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Arbeitsmarkt: Hundt: Mehr Ausbildungsplätze anbieten

Arbeitgeberpräsident Hundt hat an die Wirtschaft appelliert, angesichts der zugespitzten Lage am Lehrstellenmarkt mehr Ausbildungsplätze anzubieten. Ministerin Bulmahn kündigte ein 'Bündnis für Ausbildung' an.

"Ich werbe bei den Unternehmen, alle Möglichkeiten zum Erhalt und zur Schaffung von Ausbildungsplätzen auszuschöpfen. Insbesondere sind bisher nicht ausbildende Betriebe gefordert, jungen Menschen eine Chance zu bieten", sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt in einem dpa-Gespräch in Berlin. Die Unternehmen könnten mit Unterstützung der Verbände und der Bildungswerke der Wirtschaft rechnen.

Gewerkschaften in die Pflicht nehmen

Jedoch müssten sich auch die Gewerkschaften in die Pflicht nehmen lassen. "In ihrer Hand liegt es, die Ausbildungsvergütungen zu Gunsten von mehr Ausbildungsplätzen einzufrieren sowie tariflichen Öffnungsklauseln bei der Ausbildungsvergütung zuzustimmen: Beides gibt zusätzliche Spielräume für die Betriebe zur Schaffung oder zum Erhalt von Lehrstellen." Ausbildung müsse Priorität vor Übernahme erhalten.

58.000 Ausbildungsstellen weniger

Die aktuelle Ausbildungsplatzsituation nannte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände "Besorgnis erregend": Derzeit seien 58.000 weniger Lehrstellen zum Beginn des Ausbildungsjahres im Herbst 2003 gemeldet als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. "Es bedarf dringend einer gemeinsamen Anstrengung aller Beteiligten, um die Lage zu entschärfen. Politik, Gewerkschaften Wirtschaft - jeder ist gefordert, um alle Reserven zu mobilisieren, die bislang noch nicht genutzt sind."

Rahmenbedingungen unbedingt verbessern

Dazu gehöre auch, die politischen Rahmenbedingungen für die Ausbildung zu verbessern und die Freiräume für die ausbildenden Betriebe zu erweitern. Angesichts der schwierigen Situation auf dem Ausbildungsmarkt kritisierte Hundt Debatten, "die das bewährte duale System generell in Frage stellen", als kontraproduktiv. "Ebenso schädlich sind Drohungen mit einer Ausbildungsplatzabgabe, mit der die erfolgreiche Kultur der Freiwilligkeit beschädigt wird." Eine Zwangsabgabe leiste letztlich "nur der Abwanderung der Ausbildung aus den Betrieben Vorschub".

Bulmahn kündigt Bündnis für Ausbildung an

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn will ein Bündnis für Ausbildung ins Leben rufen, um fehlende Lehrstellen zu beschaffen. "Die Spitzen der Arbeitgeberverbände, des DGB und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement haben ihre Teilnahme am 29. April zugesagt", sagte Bulmahn der "Bild am Sonntag". "Wir wollen uns auf Maßnahmen verständigen, um jedem Jugendlichen einen guten Ausbildungsplatz zu verschaffen." Die von Bundeskanzler Gerhard Schröder erwogene Ausbildungsabgabe spiele bei dem Treffen keine Rolle.

Mehr Suchende für weniger Plätze

Nach den Daten der Bundesanstalt für Arbeit für den März 2003 gibt es einen erheblichen Rückgang bei den gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätzen. Bundesweit wurden demnach 393.061 Ausbildungsplätze gemeldet, was im Vergleich zum März 2002 einem Rückgang um 58.476 oder 13 Prozent entspricht. Gleichzeitig ist bei den gemeldeten Ausbildungsuchenden ein leichter Anstieg im Vergleich zum März 2002 um 337 oder 0,1 Prozent auf 541.749 Ausbildungssuchende zu verzeichnen.