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Verkehr: Neues Preissystem und neuer Fahrplan bei der Bahn

Bei der Deutschen Bahn AG sind am Sonntag ein völlig neues Preissystem und ein ebenfalls stark veränderter neuer Fahrplan in Kraft getreten.

Bei der Deutschen Bahn AG sind am Sonntag ein völlig neues Preissystem und ein ebenfalls stark veränderter neuer Fahrplan in Kraft getreten. Der Fahrplanwechsel wurde erstmals zum Jahresende vorgenommen und ist ganz auf eine europäische Vernetzung der Bahnstrecken abgestimmt. Im Fernverkehr setzt die Bahn ganz auf ICE- und Intercity-Züge, der Interregio wird praktisch aufgegeben. Das neue Preissystem ist auf Rabatte für Frühbucher abgestellt, die aber jeweils nur für einen festgelegten Zug gelten.

Sowohl für den Fahrplan als auch die künftigen Preise hatte die Bahn schon vor dem Sonntag viel Kritik geerntet. So hatte der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert, dass viele Bahnfahrten teurer würden und vor allem der Regionalverkehr benachteiligt werde. Vom klassischen Kilometerpreis nimmt die Bahn mit dem neuen System weitgehend Abschied. Sparen kann derjenige, der früh bucht - nämlich bis zu 40 Prozent. Dafür werden die Stornogebühren drastisch auf bis zu 45 Euro erhöht. Dies wurde von Verbraucherschützern heftig kritisiert. Auch bringt die Bahncard nur noch eine Ermäßigung von 25 statt bisher 50 Prozent, dafür aber bei allen Tarifen.

Nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach stehen die meisten Bundesbürger dem neuen Preissystem ausgesprochen skeptisch gegenüber. Der Befragung von 10.343 Personen ab 16 Jahren im Auftrag der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« zufolge ist mit 31 Prozent fast jeder Dritte der Meinung, dass die Nachteile überwiegen. Nur 19 Prozent der Befragten erwarten, dass Bahnfahren vorteilhafter wird. Besonders bei Kunden, die häufig den Zug benutzen, ist nach dem Zeitungsbericht die Skepsis groß.

Bahnchef Hartmut Mehdorn schloss spätere Nachbesserungen an dem neuen Preissystem nicht aus. »Bei Bedarf machen wir das - jetzt starten wir erst mal«, sagte er der »Bild«-Zeitung. Gleichzeitig wies Mehdorn die Kritik an den Tarifänderungen zurück: »Alle reden von Reformen, wir machen eine. Das sollte man nicht gleich zerreden«, zitierte ihn das Blatt. Auch das für den Personenverkehr verantwortliche Bahn-Vorstandsmitglied Christoph Franz verteidigte das neue Preissystem. Es sei weitgehend gut aufgenommen worden, sagte er im Deutschlandradio Berlin. Die Zahlen an den Bahn-Schaltern belegten dies. Bei einer großen Reform sei es nicht machbar, dass es für jeden Kunden günstiger werde als vorher.

Der Fahrplanwechsel zum Jahresende erfolgte vor allem auf Wunsch der europäischen Nachbarn. Wegen der neuen ICE-Strecke Köln - Rhein/Main war es einer der größten Fahrplanwechsel überhaupt - vergleichbar mit der Einführung der ICE-Züge 1991, wie der Leiter Fahrplan der Deutschen Bahn AG, Ingulf Leuschel, sagte. Die Fahrplanänderungen haben Auswirkungen auf 80 Prozent des Reiseverkehrs, wobei es oft nur um Minuten geht. Es fallen aber auch Verbindungen weg, andere werden schneller, auf bestimmten Strecken fahren mehr Züge als bisher, neue Linien werden eingerichtet. Leuschel betonte, dass die Bahn ihr Angebot im Fernverkehr ausweite - gefahren würden knapp 137 Millionen Zugkilometer statt wie bisher 135 Millionen.

60 Prozent des Fernverkehrs wird jetzt von ICE-Zügen gewährleistet, 40 Prozent von IC/EC-Linien. Interregios spielen im Fernverkehr keine Rolle mehr: Zehn neue IC-Linien ersetzen bisherige IR-Verbindungen, andere werden in den Regionalverkehr eingegliedert.