Umweltbelange am Herzen liegen, der ist hier richtig. Der Kontakt läuft per Telefon, Internet und Post, Filialen gibt es nicht. Als alleiniges Geldinstitut taugt die Umweltbank nicht, weil sie kein Girokonto und keine Kreditkarten anbietet.

Triodos Bank

Wer steckt dahinter? Die niederländische Triodos Bank ist seit Anfang 2010 über ihre Frankfurter Niederlassung in Deutschland aktiv. Das Institut unterstützt Projekte aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Kultur. Triodos investiert auch in Unternehmen, die keine typisch nachhaltigen Produkte oder Dienstleistungen anbieten, sofern diese innerhalb ihrer Branche vorbildlich handeln (Best-in-class-Ansatz). Einige Branchen sind aber wie bei den anderen grünen Banken kategorisch ausgeschlossen.

Wie sind die Konditionen? Das Girokonto kostet bei Triodos 3,50 Euro Gebühr im Monat, die zugehörige Kreditkarte 25 Euro im Jahr und die Bankkarte 15 Euro. Kostenfrei Geld abheben können Kunden mit der Kreditkarte an den meisten Mastercard-Automaten. Tagesgeld bringt bei Triodos 0,75 Prozent Zinsen, das Geldinstitut bietet hauseigene Aktien- und Anleihenfonds an. Kundengeld bis 100.000 Euro ist über die niederländische Einlagensicherung abgesichert.

Für wen eignet es sich? Die Triodos Bank hat einen breiteren Nachhaltigkeitsbegriff als die Umweltbank und ist internationaler als die GLS Bank. Sie ist nur etwas für Kunden, die ihre Bankgeschäfte online und telefonisch abwickeln wollen.

Bank für Kirche und Diakonie

Wer steckt dahinter? Die Bank für Kirche und Diakonie (KD-Bank) ist eine Genossenschaftsbank und befindet sich im Besitz der beiden Institutionen, die sie im Namen trägt. Auch private Kunden sind willkommen, sofern sie die christlichen Werte der Bank teilen, heißt es auf der Homepage. Die Kirchenbank verspricht, sämtliche Anlagen durch einen Nachhaltigkeitsfilter zu jagen, um umwelt- und sozialverträgliche Standards zu gewährleisten.

Wie sind die Konditionen? Das Girokonto Klassik kostet fünf Euro Kontoführungsgebühr im Monat, die Bankkarte fünf Euro im Jahr und die Kreditkarte bis zu 20 Euro im Jahr. Die KD-Bank hat Filialen in zehn deutschen Städten und ist an das Geldautomatennetz der Volks- und Raiffeisenbanken angeschlossen. Einlagen sind durch die Sicherungseinrichtung der Volks-und Raiffeisenbanken geschützt.

Für wen eignet es sich? Wer vor allem kirchliche und diakonische Einrichtungen unterstützen will, kann zur KD-Bank gehen. Alternativen sind die Evangelische Kreditgenossenschaft, die Steyler Bank oder die Bank im Bistum Essen.