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CO2-Zertifikate für Brennstoffe: Heizen soll teurer werden

Für ein wohlig warmes Zuhause müssen Bürger künftig tiefer in die Tasche greifen: Die Bundesregierung will nämlich CO2-Zertifikate für alle Brennstoffe einführen. Händler von Heizöl, Gas und Pellets sollen Emissionsrechte kaufen - den Preis zahlen wohl die Kunden.

Von Jens Tartler

Das Heizen wird in den kommenden Jahren voraussichtlich deutlich teurer. Die Bundesregierung plant, im Jahr 2015 CO2-Zertifikate für alle Brennstoffe einzuführen. Das erfuhr die "Financial Times Deutschland" (FTD) am Dienstag aus Regierungskreisen. Händler, die etwa Heizöl, Erdgas oder Holzpellets verkaufen, müssten dann diese Zertifikate erwerben. Inwieweit sie den Preis für diese Emissionsrechte auf ihre Kunden überwälzen können, wäre dann vom Markt abhängig.

Führende Vertreter des Bauministeriums sowie der Ressorts für Finanzen, Umwelt und Wirtschaft wollen sich nach der Sommerpause treffen, um Einzelheiten auszuarbeiten. "Das wird eine Lösung, die jahrzehntelang Bestand haben wird", sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter der "FTD".

Die neuen CO2-Zertifikate für Heizmittel sollen dazu beitragen, die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen. Bis zum Jahr 2050 soll der sogenannte Primärenergiebedarf von Wohngebäuden um 80 Prozent sinken. Schon die Energieeinsparverordnung von 2009 gibt vor, den Bedarf für Heizung und Warmwasser um 30 Prozent zu reduzieren. Im Herbst dieses Jahres soll die Verordnung nochmals verschärft werden.

Sanierungsprogramm für Gebäude wird aufgestockt

Die Bundesregierung geht davon aus, dass heizen generell teurer wird - nicht nur wegen der Zertifikate, sondern weil die Energiepreise steigen. Eine bessere Wärmedämmung soll dem entgegenwirken. Den bisherigen Bestand an Wohngebäuden auf den heutigen Standard der Energieeffizienz zu bringen würde allerdings 2400 Milliarden Euro kosten, schätzt das Bauministerium. Um zumindest einen Schritt voranzukommen, wird das heutige CO2-Gebäudesanierungsprogramm von 936 Millionen Euro in diesem Jahr auf jeweils 1,5 Milliarden Euro in den Jahren 2012 bis 2014 aufgestockt.

Parallel führt die Bundesregierung eine neue steuerliche Förderung für Mietwohnungen und selbst genutzte Wohnungen ein. Diese soll den Fiskus ab 2013 zunächst rund 100 Millionen Euro im Jahr kosten. Wird das Programm gut angenommen, könnten Mindereinnahmen von 1,5 Milliarden Euro im Jahr die Folge sein. Damit rechnet die Regierung nach neun Jahren.

Wer die neue Möglichkeit nutzt, kann zehn Jahre lang jeweils zehn Prozent seiner Sanierungskosten von der Steuer absetzen - in beliebiger Höhe. Der Baubeginn für das Sanierungsobjekt muss vor 1995 liegen. Die technischen Verbesserungen müssen dem Standard eines KfW-Effizienzhauses 85 entsprechen. Diese Häuser verbrauchen nur 85 Prozent der Energie eines normalen Neubaus.

FTD