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Die Morgenlage Normalbetrieb an Schulen? Gewerkschaften und SPD-Chefin haben große Zweifel

Monatelang leere Schulen - das schadet laut Wissenschaftlern vor allem Kindern aus finanziell schwachen Familien. In Dresden wurde am Montag eine entsprechende Studie vorgestellt, von Wieland Kiess, dem Direktor der Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig: O-TON WIELAND KIESS, DIREKTOR KLINIK UND POLIKLINIK FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN AM UNIVERSITÄTSKLINIKUM LEIPZIG ("Also, wenn wir es uns leisten, Kinder ein halbes Jahr, ein Jahr, je länger, das geht, nicht in die Schule gehen zu lassen, werden wir den Kindern, die sowieso wenig an Bildung teilnehmen und Teilhabe haben, massivst schaden. Und ich glaube, kein Land, zumal nicht die Bundesrepublik Deutschland, die auf Bildung besteht, Ausbildung besteht, kann es sich erlauben und leisten, auch wirtschaftlich im übrigen, eine ganze Generation nicht zu bilden. Also, da ist meine Antwort, aber das ist natürlich nicht belegbar, sondern nur gesunder Menschenverstand, dass möglicherweise die Konsequenzen von einer langen Schulschließungen, flächendeckenden Schulschließungen, enorm sein würden.") Laut Studie betrifft "Corona" nicht alle gleichermaßen, sondern ist die Situation vor allem für Familien schwierig, die in beengten Verhältnissen leben und über relativ wenig Ressourcen verfügen. Auch hätten sich die Schulschließungen negativ auf den Umgang mit Kindesmisshandlungen ausgewirkt, da offenbar vieles "unter dem Radar" gelaufen sei.
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Gewerkschaften und SPD zweifeln an Rückkehr zu Regelbetrieb an Schulen +++ Deutsche Fußball-Liga entscheidet über Maßnahmen zur Fan-Rückkehr in die Stadien +++ Hurrikan "Isaias" trifft an US-Ostküste auf Land +++ Die Nachrichtenlage am Dienstag.

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

in den ersten Bundesländern gehen in dieser Woche die Sommerferien zu Ende – wie geht es an den Schulen weiter angesichts wieder steigender Coronavirus-Infektionen? Unter Gewerkschaftern ist man sich sicher: Eine Rückkehr zum Normalbetrieb ist nicht möglich. Das meint auch SPD-Chefin Saskia Esken. Täglich stecken sich derzeit deutlich mehr als 800 Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus an.

Die Schlagzeilen zum Start in den Tag

Wir haben für Sie zusammengefasst, was in der Nacht passiert ist:

Gewerkschaften und SPD zweifeln an Rückkehr zu Regelbetrieb an Schulen

Angesichts der anhaltenden Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland haben SPD und Gewerkschaften massive Zweifel an der Rückkehr zum Regelunterricht geäußert. "Ich halte die Rückkehr zur gewohnten Normalität an den Schulen für eine Illusion und die Aufgabe von Abstandsregeln für sehr problematisch", sagte SPD-Chefin Saskia Esken der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft. Auch die Gewerkschaften VBE und GEW warnten zum Schuljahresbeginn vor den gesundheitlichen Risiken eines Normalbetriebes.     

Nötig seien Unterrichtskonzepte, "die die Kontakte beschränken", forderte Esken mit Blick auf den teilweise geplanten Verzicht auf bestimmte Schutzmaßnahmen an den Schulen. Geteilter Unterricht, zu dem beispielsweise für Sport, oder Fremdsprachen verschiedene Gruppen zusammenkommen, müsse in Zeiten des Coronavirus anders organisiert werden. "In dieser Situation muss man vielleicht die Wahlmöglichkeiten einschränken."

879 neue Corona-Infektionen in Deutschland

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 879 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Seit Beginn der Coronakrise haben sich somit mindestens 211.281 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI am Dienstagmorgen im Internet meldete (Datenstand 4.8., 0 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9156. Bis Dienstagmorgen hatten 194.000 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Marburger Bund sieht Deutschland bereits von zweiter Corona-Welle erfasst

Eine vielfach befürchtete zweite Corona-Welle hat Deutschland nach Einschätzung des Ärzteverbandes Marburger Bund bereits erfasst. "Wir befinden uns ja schon in einer zweiten, flachen Anstiegswelle", sagte die Vorsitzende Susanne Johna der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstagsausgabe). Zugleich versicherte sie, dass die Krankenhäuser darauf vorbereitet seien.

Anders als bei der ersten Welle sollten Krankenhausbetten diesmal allerdings nicht pauschal, sondern am Bedarf orientiert freigehalten werden, sagte Johna. "Weil sich das Pandemie-Geschehen langsam aufbaut, müssen wir für Covid-19-Patienten gestuft Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen." Es müsse also eine zeitliche Staffelung der sogenannten Vorhaltung an Betten geben.

Studie: Zahl der Corona-Infizierten in Italien wohl deutlich höher

Das Coronavirus könnte in Italien einer Studie zufolge sechs Mal stärker verbreitet sein als bekannt. Das Gesundheitsministerium und das Statistikamt Istat veröffentlichten am Montag eine Auswertung, nach der knapp 1,5 Millionen Menschen im Land Antikörper gegen das Virus entwickelt haben, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Das entspreche rund 2,5 Prozent der Bevölkerung. In Italien leben rund 60 Millionen Menschen.

Hurrikan "Isaias" trifft an US-Ostküste auf Land

Wirbelsturm "Isaias" ist im US-Bundesstaat North Carolina auf Land gestoßen. Der Hurrikan traf in der Nacht mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern nahe der Küstenstadt Ocean Isle Beach auf Land, wie das Nationale Hurrikanzentrum der US-Klimabehörde NOAA auf Twitter mitteilte. Das entspricht einem Hurrikan der Stufe eins, der niedrigsten Kategorie. Das Wetteramt warnte die Bewohner der betroffenen Gebiete vor Sturmfluten, Überschwemmungen und gefährlich starken Winden.

Was heute wichtig wird

Das sind die wichtigsten Themen und Termine des Tages:

DFL entscheidet über Maßnahmen zur Fan-Rückkehr in die Stadien

Die außerordentliche Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga wird ab 11 Uhr über einheitliche Maßnahmen für eine eingeschränkte Rückkehr von Zuschauern in die Stadien der 1. und 2. Bundesliga entscheiden. Dazu hat die DFL einen Leitfaden erstellt, der ein Stehplatz- und Alkoholverbot bis zum 31. Oktober vorsieht. Zudem sollen keine Gästefans in den Stadien bis zum Jahresende erlaubt werden. Damit soll das Infektionsrisiko in der Corona-Pandemie verringert werden.

AfD-Landtagsfraktion berät über politische Zukunft von Kalbitz

Nach dem Rauswurf des ehemaligen AfD-Landeschefs Andreas Kalbitz aus der Partei kommt die brandenburgische AfD-Landtagsfraktion ab 10 Uhr zu einer Sondersitzung zusammen. Kalbitz möchte trotz der Annullierung seiner Parteimitgliedschaft durch das Bundesschiedsgericht der AfD Fraktionschef bleiben. Das wäre möglich, weil die Fraktion für ihn bereits nach dem Beschluss des Bundesvorstands die Geschäftsordnung geändert hat. Vize-Fraktionschef Steffen Kubitzki hatte allerdings nach der Bestätigung des Rauswurfs gesagt, über die Konsequenzen müsse beraten werden, damit die Partei nicht weiter Schaden nehme. 

Urteil im Prozess um getöteten Auerhahn erwartet

Im Prozess um den gewaltsamen Tod eines Auerhahns am Feldberg im Schwarzwald wird ein Urteil erwartet. Angeklagt sind zwei 21 und 23 Jahre alte Männer. Sie sollen im vergangenen August am Rande eines Volksfests den streng geschützten Vogel erschlagen haben. Das Töten eines Tieres ohne vernünftigen Grund ist laut Tierschutzgesetz verboten. Die Tat hatte überregional Bestürzung hervorgerufen.

Bundeswehr entsendet am Dienstag Fregatte vor libysche Küste 

Die Bundeswehr will heute eine Fregatte vor die libysche Küste entsenden, um die Einhaltung des UN-Waffenembargos gegen das Bürgerkriegsland zu überwachen. Die Fregatte "Hamburg" soll nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums von Wilhelmshaven aus mit 250 Crewmitgliedern an Bord auslaufen und zwei Wochen später ihr Einsatzgebiet im Mittelmeer erreichen.

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Ihre stern-Redaktion

wue / anb DPA AFP

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