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Verbraucher: Gutscheine ohne Ende

Geschenk-Gutscheine zu Weihnachten bereiten viel Freude - und Monate später häufig viel Ärger, wenn um zu kurze Verfallsfristen und die Einlösung gestritten wird.

Geschenk-Gutscheine zu Weihnachten bereiten viel Freude - und Monate später häufig recht viel Ärger, wenn um zu kurze Verfallsfristen und die Einlösung gestritten wird. Vermeiden kann man Querelen schon beim Kauf mit folgendem Trick: An der Kasse darauf pochen, dass der Gutschein ohne Extra-Befristung gilt, wie Markus Saller, Jurist der Verbraucherzentrale Bayern, empfiehlt. Ein Verfallsdatum ist seit Einführung der Schuldrechtsreform nämlich bereits automatisch eingebaut: Ein Gutschein, der nach dem 1.1.2002 ausgestellt wurde, läuft spätestens nach drei Jahren ab.

Gutscheine gelten nur drei Jahre

Die Frist zählt ab Ende des Jahres, in dem der Gutschein ausgestellt wurde. Wer unter dem Weihnachtsbaum in diesem Jahr also einen unbefristeten Geschenk-Gutschein findet, sollte ihn allerspätestens bis zum 31. Dezember 2006 eingelöst haben. Danach verjähren in der Regel die Ansprüche darauf, wie Saller erläutert. Der Händler oder Dienstleister muss nach dem neuen Schuldrecht nur noch drei Jahre lang dafür gerade stehen. Auf ein älteres Urteil des Münchner Landgerichts aus dem Jahr 1995, das noch von einer maximalen Gültigkeit von 30 Jahren ausging, sollten Verbraucher inzwischen nicht mehr bauen, rät der Münchner Jurist und meint: "Diese Richtschnur ist wohl überholt."

Danach gilt: Ohne Kulanz geht nix

Will der in diesem Jahr Beschenkte seinen abgelaufenen Weihnachtsgutschein im Jahr 2007 partout noch umsetzen, muss er auf einen sehr kulanten Händler hoffen - und mit Engelszungen Überzeugungsarbeit leisten. Ist sein Anspruch verjährt, wird sich der Laden normalerweise quer stellen und die Leistung verweigern.

Auf Geschenkbon ohne Frist bestehen

Viel öfter passiert es allerdings immer noch, dass ein Verkäufer von vornherein ein Ablaufdatum auf den Gutschein schreibt. Das wäre ärgerlich und keine optimale Lösung - die Gültigkeit ist dann nämlich meist auf ein einziges Jahr begrenzt, also noch einmal kürzer als die im Bürgerlichen Gesetzbuch normalerweise vorgesehene Dreijahresfrist. Und dann darf der Beschenkte erst recht nicht mit dem Einlösen zögern. "Eine Verkürzung ist durchaus zulässig", betont Saller. Eine Befristung gelte immer dann als akzeptiert, wenn beide Seiten damit einverstanden seien, Käufer wie Verkäufer.

An der Kasse kontrollieren

Das bedeutet für den Schenker: Schon an der Kasse penibel darauf achten, ob der Gutschein mit einem Stempel "einzulösen bis...." oder einem klein gedruckten Hinweis wie "Nur ein Jahr lang gültig bis zum.." versehen ist. Und dann ein Veto einlegen, um das zusätzliche Zeitkorsett streichen zu lassen. Wer das versäumt, wird es im Nachhinein bei Querelen schwer haben nachzuweisen, dass er mit einer Befristung beim Kauf gar nicht einverstanden war.

Kein "wasserdichter" Anspruch

Der Beschenkte wiederum darf die einmal festgelegte Frist nicht überziehen. Die Gesichtsbehandlung bei der Kosmetikerin, der Sonntagsbrunch oder Kinobesuch sollten also rechtzeitig vor dem angegebenen Ablaufdatum wahrgenommen werden - sonst ist das schöne Geschenk dahin. Einen rechtlich "wasserdichten" Anspruch auf eine Bargeldauszahlung gebe es nicht, meint Saller. Wer das vom Händler fordere, werde in der Regel auf Granit beißen. "Und wer klagt dann schon wegen 50 Euro?", gibt der Jurist zu bedenken.

Gutschein weiterverkaufen

Keine Chance auf Bares haben zudem die Beschenkten, die im Sortiment eines Geschäftes nichts Passendes finden - und vom Händler dann den Geldwert des Gutscheins verlangen. Kein Verkäufer müsse darauf eingehen, betont der Jurist. Der Bon war schließlich zur Einlösung gegen Ware bestimmt. Ein Ausweg: Versuchen, den Gutschein weiterzuverkaufen. Das geht auch dann, wenn ein Name drauf steht.

Auch das geht: Gutschein in Portionen einlösen

Gar keine Probleme dürfte es geben, wenn der Beschenkte den Gutschein nicht auf einen Schlag sondern in kleineren "Portionen" eintauschen will - solange die Leistung teilbar ist, wie Saller betont. Beispiel: Ein Büchergutschein über 50 Euro kann jederzeit gestückelt werden. Im Januar darf man sich dafür einen Ratgeber für zwölf Euro, im Februar eine CD für 15 und im Juli einen Roman für 17 Euro kaufen. "Der Händler wäre verpflichtet, über die Restbeträge einen neuen Gutschein auszustellen, auch wenn es um 2,20 Euro ginge", meint der Verbraucherschützer. Einfach behalten darf er die übrig gebliebene Summe jedenfalls nicht. Und auf eine Auszahlung in bar ist wiederum kein Verlass.

Berrit Gräber / DPA