HOME

Prora auf Rügen: Wie ein hässlicher Nazi-Klotz zur Geldanlage wird

Ein Nazi-Bau, hässlich, riesig – Prora auf Rügen galt als unsanierbar. Doch nun kann man dort wohnen. Oder Geld anlegen.

Von Holger Witzel

Nazi-Bau Prora wird zur „Wohlfühloase“

Wenn das der Führer wüsste! Der kleine schadenfrohe Gedanke schwingt immer noch mit, wenn Mike und Andreas freitags ihre Ferienwohnung in Block 2, Aufgang 35 aufschließen. Schließlich soll es Hitlers persönliche Vision gewesen sein, dass hier einmal 20.000 gesunde Volksgenossen gleichzeitig in winzigen Zwei-Bett-Zellen Kraft durch Freude tanken. Nun machen sich dort fast jedes Wochenende zwei schwule Männer und ihre französische Bulldogge auf 74 luxussanierten Quadratmetern breit.

Andreas würde gern noch ein groß aufgezogenes Foto von Leni Riefenstahl aufhängen. Deren Film "Triumph des Willens" wurde 1937 auf der gleichen Weltausstellung mit einem Grand Prix ausgezeichnet wie der Gesamtentwurf für das Urlaubsmonster Prora auf Rügen. Zu der nackten Stahlbetondecke und dem echten Zebrafell würde das sogar passen. Mike jedoch ist nicht überzeugt: Man dürfe es mit diesen Anspielungen auch nicht übertreiben. Und genau das ist die Frage: Ist Prora nur noch Ironie der Geschichte oder schon ihr Triumph?

"Vor allem ist es nah", sagt Mike, 47. Er arbeitet in Stralsund als Chirurg, sein Lebensgefährte Andreas, 50, ist da Richter. Keine Stunde brauchen sie mit dem Auto bis in ihre Zweitwohnung, von dort keine zwei Minuten bis zum Strand. "Keine Sekunde" , sagen beide, "haben wir den Kauf bisher bereut."

Ist Prora nur noch Ironie der Geschichte oder schon ihr Triumph?

Vor zwei Jahren gehörten sie zu den ersten Bewohnern der Anlage, die erst jetzt – 80 Jahre nach Baubeginn – nach und nach fertig wird. Und wenn die Presslufthämmer schweigen und die Tagestouristen weg sind, wenn schönes Wetter ist und die Fantasie auch noch alle anderen historischen und wirtschaftlichen Wenns und Abers überflügelt, kann man sich langsam sogar vorstellen, was bisher nur Makler und Prospekte versprachen.

Projektnamen wie "Neues Prora" oder "Prora Solitaire" sollen den Nazi-Plan von einem gigantischen Seebad in "Wohlfühloasen" verwandeln. Die Blöcke 1 und 2 sind fast fertig und verkauft. Viele Ferienwohnungen werden wie ein Hotel betrieben. "Rundum sorglos"-Pakete mit Sauna, Einbauküche und – darauf setzte das Marketing vor allem – "mit bis zu hundert Prozent Denkmal-Afa auf begünstigte Sanierungskosten". Prora, so wirkt das, schreibt seine Geschichte von der Steuer ab. Mit Quadratmeterpreisen zwischen 4000 Euro und 7000 Euro heilt der Kapitalismus am Ende alle Wunden.

Glaubt man den Verkäufern vor Ort, ist das Interesse aus Anlagenot und Begeisterung für Historie und Lage am "schönsten Strand von Rügen" seit zwei Jahren enorm. Tatsächlich drängeln sich jeden Sommer Tausende Besucher durch Musterwohnungen, unter ihnen viele Neugierige, die an Tagen ohne Strandwetter nicht wissen, wohin – aber auch echte Interessenten, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld. "Manche kaufen, ohne hier gewesen zu sein", sagt Manfred Hartwig, einer der Chefmakler vor Ort. Familie Schulz aus Schleswig-Holstein denkt trotzdem noch nach. Vor allem die Mietversprechen von "150 bis 200 Tage Belegung" im Jahr scheinen ihnen recht hoch. "Man muss in diesen Zeiten ja sehen, wie man sein Geld in Sicherheit bringt." Doch als Geldanlage ist das "Seebad mit Geschichte" zumindest umstritten.

"Seebad mit Geschichte"

Deutsche Bank und Commerzbank lehnten Finanzierungen in Prora von Anfang an ab – ebenso eine Begründung dafür. Möglicherweise ist der Wiederverkaufswert doch nicht mehr so "exklusiv" , wenn erst mal alles fertig ist und die Denkmalsteuererleichterung nicht mehr lockt. Immerhin bestand das "längste Gebäude der Welt" aus insgesamt acht Blöcken mit knapp 500 Meter Länge und sechs Etagen, die sich an der Prorer Wiek nördlich von Binz in einem leichten Bogen an die Ostküste von Rügen schmiegen. Es ist und bleibt ein Ghetto am Strand, wie es sich nur Faschisten ausdenken konnten, und wirkt selbst halb fertig und mit Glasbalkonen, für die sich die Denkmalschützer dem Druck der Investoren beugten, wie eine Art Marzahn am Meer.

Von Binz aus werden die Blöcke Richtung Norden gezählt. Das Bundesvermögensamt verkaufte sie ab 2004 für je etwa 350.000 Euro. Nach wenigen Jahren wechselte Block 1 schon für 2,75 Millionen den Besitzer. Während Block 1 im Ganzen saniert und zurzeit noch verputzt wird, ist Block 2 bis auf einen Aufgang fertig. Vereinzelt leben auch ganz normale Leute darin – wie etwa Familie Münch mit ihren zwei Kindern. Anne, 34, arbeitet in einem Hotel in Binz. Ihr Mann Michael, 42, stammt ebenfalls von Rügen und findet die Mieten mit etwa zehn Euro pro Quadratmeter "fast moderat". Normaler Wohnraum ist knapp auf Rügen. "Es wird ja sonst alles an Urlauber vermietet."

Gerüchten zufolge hätten sich auch Scheichs, etliche Russen und Griechen in Prora eingekauft. Aber dem widerspricht Manfred Hartwig. "Alles rein deutsch", sagt er augenzwinkernd, "selbst die Markengeräte der Einbauküchen."

"Größenwahn zieht Größenwahn an"

Alles dreht sich ständig um den ironischen Grusel der Geschichte, um ihn gleichzeitig Geschichte werden zu lassen. Dabei hat in Prora – bisher jedenfalls – kein einziger Nationalsozialist Urlaub gemacht, das taten lediglich Offiziere der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR und ihre Familien. Nach Kriegsende wurde Prora zunächst als Kaserne der Volkspolizei und dann für die NVA ausgebaut. Insgesamt Tausende Bausoldaten, die in der DDR den Dienst mit der Waffe ablehnten und stattdessen beim Bau des nahe gelegenen Fährhafens Mukran schuften mussten, waren hier untergebracht. Nebenan wurden Militärkader aus befreundeten Ländern der Dritten Welt ausgebildet; bis 1980 auch Fallschirmjäger der NVA.

Heute verkauft einer deren Offiziere als Makler das ehemalige DDR-Volkseigentum, das ursprünglich allen NS-Volksgenossen gehören sollte. Die Steuererleichterungen der Denkmalkäufer finanziert wiederum der Rest des heutigen Volkes mit. Allerdings nicht für alle: Ein entfernter Verwandter von Robert Ley, dem Chef der Deutschen Arbeitsfront und damit des ursprünglichen Bauherren, der NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude", durfte hier angeblich nichts kaufen.

Laut Makler Hartwig wurde er aufgrund der sogenannten Naziklausel abgewiesen, die alle Kaufverträge enthalten. Darin verpflichten sich die Erwerber, "dass eine Nutzung durch nationalistische und neofaschistische Kräfte ausgeschlossen ist".

Bei Block 3 stritten sich die neuen Eigentümer erst mal lange, wem überhaupt welcher Teil gehört. Inzwischen hängen Schilder für ein "Ferien- und Freizeitzentrum" mit zusätzlichen Strandresidenzen auf der Landseite. Hundert Millionen Euro sollen hier verbaut werden.

"Proradies"

"Größenwahn zieht Größenwahn an", sagt Klaus Böllhoff. Ihm ging es selbst so, als er vor 15 Jahren mit anderen Künstlern kam, um "das Monströse künstlerisch aufzulösen" . Ihr "Proradies" scheiterte nicht nur an der Verdrängung durch Investoren. "Der Bau verlangt mehr, als er gibt", sagt der Maler. "Eigentlich habe ich nie Kraft oder Inspiration gespürt."

Block 5 hatte der Landkreis Rügen vor mehr als zehn Jahren für den symbolischen Preis von einem Euro gekauft und verhandelt derzeit auch mit neuen Investoren für die maroden Aufgänge zwischen der neuen Jugendherberge und einem kleinen Abschnitt, der mit Parkplätzen, Bäumen und Spielplatz wie ein ganz normales Wohngebiet wirkt. Möglicherweise soll wenigstens hier mit dem Dokumentationszentrum Prora und seiner Dauerausstellung "Macht-Urlaub" etwas Geschichte erhalten bleiben.

Von den letzten beiden Blöcken ganz im Norden sind nur noch Ruinen übrig. Eine Liechtensteiner Firma hat die Stahlbetongerippe 2004 für 625.000 Euro ersteigert – und bisher nur eingezäunt. Kurz davor, auf dem Gelände der Jugendherberge, verkauft Stefan Meinke im Sommer "Original American Burger". Der Rügener fände es gut, wenn Prora keine Geisterstadt bliebe oder – wie viele andere Sommerresidenzen der Insel außerhalb der Saison – würde. Für sein Geschäft war es schon traurig genug, als die zeitweise in der Jugendherberge untergebrachten Asylbewerber wieder auszogen. Afrikaner und amerikanische Burger – wenn das der Führer wüsste!

Life Hacks: 5 praktische Tipps für den nächsten Urlaub
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(