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Ärztestreik: "Nicht über den Tisch ziehen lassen"

Eigentlich könnte mit der Tarifeinigung im Öffentlichen Dienst auch der Streik der Ärzte zu Ende sein. Doch der Marburger Bund verlangt einen eigenen Vetrag und hat eine Fortsetzung des Arbeitskampfs in Kliniken angekündigt.

Die Ärzte an Universitätskliniken wollen ihren Streik auch in der kommenden Woche fortsetzen - allerdings in abgeschwächter Form. "Wir wollen uns den Patienten widmen, deren Operationen verschoben worden sind", sagte der Sprecher des Marburger Bundes, Athanasios Drougias. Die Entscheidung für die Fortsetzung des wochenlangen Streiks sei als Reaktion auf den Tarifabschluss zwischen Verdi und den öffentlichen Arbeitgebern vom Freitag in Potsdam zu verstehen. "Dieser ärztefeindliche Tarifvertrag kann für uns keine Grundlage sein", sagte Drougias.

Marburger Bund will eigenen Tarifabschluss

Der Marburger Bund verlangt einen eigenen Vertrag, bessere Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter für die Ärzte an Unikliniken und Landeskrankenhäusern. Der Verhandlungsführer der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Hartmut Möllring (CDU), und Verdi-Chef Frank Bsirske gehen davon aus, dass nach dem Potsdamer Tarifergebnis für den öffentlichen Dienst auch der Konflikt mit den Uni-Klinikärzten beigelegt ist.

"Dies ist ein Vertrag zu Lasten der Akademiker und zu Gunsten der Schwestern und Pfleger", kritisierte Drougias. "Wir werden uns nicht von Möllring und Bsirske über den Tisch ziehen lassen." Für die darauf folgende Woche kündigte Drougias eine Verschärfung des Streiks an, sollte Möllring den Ärzten nicht entgegenkommen.

Mehr als dreimonatiger Streik beendet

Nach 14 Wochen mit teils massiven Streiks im öffentlichen Dienst der Länder wurde gestern (Freitag) einer der schwierigsten Tarifkonflikte in Deutschland beigelegt. Gewerkschaften und Arbeitgeber einigten sich in Potsdam nach zweitägigen Verhandlungen auf einen neuen Tarifvertrag für die Bediensteten in 14 Bundesländern außer Hessen und Berlin. Von 93 anwesenden Mitgliedern der Verdi-Tarifkommission stimmten am Samstag in Potsdam 75 für die Abmachung, 13 dagegen, fünf enthielten sich. In einer Urabstimmung werden jetzt noch die Verdi-Mitglieder befragt - ein Ja gilt als sicher. Auch die Tarifkommission der Tarifunion des Beamtenbundes (dbb) stimmte zu.

Der vom 1. November an geltende Vertrag betrifft 780.000 der 900.000 Landesbeschäftigten. Für die Gewerkschaften war besonders wichtig, dass die Wochenarbeitszeit im Westen unter 40 Stunden bleibt. Die Arbeitgeber zeigten sich mit der zunehmenden Flexibilität zufrieden.

In der besonders strittigen Arbeitszeitfrage verständigten sich die Tarifpartner auf einen komplizierten Kompromiss. Viele müssen künftig länger arbeiten - bei anderen wird sich die Arbeitszeit verkürzen. Im Osten bleibt es bei der 40-Stunden-Woche. 2006 und 2007 gibt es Einmalzahlungen, 2008 erstmals wieder eine lineare Tariferhöhung von 2,9 Prozent.

DPA / DPA