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Vermögen: Vererben will gelernt sein

Gültig nur aus eigener Feder: Testamente müssen handgeschrieben oder notariell niedergelegt werden. Ein Überblick der wichtigsten Dinge, die beachtet werden müssen.

In den kommenden Jahren stehen bundesweit Vermögen im Wert von zwei Billionen Euro zur Vererbung an. Gut 15 Millionen Haushalte werden laut dem Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) davon profitieren. Auch die Politik zeigt zunehmend Interesse: So brachten jüngst SPD-Ministerpräsidenten eine Erhöhung der Erbschaftssteuer ins Gespräch.

Viele Testamente fehlerhaft

Allerdings glauben nach einer DIA-Umfrage nur 58 Prozent der Bevölkerung, dass sie bezüglich der Erbschaft alles exakt geregelt haben. Selbst dieser Eindruck ist in vielen Fällen trügerisch. So sind mehr als 90 Prozent der privat aufgesetzten Testamente fehlerhaft, wie es in dem von der Stiftung Warentest in Berlin herausgegebenen Ratgeber »Vererben und Erben« heißt.

Immer handgeschrieben

Noch immer hat sich nicht überall herumgesprochen, dass Testamente komplett per Hand geschrieben sein müssen. Das Diktieren des Letzten Willens sowie die Verwendung einer Schreibmaschine oder eines Computers führen selbst bei eigenhändiger Unterschrift zur Unwirksamkeit. Wer nicht mehr mit der Hand schreiben kann, muss die Verfügungen beim Notar zu Protokoll geben. Ebenfalls erforderlich ist die vollständige Unterschrift mit Vor- und Familiennamen.

Gemeinsames Testament tückisch

Manche Witwen und Witwer machen sich diese Mühe ohnehin umsonst: Ihnen ist entfallen, dass sie noch zu Lebzeiten des Ehepartners ein gemeinsames Testament aufgesetzt haben. An solchen Verfügungen ist meist nicht mehr zu rütteln. »Das ist gegenüber dem Verstorbenen eine Frage des Vertrauensschutzes«, sagt Wolfgang Kastner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Erbrechtskunde (DGE) in Bonn.

Vermächtnisse nicht vergessen

Ungültig können auch Testamente sein, in denen nur Vermögen verteilt wird, nach dem Muster: »A erhält mein Bargeld, B meine Wohnung, C das Auto«. Das Gesetz wünscht eine klare Erbeinsetzung, damit die Rechtsnachfolge geregelt ist. »Besser ist es deswegen, Vermächtnisse anzuordnen«, so Kastner. Eine Formulierung könnte lauten: »Zu meinem alleinigen Erben setze ich A ein. Er hat folgende Vermächtnisse zu erfüllen: B erhält die Wohnung, C das Auto.«

Ganz wichtig bei jungen Ehepaaren

Aber auch wer gar nichts macht, kann vieles falsch machen: So liegt jungen Eheleuten der Gedanke an ein Testament meist fern. Das kann bei einem plötzlichen Todesfall fatale Konsequenzen haben, da die gesetzliche Erbfolge kein Alleinerbe eines Ehegatten vorsieht. War die Verbindung kinderlos, muss der Hinterbliebene in der Regel ein Viertel des Vermögens mit Eltern, Geschwistern oder sogar Nichten, Neffen und Großeltern des Verstorbenen teilen.

Berliner Testament

Selbst wenn sie enterbt wurden, haben Ehegatten, Abkömmlinge und - wenn keine Abkömmlinge vorhanden sind - Eltern des Verstorbenen Anspruch auf die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, - den so genannten Pflichtteil. Theoretisch kann ein Kind auch dann darauf beharren, wenn sich die Eltern - wie im so genannten Berliner Testament - gegenseitig zu Alleinerben eingesetzt haben. Um des Familienfriedens willen unterbleibt dies in der Praxis aber meist.

Kinder sollten bevorzugt werden

Dabei wäre es bei größeren Vermögen aus steuerlicher Sicht sogar günstiger, die Kinder gleich zu Erben einzusetzen und dem überlebenden Ehepartner ein lebenslängliches Nießbrauchsrecht am Nachlass einzuräumen. »Andernfalls muss zwei Mal Erbschaftssteuer bezahlt werden«, so Kastner.

Freibeträge nicht vergessen

Die derzeit gültigen Freibeträge belaufen sich bei Ehegatten auf 307.000 Euro, bei Kindern auf 205.000 Euro. Bis zur gleichen Höhe können alle zehn Jahre Schenkungen steuerfrei vorgenommen werden. Oberhalb dieser Summen wird Erb- oder Schenkungssteuer in Höhe von mindestens sieben Prozent fällig. Kinder müssten etwa bei einem Erbe von 400.000 Euro immerhin 21.450 Euro an den Fiskus zahlen. Durch vorgezogene Schenkungen und Jonglieren mit den Freibeträgen ließe sich laut DGE mehr als die Hälfte der jährlich anfallenden Erbschaftssteuer sparen.

Eile bei Immobilien geboten

Begünstigt ist im Augenblick auch noch die Übertragung von Immobilien, da hier häufig nur 50 Prozent des tatsächlichen Wertes veranschlagt werden. Der Bundesfinanzhof hat jedoch Zweifel an dieser Praxis angemeldet und das Bundesverfassungsgericht angerufen. »Wir raten dringend dazu, Immobilien und auch Betriebsvermögen vor einem endgültigen Urteilsspruch auf Erben oder Nachfolger zu übertragen«, so Kastner. Danach werde die Steuerbelastung sicher höher ausfallen.