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Mobilfunk: Gespräche in Handy-Netze werden günstiger

Die vier Anbieter T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 wollen die Preise für Anrufe aus dem Festnetz in ihre Netze in zwei Schritten senken.

Der größte Festnetzanbieter in Deutschland T-Com, eine Tochter der Deutschen Telekom, will seine Gesprächspreise ebenfalls anpassen. Die Preisnachlässe von bis zu 30 Prozent oder von bis zu 5,5 Cent pro Gesprächsminute sollen voll an die Endkunden weitergeben werden. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post äußerte sich zufrieden. "Das ist eine interessante Entwicklung, die ich immer gefordert habe", erklärte Behörden-Präsident Matthias Kurth (SPD). Aus Branchenkreisen verlautete bereits am Dienstag, dass zum Jahresende 2004 und 2005 die von den Mobilfunkunternehmen erhobenen Terminierungsentgelte für die Weiterleitung von Gesprächen aus dem Festnetz in Handy-Netze sinken werden.

Politischem Druck nachgegeben

Die Mobilfunkunternehmen kommen mit den Nachlässen einer Fixierung dieser Preise durch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post oder die EU-Kommission zuvor. Vor allem die EU hatte die Höhe der Gesprächspreise für Anrufe in Mobilfunknetze in Deutschland und anderen europäischen Ländern wiederholt kritisiert und mit behördlichen Preisfestsetzungen gedroht. In den Niederlanden und Großbritannien haben die dortigen Regulierungsbehörden bereits deutliche Kürzungen der Terminierungsentgelte angeordnet, die den Mobilfunkanbietern einen bedeutenden Teil ihres Umsatz liefern.

Die beiden marktführenden Unternehmen T-Mobile und Vodafone verlangen derzeit von Festnetz-Betreibern 14,3 Cent (ohne Mehrwertsteuer) pro Minute, wenn sie Anrufe in ihre Netze leiten. Zum 15. Dezember 2004 sinkt dieser Aufschlag auf 13,2 Cent, ein Jahr später weiter auf 11 Cent. Die beiden kleineren Netzbetreiber E-Plus und O2 senken ihre Preise auf zunächst 14,9 von derzeit 17,9 Cent, im Dezember 2005 nochmals auf 12,4 Cent.

Auch Festnetzanbieter T-Com zieht mit

Festnetzanbieter wie die marktführende Telekom-Tochter T-Com stellen diese Preise ihren Kunden zusätzlich zu den eigenen Kosten in Rechnung. Derzeit verlangt T-Com von seinen Kunden im Standard-Tarif für Gespräche in die D-Netze (T-Mobile und Vodafone) 24,6 Cent pro Minute und 29,2 Cent für Anrufe in den E-Netzen (E-Plus und O2). Ein Sprecher von T-Com sagte, "wir gehen davon aus, dass wir nach den Preissenkungen der Mobilfunkunternehmen eine entsprechende Preisanpassung bei unseren Endkundenpreisen vornehmen".

Der Präsident der Regulierungsbehörde sagte dazu, die Entwicklung der Terminierungsentgelte habe bei den Regulierern in der EU auf der Agenda gestanden. "Es ist besser, dass die Parteien sich selbst geeinigt haben, als dass die Regulierung einschreitet", sagte Kurth. Mit den neuen Preisen bewege sich der deutsche Markt wieder auf den europäischen Durchschnitt zu. "Ich gehe davon aus, dass Deutschland mit seinen Terminierungsentgelten nach Senkung der Preise nicht mehr über dem Durchschnitt liegt", fügte er hinzu.

"Bewegen oder bewegt werden"

Die Mobilfunkfirmen in Deutschland hatten sich lange gegen eine politische Einflussnahme auf ihre Preisgestaltung gewandt. Die anhaltende Kritik an den Aufschlägen für im Ausland geführte Mobilfunkgespräche führte jedoch inzwischen zu mehrfachen Preissenkungen. Nun folgen Preisnachlässe für Gespräche vom Festnetz in die Handy-Netze. Hier befürchteten die Anbieter ein behördliche Preisfixierung. "Entweder wir bewegen uns (bei den Preisen), oder wir werden bewegt", heißt es in der Branche.

Hendrik Sackmann, Reuters / DPA / Reuters