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Mein Jahr mit Grundeinkommen: Wohnmobil statt Hamsterrad: Wie 1000 Euro extra Britta Jacobsen die Freiheit brachten

Britta Jacobsen erhielt ein Jahr lang ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1000 Euro im Monat. Hier erzählt sie, was sie mit dem Geldsegen angefangen hat. Und wie es ohne Grundeinkommen jetzt für sie weitergeht.

Britta Jacobsen

Britta Jacobsen an einem See in Schweden: "Das Grundeinkommen war perfekt, um meine Auszeit zu verlängern"

Was machen Menschen mit einem bedingungslosen Grundeinkommen von 1000 Euro im Monat - und was macht das Geld mit ihnen? Das hat der stern Menschen gefragt, die das Glück hatten, ein Jahr lang dieses Geld zu bekommen. Ausgezahlt hat es der Berliner Verein "Mein Grundeinkommen". Seit 2014 hat er - finanziert durch Spenden - rund 500 Menschen ein Jahr mit Grundeinkommen ermöglicht (ein Interview mit dem Gründer lesen Sie hier). Der stern stellt in loser Folge Gewinner vor, die das Jahr bereits hinter sich haben, und lässt sie von ihren Erfahrungen berichten.

Britta Jacobsen erhielt von Dezember 2018 bis November 2019 das bedingungslose Grundeinkommen - just in einer Zeit, in der sich ihr Leben sowieso im Umbruch befand. Die 38-Jährige nutzte das Jahr, um Reisen und Arbeiten zu verbinden und endlich einmal Zeit für sich zu finden. "Ich wollte dieses Jahr komplett auskosten", sagt Jacobsen. Hier ist ihre Geschichte. 

Britta Jacobsen, 38, war schon Heilpädagogin, Altenpflegerin, Weihnachtsmarktverkäuferin und einiges mehr. Sie lebt in ihrem Wohnmobil, derzeit in der Nähe von München.

Britta Jacobsen, 38, war schon Heilpädagogin, Altenpflegerin, Weihnachtsmarktverkäuferin und einiges mehr. Sie lebt in ihrem Wohnmobil, derzeit in der Nähe von München.

"Als ich das Grundeinkommen gewonnen habe, habe ich gerade in einem Stand auf dem Kölner Weihnachtsmarkt gearbeitet. Das war eine anstrengende Zeit. Die Kälte, das viele Stehen, die Betrunkenen, die abends kein Ende finden – es war schon eine große Herausforderung für mich.

Ein halbes Jahr vorher hatte ich meine Wohnung und meinen regulären Job aufgegeben, um mir eine Auszeit zu nehmen. Ich wollte reisen, bei anderen Menschen leben und auf Höfen mithelfen. Auf dem Weihnachtsmarkt bin ich gelandet, weil meine Reisekasse zu Ende war und ich gerade erst Gefallen an meiner Auszeit gefunden hatte.

Vorher hatte ich als Heilpädagogin in der Behindertenhilfe und früher auch in der Altenpflege gearbeitet. Ich habe mich immer gerne um andere gekümmert, aber jetzt hatte ich das Bedürfnis, Zeit nur für mich zu haben. Ich wollte raus aus dem Alltag und das Grundeinkommen war perfekt, um meine Auszeit zu verlängern.

Ich hatte gerade erst das Auto gegen ein Wohnmobil getauscht und der Plan war, zu reisen und hier und da zu jobben und frei zu sein. Ich bin nicht der Typ, der sich nur Städte und Länder anguckt und damit zufrieden ist. Ich muss was tun, was ich sinnvoll und erfüllend finde und ich arbeite prinzipiell auch gerne. Deshalb war für mich klar: Das Grundeinkommen ist meine Lebensgrundlage, aber ich möchte auch dazuverdienen, weil es mir nicht reicht, nur rumzureisen und die Seele baumeln zu lassen.

"Ich konnte zu meinen Bedingungen verhandeln"

Mein Grundeinkommensjahr fing mit einem großen Dachschaden am Wohnmobil an. Für die Reparatur ging das gesamte Weihnachtsmarktgeld auf einen Schlag drauf. Normalerweise hätte ich jetzt den erstbesten Job annehmen müssen, aber zum Glück hatte ich ja das Grundeinkommen. Es war sehr schön, mir ohne Druck die Jobs suchen zu können, auf die ich gerade Lust hatte und die vielleicht auf dem Weg liegen und in meinen Plan passen. Ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass ich zu meinen Bedingungen verhandeln konnte und die Arbeitgeber haben sich auch darauf eingelassen.

Im Februar und März habe ich in der Eifel auf 450-Euro-Basis für eine junge Frau mit Epilepsie gearbeitet, die Hilfe brauchte. Von April bis Juni war ich am Ammersee in einem Gartencenter als Saisonkraft an der Kasse und im Café beschäftigt. Dadurch konnte ich mir einen neuen Zahnriemen fürs Wohnmobil plus Steuer und Versicherung rausarbeiten.

Die Frage, die mich die ganze Zeit begleitet hat, war: Was ist mir wirklich wichtig? Wie möchte ich das Grundeinkommen nutzen? Diese Freiheit hat mich am Anfang auch etwas überfordert. Aber klar war: Ich wollte dieses Jahr komplett auskosten. Teil des Plans war es, zu drei großen Campertreffen zu fahren, um Gleichgesinnte kennenzulernen. Vor meiner Auszeit hatte ich mit dem Wohnmobilleben überhaupt nichts am Hut, aber es hat mich direkt infiziert.

1000 Euro im Monat: Wie funktioniert das bedingungslose Grundeinkommen?

Natur und Ruhe in Skandinavien

Nach der Zeit am Ammersee habe ich in Norddeutschland meine Schwester besucht, was ich schon lange vorhatte. Jetzt hatte ich die Zeit. Von da ergaben sich spontan fünf Tage Skandinavien mit einem Kumpel, der auch mit dem VW-Bus unterwegs war. Und da ist irgendwas passiert mit mir. Als ich zurückkam, hatte ich gar keine Lust mehr auf Deutschland. Die Natur und die Ruhe in Skandinavien haben mir so gut gefallen. Ich war wie verzaubert.

Eigentlich wollte ich weiter nach Luxemburg zu einem Campertreffen, auf das ich mich das ganze Jahr gefreut habe. Ich habe mich dann aber spontan umentschieden und bin zurück nach Skandinavien gefahren: Fünfeinhalb Wochen in Schweden und Norwegen, das war für mich mein Jahreshighlight. Ohne Grundeinkommen wäre das nicht möglich gewesen. Ich war schon immer ein spontaner Mensch, aber jetzt konnte ich das auch umsetzen, weil ich wusste: Das Geld ist da. Das hat mit sehr viel Freiheit gegeben.

Als ich aus Skandinavien zurückkam, wusste ich, dass ich mich so langsam wieder mit der Zeit nach dem Grundeinkommen beschäftigen muss. Das war nicht so schön, weil ich mich gerade an die Freiheit gewöhnt hatte. Im September habe ich in der Nähe von Schwerin auf 450-Euro-Basis bei Globetrotter im Lager gearbeitet, was auch noch einmal eine krasse Erfahrung war. Ich ziehe den Hut vor jedem Menschen, der am Fließband arbeitet. Ich habe damals gewusst, ich mach das nur eine Woche, aber die Menschen neben mir machen das jede Woche, jeden Monat, jedes Jahr. Da habe ich Respekt vor.

Ich bin jemand, der macht lieber kurze und verschiedene Jobs, eine Festanstellung liegt mir einfach nicht. Das konnte ich im Grundeinkommensjahr ausprobieren und ausleben und das möchte ich gerne so weiterführen, weil das meinem Naturell entspricht.

"Mehr gelebt als die 37 Jahre davor"

Ich habe das Gefühl, dass ich in dem Jahr des Grundeinkommens und auch in der Auszeit davor mehr gelebt habe, als die 37 Jahre davor. Was mir gerade in den Sinn kam, habe ich gemacht, ohne dass ich überlegen musste: Kann ich mir das leisten? Es war dieses Gefühl: Das Geld ist da und ich bin abgesichert und es kann nicht viel passieren und ich probiere das jetzt aus. Es war einfach sehr viel Muße da, nicht im Sinne von In-den-Tag-hineinleben und nur abhängen, sondern zu schauen, worauf ich Lust habe und was ich für Ideen habe.

Ich bin jetzt seit ein paar Wochen wieder ganz normal im Job drin, weil das Grundeinkommen vorbei ist und ich merke jetzt schon wieder, dass ich viel weniger Zeit und Energie habe für meine eigenen Projekte. Ich arbeite derzeit als Produktionshelferin in der Nähe von München, der Job sichert meine Existenz und nach Feierabend muss ich mich nicht weiter mit ihm beschäftigen. Ich lebe weiter im Wohnmobil und will viel unterwegs sein, muss aber jetzt natürlich wieder mehr Zeit aufs Geldverdienen verwenden.

Ich trauere der Zeit schon nach, würde mir aber auch wünschen, dass jeder Mensch diese Erfahrung machen kann. Ich glaube, dass das Grundeinkommen mit jedem Menschen etwas macht. Es wird sicher nicht jeder die Zeit so ausleben wie ich, vielleicht legt jemand das Geld auch zurück oder reduziert seinen Job. Man bekommt einfach Raum und Möglichkeiten, die man vorher nicht hat. Dass die Leute mit dem Grundeinkommen gar nicht mehr arbeiten gehen würden, glaube ich nicht.

Ich denke aber, vielen Leuten würde mit dem Grundeinkommen erst klar werden, wie sie vorher gelebt haben, in was für einem Hamsterrad sie stecken. Das Leben bietet noch viel viel mehr, wenn man sich nicht jeden Tag ums Geldverdienen kümmern muss und mir geht’s nicht darum, dass alle nur noch Urlaub machen und Verreisen, sondern überlegen, was ihnen wirklich wichtig ist. Der eine wollte schon immer mal einen Malkurs machen, der andere ein Buch schreiben und dann hätten sie die Chance dazu, eigene Ideen, Wünsche und Projekte umzusetzen."

Protokoll: Daniel Bakir

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