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Vermietung an Asylbewerber: Kann ich Flüchtlinge aufnehmen und was muss ich beachten?

Der Winter kommt und viele Flüchtlinge brauchen ein Dach über dem Kopf. Wer privaten Wohnraum anbieten will, kann Abhilfe schaffen. Diese Dinge gilt es dabei zu beachten.

Turnhallen, Zelte, Container - angesichts des drohenden Winters wird alles als Flüchtlingsunterkunft genutzt, was die Behörden auftreiben können. Am liebsten würden die Geflüchteten natürlich in einer ganz normalen Wohnung wohnen. Aber selbst die, die schon ein paar Monate hier sind und sich eine eigene Bleibe suchen dürften, hocken oftmals noch in Massenunterkünften fest, weil sie keine Wohnung finden - und blockieren wiederum Plätze für Neuankömmlinge.

Wer privaten Wohnraum zur Verfügung stellt, kann helfen, die Wohnungsnot zu entschärfen. Aber wie kann man eigentlich einen Flüchtling aufnehmen und was muss man dabei beachten? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich Flüchtlinge aufnehmen will?

Wer gezielt an Flüchtlinge vermieten will, sollte sich an die zuständige Behörde in seiner Stadt oder Gemeinde wenden. Der richtige Ansprechpartner, meist die Sozial- oder Wohnungsämter, lassen sich über die Onlineseiten der Stadt ermitteln. In einigen Städten sind auch Sozialverbände oder private Flüchtlingsinitiativen aktiv, die man direkt ansprechen kann.

Kann ich selbst bestimmen, wer einzieht?

Die Städte und Gemeinden nehmen das Angebot in ihre Wohnungsbörse auf und schlagen dem Vermieter potentielle Mieter vor. Das sind in der Regel Flüchtlinge, deren Asylantrag bereits Erfolg hatte, teilweise aber auch Flüchtlinge im laufenden Asylverfahren. Wie auf dem normalen Wohnungsmarkt gilt: Der Vermieter kann frei entscheiden, an wen er vermietet. Ist der Vertrag zustande gekommen, hat der Flüchtling aber selbstverständlich auch Mieterrechte und ist nicht von der weiteren Gnade des Vermieters abhängig. Wer keine Erfahrung als Vermieter hat, sollte sich daher grundsätzlich schlau machen, welche Rechte und Pflichten er hat.

Kann ich auch ein Zimmer untervermieten?

Grundsätzlich ja. Wer ein Zimmer im eigenen Häuschen anbieten will, kann dies mit einem Untermietvertrag regeln. Ein Spezialfall sind Einliegerwohnungen, hier sollte man sich zu den Formalia beraten lassen, etwa vom Eigentümerverband Haus und Grund. Sofern man selbst nur Mieter der Wohnung ist, muss vom Vermieter eine Erlaubnis zur Untervermietung eingeholt werden. Die Initiative "Flüchtlinge willkommen" hat sich darauf spezialisiert, WG-Zimmer zu vermitteln. Auf der Homepage kann man sein freies Zimmer anbieten und nach einem Flüchtlingsmitbewohner suchen. 

Wie groß muss die Wohnung sein?

Die Wohnung muss groß genug zum Leben sein. Was das heißt, ist nicht einheitlich geregelt. Für Berlin gibt es eine Übersicht des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks, die besagt, dass zwei Personen mindestens 30 Quadratmeter haben müssen. In Düsseldorf beispielsweise gelten 50 Quadratmeter für eine Person und jeweils 15 Quadratmeter zusätzlich für jede weitere Person als angemessen.

Wer bezahlt die Miete?

Wenn der Flüchtling auf Sozialleistungen angewiesen ist, zahlt das Amt Wohnung und Heizkosten. In der Regel sind das die Jobcenter oder Sozialämter. Das bedeutet auch, dass nicht jeder Preis gezahlt wird, sondern nur die Höchstsätze der jeweiligen Kommune. Der Mieter kann eine Abtretungserklärung unterschrieben, sodass die Miete direkt von der Behörde überwiesen wird. Jobcenter und Sozialämter zahlen in der Regel auch Zimmer zur Untervermietung.

Muss ich die Mieteinnahmen versteuern?

Das Finanzamt gewährt für die Vermietung an Flüchtlinge keine speziellen Steuervorteile. Die Mieterlöse sind als Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung einkommensteuerpflichtig. Bei Verträgen bis zu sechs Monaten fällt zudem Umsatzsteuer an, bei langfristigen Verträgen ist das nicht der Fall. Auch Einnahmen aus Untervermietung müssen in der Steuererklärung angegeben werden. Steuerpflichtig ist aber nur der Gewinn aus der Untervermietung. Das heißt: Ausgaben, wie die Miete, die man selbst zahlt, können (anteilig für den untervermieteten Raum) von den Einnahmen abgezogen werden, sodass nicht viel steuerpflichtiger Gewinn übrig bleibt.

Muss ich meine Versicherungen anpassen?

Der Eigentümerverband Haus und Grund steht auf dem Standpunkt, dass man seine Policen, etwa die Wohngebäudeversicherung, nicht anpassen muss. Auch der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) sagt, dass Vermieter über die Herkunft der Mieter keine Auskunft geben müssen. Flüchtlinge wären demnach zu behandeln wie jeder andere Mieter auch. Allerdings: Laut Versicherungsvertragsgesetz müssen Hausbesitzer eine "erhebliche Gefahrenerhöhung" mitteilen. Versicherer könnten die Unterbringung von Flüchtlingen als Gefahrenerhöhung werten, etwa weil sie Brandanschläge befürchten - so makaber das klingt. Immerhin: Bei einer Umfrage der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz erklärten 53 von 73 Wohngebäudeversicherern, dass sie die Prämie nicht erhöhen würden, wenn Flüchtlinge in Privatwohnungen untergebracht werden.

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