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Vermögensschutz: Die Trickreichen - wie Manager und Unternehmer versuchen, ihren Reichtum zu schützen

Manager und Unternehmer bringen ihren Besitz in Sicherheit. Vor Fiskus, Gläubigern und ehemaligen Partnern.

Vermögensschutz vor Fiskus, Familie und Gläubigern

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn drohen wegen des Diesel-Skandals Millionenforderungen. Er überschrieb Vermögen an seine Frau Anita. So soll es auch vor dem Fiskus sicher sein

Mein Schaaaatz", nennt Gollum den funkelnden Ring, der Macht verleiht. Er tut alles, um das Schmuckstück zu behalten. In der Fantasy-Saga "Herr der Ringe" ist Gollum ein krötenartiges Wesen, vom Besitzdrang besessen. In der Realität sind es Menschen, die ihre Schätze sichern oder unsichtbar machen wollen – vor Gläubigern, Ex-Partnern oder dem Fiskus. Die Versuchung ist gerade bei denen groß, die viel zu verlieren haben. Und denen Unheil droht.

Martin Winterkorn, der ehemalige VW-Chef, ist daher ein idealer Kunde für ein verschwiegenes Gewerbe: "Asset Protection" oder Vermögensschutz nennt sich die Dienstleistung, die spezialisierte Berater und Anwälte anbieten. Sie verstehen sich auf Tricks, die Güterstandsschaukel, Familienheimschaukel oder privatnützige Stiftung heißen. Meist bleiben sie geheim, öffentlich werden sie oft nur, wenn etwas schiefgeht.

Asset Protection

So wie bei Winterkorn, gegen den wegen des Dieselskandals ermittelt wird. Die "Bild am Sonntag" berichtete, dass er womöglich Geld in die Schweiz geschafft und seiner Frau Anita 3,4 Millionen überschrieben habe, ohne Schenkungsteuer zu bezahlen. Alles streng legal, versichern Winterkorns Anwalt und Steuerberater.

Aber es geht nicht nur um die Steuer. In den vergangenen Jahren hat der Gesetzgeber die Haftung von Managern drastisch verschärft. "Vor zehn Jahren hat Asset Protection kaum einen interessiert. Das ist heute anders", sagt der Münchner Rechtsanwalt Johannes Fiala, "natürlich sind Vorstände gut beraten, Vorsorge zu treffen." Alarmiert hat viele Wirtschaftsleute der Fall des früheren Deutsche-Bank-Chefs Rolf Breuer. Der hatte 2002 im Fernsehen die Kreditwürdigkeit des Filmmoguls Leo Kirch infrage gestellt, der dann tatsächlich pleiteging. Die Deutsche Bank musste Kirchs Erben 928 Millionen Euro Schadensersatz zahlen und holte sich einen Teil bei Breuer zurück. 90 Millionen übernahm dessen Managerhaftpflichtversicherung, aber 3,2 Millionen musste er aus eigener Tasche zahlen. Auch ehemalige Siemens-Vorstände wurden für die Folgen der Schmiergeld-Affäre in Haftung genommen. Ein Manager wurde zu 15 Millionen Euro Schadensersatz verurteilt.

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Bei VW sind die Dimensionen nun viel größer: Rund 27 Milliarden Euro hat den Konzern der Diesel-Betrug bisher gekostet. Der Aufsichtsrat ist gesetzlich verpflichtet, Schadensersatzansprüche auch durchzusetzen. Und diesmal könnte sogar die Managerhaftpflichtversicherung die Zahlung verweigern, wenn Winterkorn bei den Manipulationen vorsätzlich gehandelt haben sollte. Als Vorstandschef hat er im Lauf der Jahre mehr als 100 Millionen Euro verdient, dazu Pensionsansprüche von rund 30 Millionen Euro erworben. Bei VW dauern die Prüfungen an. Aber im Extremfall wäre Winterkorn ruiniert.

Das Vermögen von Ehefrau Anita allerdings wäre nicht betroffen. Genau da setzen die Spezialisten für Asset Protection an. Nur die allerwenigsten Deutschen leben in einer Gütergemeinschaft oder haben Gütertrennung vereinbart. Die Regel ist die Zugewinngemeinschaft. Dabei behält jeder sein Ursprungsvermögen – nur was während der Ehe dazukommt, wird bei Scheidung oder Tod aufgeteilt.

Topmanagern wird geraten, dem Ehepartner etwas zukommen zu lassen, durchaus in der Erwartung, im Ernstfall von ihm unterstützt zu werden. "Man versucht, etwas für schlechte Zeiten zu deponieren – als Schenkung", sagt Fiala.

Der Fiskus soll leer ausgehen

Schenkungen sind vollkommen legal und für die meisten Deutschen steuerfrei. Bis zu 500.000 Euro können dem Ehegatten spendiert werden, ohne dass der Fiskus mitkassiert. Bei hohen Millionenbeträgen sind bis zu 30 Prozent Steuern fällig. Doch die lassen sich mit dem passenden Trick aus der Zauberkiste der Asset-Protection-Berater vermeiden.

Man steigt zum Beispiel auf die Güterstandsschaukel. Die funktioniert so: Das Ehepaar hebt vor dem Notar die Zugewinngemeinschaft auf. Zum Ausgleich erhält der Partner mit dem geringeren Vermögenszuwachs eine Zahlung. Der Clou: Anders als eine Schenkung ist der Zugewinnausgleich völlig steuerfrei. "Das hat der Bundesfinanzhof bestätigt", erläutert der Karlsruher Anwalt Marcus Hosser. Allerdings müssten dabei eine Reihe rechtlicher Feinheiten beachtet werden.

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Kurz darauf schaukelt das Paar per neuem Ehevertrag zurück zur Zugewinngemeinschaft. So bleiben etwa die Vorteile im Erbfall erhalten. Wie knapp die Frist sein darf, darüber streiten die Juristen. Einige halten wenige Minuten für ausreichend, andere ein paar Monate.

Ähnlich funktioniert die Familienheimschaukel: Der Ehepartner, der Eigentümer der von der Familie bewohnten Immobilie ist, schenkt sie dem anderen. Nach einem Jahr kauft er sie zurück – und der Partner darf den Erlös behalten. Ohne Steuer zahlen zu müssen, auch wenn es sich um eine Millionen-Villa handelt. Dass der Fiskus leer ausgeht, ist bei diesen Konstruktionen willkommener Nebeneffekt. Das eigentliche Ziel aber ist, Vermögen vor dem Zugriff von Gläubigern zu schützen. Oder wie Christian von Oertzen, Spezialist bei der bekannten Steuerkanzlei Flick Gocke Schaumburg, in einer Präsentation schreibt: "Die Haftungsmasse wird eigentumsmäßig vom ursprünglichen, haftungsgefährdeten Inhaber abgetrennt. Gleichzeitig steht dieses Vermögen bzw. seine Erträge dem wirtschaftlichen Zugriff dieser Person zur Verfügung." Im Klartext: Der Schatz wird unangreifbar.

Neben Schenkungen sind vor allem Stiftungen üblich. Die müssen keineswegs gemeinnützig sein, sondern können als privatnützige Stiftungen das Wohlergehen der eigenen Familie fördern. Auch die Villa kann vor Gläubigern geschützt werden. Man überträgt sie an Verwandte, lässt sich aber ein lebenslanges Wohnrecht garantieren. "Wenn es gut gemacht ist, lässt sich eine Immobilie für den Rest des Lebens sichern", sagt Anwalt Fiala.

"Alles ist weg"

Doch alles lässt der Gesetzgeber kreativen Schuldnern nicht durchgehen. Wenn es zur Insolvenz kommt, werden alle Vermögensübertragungen der letzten Jahre unter die Lupe genommen. Verträge mit nahestehenden Personen können rückabgewickelt werden, wenn sie weniger als zwei Jahre vor der Pleite geschlossen wurden, Schenkungen können sogar für die Zeit von bis zu vier Jahren angefochten werden. Falls der Begünstigte eines Vertrages gar wusste, dass der Schuldner seine Gläubiger vorsätzlich benachteiligen wollte, dann geht es zehn Jahre zurück.

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Das musste Anton Schlecker erfahren. Der Drogerie-Unternehmer hatte in den Jahren vor der Pleite noch die 2,5-Millionen-Familienvilla Ehefrau Christa überschrieben und seinen vier Enkeln je 200.000 Euro geschenkt. Sohn Lars und Tochter Meike profitierten davon, dass eine Tochtergesellschaft dem Konzern überhöhte Preise in Rechnung stellte. Dafür wurden die Kinder sogar zu Haftstrafen von zwei Jahren und neun beziehungsweise acht Monaten verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Insgesamt zahlte die Familie an den Insolvenzverwalter in Deutschland 14 Millionen Euro zurück.

Aktuell untersuchen Staatsanwälte das Gebaren des Ex-Chefs des früheren Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff. Der hat vor drei Jahren Privatinsolvenz beantragt. Middelhoff gibt zu, dass er versucht habe, rechtlich einwandfreie Asset Protection zu betreiben. Aber das habe zu nichts geführt: "Alles ist weg." Sein Insolvenzverwalter hat daran Zweifel. Und klagt – gegen Middelhoff und dessen Anwalt. Es geht um die Rückzahlung von 5,1 Millionen Euro.

Liechtensteiner Stiftung

Offenbar kann es sich lohnen, sorgfältig nach einem Versteck zu suchen. Als sicherer Bunker gilt unter Experten neuerdings ein Fürstentum in den Alpen, das früher als Steuer-Festung bekannt war. "Liechtenstein erkennt keine ausländischen, vollstreckbaren Urteile an", sagt der Frankfurter Steuerrechtsanwalt Stefan Herter. "Hartgesottene gründen eine Liechtensteiner Stiftung."

Dort ist der "Schaaaatz" unerreichbar für die Gläubiger in Deutschland.

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