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Tierquälerei: Wettsingen statt Hahnenkampf: Das irre Geschäft mit den geschmuggelten Singvögeln

Es klingt wie ein schlechter Scherz: Der New Yorker Zoll muss immer wieder lebendig geschmuggelte Finken beschlagnahmen - weil die in illegalen Gesangswettbewerben antreten sollen. Es geht um Zehntausende Dollar.

Finken aus Südamerika sind in New York häufig gefundene Schmuggelware

Finken aus Südamerika sind in New York häufig gefundene Schmuggelware (Symbolbild)

Getty Images

Auf den ersten Blick sieht man sie nicht. In Klopapier oder Plastik-Lockenwickler eingerollt, zwischen Socken und andere Klamotten gestopft, sind die kleinen Lebewesen kaum als solche zu erkennen. Der Zoll am New Yorker JFK-Airport kennt den Anblick allerdings genau: Hier werden Finken ins Land geschmuggelt. Gerade erst wurde ein Mann erwischt, der versuchte, 70 der kleinen Singvögel auf einmal ins Land zu bringen. Es geht um viel Geld.

Die aus Südamerika stammenden Vögel sind für manche Menschen ziemlich wertvoll. Bis zu zehntausend Dollar wird für ein einzelnes Exemplar gezahlt - wenn es sich als besonders begnadeter Sänger erweist. Denn was für die einen Sportwetten sind, ist für den anderen das Vogelwettsingen. "Sie wetten, wie oft die Finken in einer Minute tschirpen", erklärt Anthony Bucci, Sprecher des New Yorker Zolls, der "New York Times". In anderen Fällen gewinnt der Vogel, der am schnellsten 50 "Lieder" gesungen hat. Die Wetten kommen aus der Heimat vieler Migranten aus Südamerika und der Karibik, seit einigen Jahren sind sie auch in New York beliebt.

 

Wertvolle Piepmätze

Doch die Wetten sind gleich mehrfach rechtlich fragwürdig. Sportwetten sind in den USA größtenteils verboten, erst eine Entscheidung des höchsten Gerichts aus dem Mai könnte das in Zukunft ändern. Und: Die besten Finken gibt es nicht in der US-Metropole - also werden sie aus der Heimat eingeschmuggelt. Weil die Einfuhr einer exotischen Spezies eine 30-tägige Quarantäne vorsieht und viele der Vogelarten als gefährdet gelten, ist eine legale Einfuhr meist keine Option. "Die Vögel sind nach der Quarantäne einfach nicht mehr dieselben", zitiert die "NYT" einen der Wettkampfteilnehmer. Entsprechend hoch gehandelt sind die erfolgreich ins Land gebrachten Vögel. Ein in der Szene besonders aktiver Wettkämpfer soll die wertvollsten seiner 43 Vögel ständig per Webcam im Auge behalten.

Der Zoll hat mittlerweile eine eigene Ermittlungs-Gruppe für die Finken-Schmuggler eingerichtet, der Codename ist G-Bird. Gut 200 der Vögel sollen alleine dieses Jahr in Gepäckstücken entdeckt worden sein, die meisten stammen aus Guyana. Auch die 70 Vögel aus dem bisher größten Fund kommen aus dem Staat an der Nordost-Küste des südamerikanischen Kontinents. "Die am meisten im Passagier-Betrieb geschmuggelten Tiere sind diese Vögel, Finken", so Bucci. Die Vögel werden in Rollen mit kleinen Netzen eingepfercht und so bewegungsunfähig gemacht. Zusätzlich werden sie teilweise mit Rum ruhig gestellt.

Kaum Folgen für die Schmuggler

Die Schmuggler müssen kaum Strafen fürchten. Der zuletzt gefasste Guyanese wurde etwa einfach des Landes verwiesen, ein anderer bekam gar die Einreise erlaubt, musste aber 300 Dollar Strafe zahlen. Angesichts der möglichen Gewinne ist das eher ein Klaps auf die Finger. Nur gelegentlich erhalten einzelne Schmuggler Haftstrafen. Die Vögel bleiben indes in den USA. Sie werden laut der "New York Times" der Tierschutzbehörde übergeben, was dann mit ihnen passiert, konnte die Zeitung nicht herausfinden.

Der Grund für die strengen Kontrollen ist einfach: Eingewanderte Tiere können die Balance der lokalen Flora und Fauna leicht durcheinanderbringen, die Einfuhr von lebenden Tieren ist deshalb in vielen Staaten verboten oder stark reglementiert. In den USA verschäfte eine Vogelgrippe-Welle vor einigen Jahren die Situation noch zusätzlich.

Quelle: The New York Times

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