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Neue BBC-Serie: Ikea: Die irren Kämpfe hinter dem berühmtesten Katalog der Welt

Den Ikea-Katalog kennt jeder. Doch kaum einer ahnt, welche Kämpfe im Hintergrund bei der Entstehung toben. Eine neue BBC-Doku durfte jetzt hinter die Kulissen schauen.

Ikea Katalog 2018 2012

Der Ikea-Katalog sieht immer ähnlich aus, hier etwa die Ausgabe von 2012. Im Jahr 2018 wollte die Veranwortliche es endlich mal anders machen

Picture Alliance

Jeder hatte ihn schon in der Hand: Der Ikea-Katalog ist schon seit Jahrzehnten in Millionen Haushalten zu finden, mit aktuell 203 Millionen gedruckten Exemplaren in 35 Sprachen pro Jahr hat er längst Bibel und Koran überholt. Über die Entstehung weiß man fast nichts - bis jetzt. In einer neuen Doku-Reihe schaut der englische TV-Sender "BBC Two" hinter die Kulissen von Ikea - und gibt Einblicke in den gigantischen Aufwand hinter dem Katalog.

Der entsteht in einem der größten Fotostudios in Europa. Auf gigantischen 8000 Quadratmetern in Ikeas schwedischem Heimatort Älmhult sind Dutzende der bekannten Möbelsets angerichtet. Um die authentisch wirken zu lassen, scheuen die Set-Designer keine Mühe, jedes Detail muss stimmen. Nach Angaben der BBC rauen die Mitarbeiter sogar die Teppiche an, indem sie vorsichtig an den Fäden zupfen. Blumen dürfen nie zu frisch aussehen. So will man eine Lebendigkeit der Bilder erreichen. Die Aufnahmen sollen nicht wirken, als stünden die Möbel steril im Studio herum, sondern als hätten die Bewohner nur eben den Raum verlassen.

Hübsche Räume ohne Seele

Menschen findet man im Katalog dagegen selten - auch wenn Designer dafür durchaus kämpfen. Sara Blomquist, für die Produktion des Kataloges verantwortlich, hat sich für den neuen Katalog das Konzept "Menschen machen Ikea aus", vorgenommen. Sie castete Familien, die sich einfach in den Möbelsets austoben und wohlfühlen sollten - während der Fotograf draufhielt. Und wollte die Menschen sogar auf das Cover bekommen. Ihr größtes Hindernis: Der gnadenlose "Katalog-Ausschuss".

Der aus den Führungsspitzen bestehende Ausschuss legt letztlich fest, welche Bilder es in die Möbel-Bibel schaffen. Und Menschen auf dem Cover sehen sie gar nicht gerne. Blomquist hat deswegen für 2018 gleich zwei Cover vorbereitet, eines mit Menschen - das sie am liebsten sehen würde. Und eines ohne. "Ich würde für alles kämpfen, wenn ich es für wichtig halte", erklärt sie. Doch sie kennt auch die Folgen, wenn der Rat ihrer Vision nicht folgt. Letztes Jahr musste das komplette Covershooting wiederholt werden. Dieses Jahr ist sie vorbereitet.

"Verstörende" Menschen

Um die Mitglieder in den nach ihren Angaben "völlig chaotischen" Ratssitzungen auf ihre Seite zu bekommen, müsse sie überzeugend sein, erklärt Blomquist. "Selbst, wenn die Menschen keinen vollen Blick auf die Möbel erlauben, hoffe ich, dass wir nicht wieder einen hübschen, leeren Raum ohne Personen zeigen. Das wäre ein völliges Scheitern für mich." Doch der Rat sieht das anders. Unter dem Auge der BBC-Reporter zerreißen die Manager den Entwurf, einige nennen die Bilder gar "verstörend". "Als Konsument weiß man ja gar nicht, wo man hinsehen soll. Das ist irritierend", erklärt eine Managerin.

Am Ende siegt das klassische Bild - ohne Menschen. "Natürlich bin ich enttäuscht. Ich wollte mehr Leben in den Bildern", fasst Blomquist später zusammen. Nächstes Jahr wollen sie und ihre Mitarbeiter wieder dafür kämpfen. Am Ende der Sendung landet der Katalog im Laden. Befragte Kunden erklären, dass sie es lieben würden, wenn Haustiere oder Menschen zu sehen wären. Selbst der Manager eines der Möbelhäuser findet die leeren Räume gruselig und witzelt: "Es sieht aus, als hätten Einbrecher es gerade ausgeräumt."

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