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Studie: Wie Wohlstand entsteht - eine schlechte Nachricht für Deutschlands Mittelschicht

Immobilien und Aktien ebnen den Weg zu finanziellem Wohlstand, zeigt eine Studie der Bundesbank. Ärgerlich, dass ausgerechnet die Deutschen vor allem zur Miete wohnen. Und Angst vor Aktien haben.

Die eigene Immobilie

Die eigene Immobilie ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum Vermögensaufbau

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Wie steht es um den Wohlstand in Deutschland? Das wollte die Bundesbank wissen und interviewte dafür 5000 Haushalte. Wie viel Vermögen haben die Menschen auf der hohen Kante? Besitzen sie etwas von Wert, wie eine Immobilie, ein Auto, teuren Schmuck, Kunstgegenstände? Gibt es eine Lebensversicherung, Aktienpakete? Von diesen Vermögenswerten wurden dann offene Verbindlichkeiten, wie Kreditschulden oder nicht gezahlte Rechnungen abgezogen. Was übrig blieb, ist das Nettovermögen pro Haushalt, berichtet die "Wirtschaftswoche".

Und das ist zunächst überraschend hoch: Der Mittelwert der Vermögen in Deutschland beläuft sich demnach auf 232.800 Euro pro Haushalt - zumindest statistisch. Doch dieser mittlere Wert ist natürlich nicht ganz aussagekräftig. Der Medianwert ist da realistischer: Die eine Hälfte hat mehr, die andere Hälfte hat weniger als diesen Betrag. Und der liegt dann nur noch bei knapp 71.000 Euro. 

Vermögen ist ungleich verteilt 

Woher dieser große Unterschied kommt? Offenbar ist Vermögen in Deutschland sehr ungleich verteilt. Laut der Bundesbank besitzen die reichsten zehn Prozent in Deutschland 55 Prozent des Nettovermögens. Die große Masse, also 90 Prozent, teilt sich weniger als die Hälfte. Befragt wurden dabei Normalhaushalte, ärmere Menschen, aber auch Multimillionäre. Allerdings: Die wirklich Super-Reichen, die mehr als 100 Millionen Euro in irgendeiner Form besitzen, waren nicht für das Ranking erreichbar. Daher ist selbst diese Erkenntnis der Bundesbanker verzerrt. Eigentlich verfügen die reichen Haushalte in Deutschland über noch viel mehr.

Die Studie sollte vor allem die Mittelschicht in Deutschland aufhorchen lassen. Denn die Erklärung, wie Vermögen angehäuft werden kann, ist laut der Studie klar: Immobilien und Aktien sind der Schlüssel, um reich zu werden. Oder zumindest ein wenig Vermögen zu haben.

Deutsche besitzen kaum Immobilien

Und hier kommt das Ärgerliche: Die Deutschen besitzen kaum Immobilien. Nur 44 Prozent der befragten Haushalte gaben an, eine Immobilie zu besitzen. Zum Vergleich: In Spanien und Italien liegt diese Quote bei bis zu 80 Prozent. In Ungarn sind es 85 Prozent, in Rumänien knapp 97 Prozent. Deutschland ist ein Mietland - keine gute Nachricht für den Vermögensaufbau. Denn Immobilienbesitzer verfügen laut der Studie durchschnittlich über 277.000 Euro. Mieter haben im Vergleich dazu nur ein Vermögen von 10.400 Euro. 

Die steigenden Immobilienpreise in Deutschland verschärfen dieses Dilemma. Denn selbst die Mittelschicht ist zum Mieten verdammt, wenn die Haus- und Wohnungspreise astronomische Höhen erreicht haben. 

Die Angst vor Aktien

Aber laut den Bundesbankern gibt es noch einen weiteren Hebel, um Vermögen anzusammeln - und zwar Aktien. Doch die Deutschen sind wahre Hasenfüße, wenn es um Aktienkauf geht. Nur elf Prozent der Haushalte besitzen Aktien, so die Bundesbank-Studie. In den USA sind es hingegen 56 Prozent, in Japan 28 Prozent. Die Gründe, warum sich die Deutschen nicht an Aktien herantrauen, haben das Deutschen Aktieninstitut und die Stuttgarter Börse  abgefragt. Den meisten Befragten waren Aktien zu unsicher oder sie gaben an, zu wenig über Aktienmärkte zu wissen. Fast der Hälfte der Befragten war das ganze Thema zu umständlich. Und so klammern die Deutschen diese Form der Geldanlage aus - trotz Null-Zins-Phase.

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Die Direktbank Comdirect wollte es noch genauer wissen und hat geprüft, wie Aktienbesitz in Deutschland verteilt ist. So gibt es Aktien-Boomregionen, wie München (50 Prozent), Starnberg (66 Prozent) oder Ammerland (34 Prozent), wo auffällig viele Aktionäre wohnen. Im Gegenzug gibt es Ecken, wo kaum Aktienbesitzer leben, wie in Rostock (1 Prozent), Kiel (2 Prozent), Erfurt (0 Prozent) oder Gelsenkirchen (0 Prozent). 

Gleichgültig bei Geldfragen?

Dabei haben Aktien für Deutschlands Mittelschicht im Vergleich zu Immobilien einen entscheidenden Vorteil: Man kann auch mit kleinen Beträgen oder per Sparplan einsteigen. Statt große Summen Eigenkapital zu benötigen, kann der Sparer direkt loslegen. "Wer sein Geld in Aktien anlegt, kann an der langfristigen Wertschöpfung erfolgreicher Unternehmen teilhaben", so der Rat des Deutschen Aktieninstituts - das sich aber realistisch zeigt: "Oft legen die Befragten aber auch eine gewisse Gleichgültigkeit in Gelddingen an den Tag: Sie setzen sich generell nicht mit Vermögensbildung und speziell nicht mit Aktien auseinander. Allein mit Überzeugungsarbeit oder dem Aufbau von Erfahrungswissen wird man, wie die Studie zeigt, daher den Status Quo nicht ändern." 

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UBS MSCI World Socially Responsible (Isin LU 062 945 974 3)

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