HOME

Tagesgeld oder Festgeld: Besser als das Sparbuch

Wer Geld parken will, findet bei Tages- oder Festgeld gute Konditionen. Sparbücher sind aber für viele auch in der Krise die erste Wahl - trotz niedriger Zinsen und geringer Flexibilität.

Von Daniela Leistikow und Thomas Strohm

Mit Zinsen für Tages- oder Festgeld können Anleger derzeit kaum die Inflationsrate ausgleichen, die im September auf 2,6 Prozent gestiegen ist - so hoch war sie seit drei Jahren nicht mehr. Wegen der schwächelnden Konjunktur dürfte die Teuerungsrate allerdings bald wieder zurückgehen. Und einige Beobachter rechnen damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins noch 2011 senkt.

Sparer, die diese Einschätzung teilen und ihr Geld sicher anlegen wollen, könnten zu einem länger laufenden Festgeldangebot greifen. Allerdings gibt es wegen des großen Wettbewerbs ums Ersparte der Deutschen auch in Niedrigzinsphasen immer Angebote für Tagesgeld und kurz laufendes Festgeld, mit dem Anleger Zinsen weit über dem Marktdurchschnitt einstreichen können.

Zudem erhalten sie sich auf diese Weise die Flexibilität, ihr Geld in höherrentierliche Anlagen umzuschichten, wenn es an der Börse aufwärtsgeht - oder es mit Konjunktur und Leitzinsen doch anders kommt als derzeit prognostiziert.

Viele Anleger verschenken beim Parken des Kapitals unnötig Geld. Der Bundesbank zufolge steckten im August 728 Mrd. Euro in täglich fälligen Einlagen - mit einer durchschnittlichen Verzinsung von 0,9 Prozent. Das ist mit Tagesgeld leicht zu toppen, und immer mehr Sparer lassen sich auch nicht mit Minizinsen abspeisen. "Rendite als Anlagekriterium gewinnt erstmals seit der Finanzkrise wieder eine größere Bedeutung", sagt Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). Das belege das Vermögensbarometer, eine repräsentative Studie zu Vermögensbildung und Vorsorge.

Einlagensicherung schützt Erspartes im Euro-Raum

Bei der Sicherheit der Anlage - sie steht bei den meisten an erster Stelle - müssen dabei keine Abstriche gemacht werden. Alle Bankeinlagen im Euro-Raum sind über die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Bis zu 100.000 Euro je Kunden und Bank sind im Insolvenzfall gesichert. Für darüber hinausgehende Summen greifen die Sicherungseinrichtungen von Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsinstituten, sofern der jeweilige Anbieter dort Mitglied ist.

Am flexibelsten bleiben Anleger mit Tagesgeld. Das Kapital ist jederzeit verfügbar, es gibt keine Kündigungsfristen. Sobald ein anderer Anbieter bessere Konditionen hat, kann das Ersparte dorthin geschoben werden. Auch die Zinssätze sind meist flexibel, die Banken können sie täglich ändern.

Einige Anbieter garantieren jedoch einen bestimmten Zinssatz für eine gewisse Zeit. Das ist vor allem bei Lockvogelangeboten üblich, bei denen Banken mit besonders attraktiven Zinsen neue Kunden ködern wollen. Wichtig ist hier, aufs Kleingedruckte zu achten - und, wenn der zunächst gezahlte Zins deutlich sinkt, das Geld auch rasch wieder zu einem anderen Anbieter mit besseren Konditionen zu schieben. Je häufiger der Zins ausgezahlt wird, desto stärker profitiert der Anleger vom Zinseszinseffekt.

Jeder Zweite hat ein Sparbuch

Bei Festgeld kann sich der Sparer auf den vereinbarten Zinssatz verlassen. Das kann bei sinkenden Zinsen vorteilhaft sein, aber auch bei steigendem Niveau muss sich der Anleger damit begnügen. Denn während der Laufzeit kommt man nicht ans Geld. Einige Anbieter zahlen schon für relativ kurze Laufzeiten attraktive Zinsen.

Der Liebling der Deutschen ist allerdings noch immer das Sparbuch: 55 Prozent der Bundesbürger besitzen nach einer Forsa-Umfrage eines; ein Tagesgeldkonto haben dagegen nur 39 Prozent. Dabei sind sowohl Tages- als auch Festgeld im Schnitt besser verzinst. Sparbücher und Sparkonten haben in der Regel eine dreimonatige Kündigungsfrist; über einen Teil des Geldes kann jedoch täglich verfügt werden, oft bis zu 2000 Euro je Monat. Bei steigenden Zinsen kann der Anleger dennoch nur langsam umschichten. Treffsichere Zinsjäger finden aber auch in diesem Segment derzeit rentable Angebote.

Zum stern.de-Tagesgeldrechner

Von Daniela Leistikow und Thomas Strohm / FTD