Großauftrag Siemens bleibt in China auf der Strecke


Rund zwölf Milliarden US-Dollar will China in schnelle Bahnverbindungen investieren. Ein Projekt, auf das es auch Siemens abgesehen hatte. Doch statt ICE kommt der japanische Shinkansen zum Zug.

China hat sich nach Berichten der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua für den japanischen Schnellzug Shinkansen entscheiden. Mit ihm soll die Geschwindigkeit auf insgesamt fünf Strecken im Land auf 200 Stundenkilometer erhöht werden. Gleichzeitig wird der Sieg der Shinkansen-Technologie als Vorentscheidung für die prestigeträchtige und hart umkämpfte Strecke zwischen Peking und Schanghai gewertet, in die China in Zukunft viel Geld stecken will.

Für Siemens ist das bereits der zweite große Rückschlag in den Bemühungen, sich an der Modernisierung der chinesischen Bahn zu beteiligen. Zunächst sollte der Markt im Reich der Mitte mit der Magnetschnellbahn Transrapid erobert werden. Die in Deutschland entwickelte Bahn wird von einem Konsortium aus den Unternehmen Siemens und Thyssen-Krupp angeboten. Zwar fährt im chinesischen Schanghai der erste kommerziell genutzte Transrapid der Welt. Doch die Auslastung der Züge auf der 31,5 Kilometer langen Strecke zwischen Finanzzentrum und Flughafen ist zu gering, erst im April wurden die Ticketpreise um 30 Prozent gesenkt.

Transrapid nur noch für kürzere Strecken im Gespräch

Die Aussichten sind schlecht, den Transrapid in großem Stil in China zu etablieren. Im Januar 2004 entschied sich die Regierung, für die Peking-Schanghai-Strecke auf konventionelle Rad-Schiene-Technik und nicht auf eine Magnetbahn zu setzen. Für den Transrapid und somit auch für Siemens sind seitdem nur noch kürzere Strecken zwischen 200 und 300 Kilometern sowie eine Verlängerung der bestehenden Strecke bis zum Gelände der Expo 2010 in Schanghai in Reichweite.

Siemens ist jedoch fest entschlossen, sich einen stabilen Platz im boomenden chinesischen Markt zu sichern. "In den kommenden drei bis fünf Jahren werden wir über eine Milliarde Euro in China investieren", verkündete Siemens-Chef Heinrich von Pierer im Mai 2004. 100 Millionen Euro soll allein der Neubau der Firmenzentrale in Peking kosten. Der deutsche Elektroriese ist mit rund 30.000 Beschäftigten schon jetzt einer der größten Arbeitgeber Chinas. Ziel der Investitionen ist die Verdopplung sowohl der Niederlassungen als auch Umsatzes.

Claudia Fudeus

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