Italien Qualitätsschutz "made in Italy"


Wenn es um ihre gute Küche geht, verstehen Italiener keinen Spass. Mit Argusaugen verfolgen sie die "Klon-Produktion" ihrer traditionellen Spezialitäten in anderen Ländern - und wissen sich erfolgreich zu wehren.

Mit Gütesiegeln, Lobbys und Konsortien: Was die gute Küche betrifft, da sind die Italiener eigen. Mit Argusaugen verfolgen sie die "Klon-Produktion" ihrer traditionellen Spezialitäten in anderen Ländern. Wenn die kulinarischen Traditionen konkret bedroht sind, suchen sie sich Gleichgesinnte und gründen ein Konsortium. Und wenn die Kommission in Brüssel entscheidet, wieder einmal ein Produkt "made in Italy" als Ursprungsbezeichnung zu schützen, ist das für viele wie ein persönlicher Sieg über Fälschung und Verpanschung. Seit neuestem ist auch die "Pizza Napoletana" eine "specialitá tradizionale garantita" (STG) - eine garantiert traditionelle Spezialität. Und nicht nur bei Lebensmitteln, sondern zunehmend auch im Handwerksbereich versucht der Stiefel-Staat, die Qualität der Produkte durch Gütesiegel zu sichern.

Käse-Krieg und Schinken-Kampf

Schon 1996 erließ die Kommission eine Verordnung zur Eintragung geographischer Angaben und geschützter Ursprungsbezeichnungen. Viele Lebensmittel erhielten die gesetzlich anerkannte DOP-Bezeichnung (Geschützte Herkunftsbezeichnung), darunter die Käse-Sorten "Grana Padano" und "Parmigiano Reggiano" sowie der Schinken "Prosciutto di Parma". Die Waren müssen demnach nicht nur im Erzeugungsgebiet produziert, sondern auch dort gerieben, aufgeschnitten und verpackt werden. Bis heute haben rund 30 Käsesorten den offiziellen Qualitätsschutz erhalten - und damit Absatzergebnisse erzielt, die im Ausland Neid erzeugen.

Ähnliche Regeln gibt es seit neuestem auch für italienische Keramik-Erzeugnisse, die mittlerweile per Gesetz geschützt sind. Seit 2003 unterstützt die italienische Regierung im Rahmen eines Projektes mit dem Namen "ACTA" den Sektor mit 2,5 Millionen Euro pro Jahr, um vor allem die durch billige Klon-Produkte ausgelöste Krise zu überwinden.

Italienischer Name, aber made in China

"Bei den Projekten und Verordnungen geht es aber nicht nur darum, finanziellen Einbußen durch Billig-Produkte vorzubeugen, sondern hauptsächlich um die Wahrung der Qualität", brachte es jüngst ein Experte bei einer Keramik-Schau in Genua auf den Punkt. Sonst verlieren viele Erzeugnisse, die italienische Namen tragen, aber billig in China oder Vietnam hergestellt sind, früher oder später Ansehen und Image.

Auch das weltweit erste gesetzliche Dokument, das eine Delikatesse vor Nacheiferern schützen sollte, stammt aus Italien: Bereits im Jahr 1716 definierte das Großherzogtum Toskana unter Cosimo III. erste Grenzen für Weinanbaugebiete in Europa, darunter das Anbaugebiet des Chianti. Jedoch wurde noch Jahrhunderte lang "falscher" Chianti produziert, bis der Rotwein 1984 in die DOCG-Klassifizierung avancierte, eine Spitzenkategorie der italienischen Weine (Denominazione di Origine Controllata e Garantita = kontrollierte und garantierte Herkunftsbezeichnung). Die Bezeichnung reguliert neben den zugelassenen Rebsorten unter anderem auch das Alter der zur Ernte freigegebenen Rebstöcke.

Gütesiegel für Tomaten, Prosecco und Pizza

Die Liste der geschützten italienischen Artikel ist lang und reicht von den saftigen Tomaten Marke "San Marzano" über den Prosecco di Valdobbiadene bis zum pikanten Caciocavallo-Käse aus der Sila in Kalabrien. Gesellt sich eine neue Spezialität hinzu, wird das oft auch in der Presse euphorisch gefeiert. Wie jüngst bei der traditionellen "Pizza Napoletana": Seit vier Jahren hatten italienische Minister und Vereinigungen neapolitanischer Pizzabäcker um das Siegel "STG" gekämpft - und endlich Recht bekommen.

Einer neuen Verordnung aus Brüssel zufolge müssen für die Herstellung der echten "Pizza Napoletana" nicht nur präzise Zutaten wie Mehl, Öl, Mozzarella und Tomaten verwendet werden. Auch bei den Koch-Instrumenten - wie Ofen oder Rühr-Löffel - und den Back-Techniken gibt es genaue Vorgaben, damit die Pizza "echt" ist. "Endlich werden die Regeln, die wir uns bisher freiwillig selbst auferlegt haben, auch schriftlich festgelegt. Jetzt gibt es präzise Kontrollen für diejenigen, die das Garantiezeichen für echte neapolitanische Pizza verwenden wollen", freut sich Antonio Pace, Präsident einer kampanischen Pizza-Genossenschaft.

Carola Frentzen, dpa DPA

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