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Ärztestreik: Aus, Ende, vorbei

Auf einer Marathonsitzung, die mehr als 30 Stunden dauerte, haben sich die Verhandlungsführer geeinigt: Die 70.000 Ärzte an kommunalen Kliniken erhalten künftig deutlich mehr Lohn. Fraglich ist, ob kleine, finanzschwache Krankenhäuser diese Mehrbelastung überleben.

Der erste eigene Tarifvertrag für die rund 70.000 kommunalen Klinikärzte steht. Nach fast acht Wochen Streik tausender Mediziner erzielten Arbeitgeber und Ärztegewerkschaft Marburger Bund am Donnerstag in Düsseldorf eine Einigung. Das teilten die Verhandlungsführer beider Seiten nach einer mehr als 30-stündigen Sitzung mit. "Es war ein langer, harter, steiniger Weg", sagte der Verhandlungsführer der Ärzte, Lutz Hammerschlag.

Nach Angaben des Marburger Bundes liegt die Gehaltstabelle auf dem Niveau des Abschlusses für Ärzte an Universitätskliniken. Im Vergleich zu den Vereinbarungen der Arbeitgeber mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi seien deutliche Lohnsteigerungen vereinbart worden. Ein Facharzt verdiene im Schnitt rund vier Prozent mehr als bei der Verdi-Einigung, ein Assistenzarzt erhalte durchschnittlich über drei Prozent mehr.

Nur noch maximal 18 Stunden am Stück arbeiten

Die Gehaltsspanne reicht künftig von 3420 Euro im Monat für einen Arzt in der niedrigsten Einkommensstufe bis zu 6500 Euro für einen leitenden Oberarzt. Die Ärzte in den neuen Bundesländern erhalten zunächst 95,5 Prozent dieses Tabellenentgelts, vom 1. Juli 2007 an 97 Prozent.

Der Marburger Bund habe zudem eine bessere Bezahlung der Bereitschaftsdienste durchsetzen können, sagte Hammerschlag. Auch bei den Arbeitszeiten gebe es Verbesserungen. So dürften die Ärzte künftig nur noch maximal 18 Stunden am Stück arbeiten.

Existenzfrage für Kliniken

Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Otto Foit, sagte: "Es ist heute kein wirklich guter Tag für die Kliniken. Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass der uns aufgezwungene Kompromiss für manche Klinik die Existenzfrage verschärfen wird." Außerdem liege das Volumen des Abschlusses unter dem Tarifvertrag, den der Marburger Bund für die Universitätskliniken und Landeskrankenhäuser abgeschlossen hat.

Mit der Einigung geht eine der langwierigsten Tarifauseinandersetzungen in Deutschland zu Ende. Immer wieder hatten die Ärzte in den vergangenen Wochen ihre Arbeit niedergelegt und waren für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gegangen.

DPA / DPA