Heute leben immer mehr Kinder mit abgeschlossener Ausbildung wieder bei ihren Eltern. In den USA sind es mehr als ein Drittel der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 34 Jahren, die Zahl wächst auch in Europa. Eine EU-umspannende Untersuchung hat etwa offenbart, wie sehr das Lebensglück der Eltern unter den Rückkehrern leidet, wenn die Kinder wegen geplatzter eigener Lebensträume heim ins Nest wollen.
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Die Gründe für die Rückkehrer haben immer etwas mit hohen Wohnkosten zu tun, sind aber vielfältig. Sie reichen von Arbeitslosigkeit über gescheiterte Beziehungen – aber auch gesundheitliche Probleme und bloße Bequemlichkeit treiben diesen Trend an.
Warum Miete wichtig ist
Für die Eltern stellt sich immer eine entscheidende Frage: Sollen die Kinder Miete zahlen? Experten sagen : Ja. Gerade dann, wenn die Eltern über ein so großzügiges Budget verfügen, dass sie das Geld nicht benötigen, gehöre es zur elterlichen Verantwortung, den Kindern kein ewiges sorgloses Teenagerleben zu ermöglichen.
Die Vermögensberaterin Kim Luu-Tu sagte zum "Wall Street Journal": "Indem sie Miete zahlen müssen, bringen die Eltern den Kindern die Bedeutung eines Budgets bei, um sie auf das Leben vorzubereiten."
Im Umfeld der Finanzexpertin geht es nicht darum, dass die Eltern die Miete bräuchten, um über die Runden zu kommen. Kim Luu-Tu kennt Beispiele wie dieses: Ein junger Mann brach sein Studium ab, zog wieder bei den Eltern ein – mietfrei natürlich. Er fand einen Job, das Gehalt steckte er in einen Luxuswagen. Als er sich sechs Monate später einen schnellen Sportwagen wünschte, schwatzte er seinen Eltern die Luxuslimousine auf, um sich den Sportwagen zu kaufen. Inzwischen schwant den Eltern, dass es klüger gewesen wäre, Miete zu verlangen, als den PS-Unsinn zu subventionieren.
Temporäres Phänomen
Die Rückkehr nach Hause hat etwas mit der Konjunktur zu tun und auch damit, dass es zwischen den Generationen harmonischer zugeht als Ende der 1960er-Jahre. Die Rückkehr nach Haus ist aber kein Charakteristikum der Millennials, sagt Professor Jason Houle, der das Bumerang-Phänomen erforscht. Kinder, die nach Hause zurückkehren, würden oft als faul oder missraten verurteilt, sagt er. Dabei sei das ein altes Vorurteil, dass sich nicht durch Daten stützen lassen.
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Die meisten Bumerang-Kinder blieben nur für kurze Zeit. "Die meisten Menschen, die vor der Haustür ihrer Eltern landen, bleiben ein oder zwei Jahre." Sie bräuchten die Zeit, um nach einer Krise wieder auf die Beine zu kommen.
Bootcamp für Finanzwesen
Auch in der Krise empfiehlt Beraterin Kim Luu-Tu, die Miete nicht nach den Kosten auszurichten, sondern einen Prozentsatz des Einkommens zu nehmen. Das kann zwischen 10 bis 30 Prozent liegen. Was auch bei 30 Prozent immer noch billig wäre, weil damit alle Wohnkosten bis hin zu Internet und Strom abgegolten sind. Steckt der Nachwuchs in finanziellen Schwierigkeiten, sollten sich die Eltern nicht scheuen, sich einzumischen und mitzuentscheiden, wie Ausgaben (Kfz-Versicherung, Krankenversicherung und Kredite) bezahlt werden sollen. Für Europäer klingt das nach Bevormundung, doch die Mittel- und Oberschicht in den USA schwört auf das Konzept "Helikoptereltern".
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Kim Luu-Tu hält wenig von der "Pension Mama" mit mit dem Rundum-Sorglos-Service. Zu den grundlegenden Aufgaben jedes Mitbewohners gehöre es, die Räume sauber zu halten und sich um Wäsche und Geschirr zu kümmern. Und dazu andere Aufgaben im Haus zu übernehmen. Selbst für die Frage, was geschehen soll, wenn die Miete nicht bezahlt werden soll, müsse geklärt sein.
Miete kann Startkapital sein
Aus den Tipps der Finanzexpertin wird deutlich, dass sie den Aufenthalt bei den Eltern vielleicht nicht als Strafkolonie ansieht, aber doch als Nachschulung in Sachen Finanz-Verantwortung.
Im "WSJ" gibt ihr das Paar Hantjis aus Washington, D. C., recht. Jedes ihrer drei Kinder strandete zwischendurch ein paar Jahre wieder im elterlichen Hafen. Hilfe war für die Eltern selbstverständlich. "Sie wurden in einer Militärfamilie groß, die immer umherzog. Wir hatten kaum andere dauerhafte Beziehungen", so die Hantjis. "Unsere Philosophie war es immer, dass wir uns aufeinander verlassen können." An Miete dachten sie nicht. Sie konnten es sich leisten, alle finanziell zu unterstützen. Aber: "Im Nachhinein würde ich mir wünschen, dass wir ihnen die Miete in Rechnung gestellt hätten."
Die Miete hätte den Kindern geholfen, sich auf das "echte Leben" vorzubereiten. Außerdem wäre es ein Startkapital gewesen. "Wir hätten ihnen das Geld beim Auszug zurückgegeben."
Quelle: WSJ
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