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Chancengleichheit: Frauen holen auf

Trotz steigender Arbeitslosigkeit ist die Erwerbstätigkeit von Frauen gestiegen. Auch ihr Zuwachs in Führungspositionen ist mittlerweile deutlich höher, obwohl hier noch Nachholbedarf besteht.

Trotz wirtschaftlicher Flaute und steigender Arbeitslosigkeit ist die Erwerbstätigkeit von Frauen seit 2001 gestiegen. Das sei einer der Erfolge der gemeinsamen Bemühungen von Bundesregierung und Privatwirtschaft zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern, sagte der BDA-Hauptgeschäftsführer Reinhard Göhner. Der Zuwachs der Frauen in Führungspositionen sei deutlich höher. Hier gebe es allerdings mehr Nachholbedarf.

Göhner und die parlamentarische Staatssekretärin im Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Christel Riemann-Hanewinckel, stellten die erste Bilanz der 2001 zwischen Regierung und Wirtschaft geschlossenen Vereinbarung zur Förderung der Chancengleichheit vor. Demnach waren 2001 insgesamt 56,9 Prozent der Frauen erwerbstätig, 2002 lag die Quote bei 58,8 Prozent. Es sei beachtlich, dass in einer Phase von Rezession und Stagnation die Zahl der erwerbstätigen Frauen um 252.000 zugenommen habe, meinte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.

In vielen Firmen ist ein Umdenken festzustellen

Riemann-Hanewinckel sagte, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf seien von Politik und Wirtschaft vorangetrieben und gefördert worden. Weitere Anstrengungen seien aber notwendig. Dies sei nicht Privatsache der Frauen. Nicht zuletzt Unternehmensleitungen und Betriebsräte stünden in der Verantwortung.

In vielen Unternehmen sei ein Umdenken festzustellen. Eine Befragung von Unternehmen habe ergeben, dass mehr als drei Viertel Arbeitszeitflexibilisierung, Teilzeit und Telearbeit anböten. Knapp 42 Prozent unterstützten ihre Mitarbeiter bei der Kinder- und über 23 Prozent bei der Angehörigenbetreuung. Die SPD-Politikerin verwies auf die Vorhaben der Bundesregierung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch den Ausbau der Betreuung von unter dreijährigen Kindern und den Ausbau von Ganztagsschulen weiter zu verbessern.

Göhner sagte, die Wirtschaft habe ein "eigenes, massives Interesse" daran, die Chancengleichheit von Frauen zu fördern. Zum einen gelte es, einem Fachkräftemangel vorzubeugen. Außerdem sei es Verschwendung von Ressourcen, wenn junge Frauen zwar ausgebildet, dann aber nicht eingesetzt würden.

Vergeudung von Kapital und Potenzial

Riemann-Hanewinckel verwies darauf, dass die schulischen und beruflichen Qualifikationen von jungen Frauen häufig besser seien als die ihrer Altersgenossen: So seien 50,6 Prozent der Studienanfänger, 56,7 Prozent der Abiturienten, 51,6 Prozent der Realschulabsolventen und 42,6 Prozent Hauptschulabsolventen Frauen. In der Beschäftigung spiegele sich dieses Qualifikations- und Leistungspotenzial aber noch nicht adäquat wider. "Die Investitionen in Bildung und Ausbildung von Frauen müssen genutzt werden, alles andere wäre eine Vergeudung von Kapital und Potenzial", sagte die SPD-Politikerin.

Beide Seiten vereinbarten, ihre Zusammenarbeit auf diesem Gebiet fortzusetzen. Unter anderem soll eine "nationale Diskriminierungsstelle" eingerichtet werden, die Beschwerden nachgeht.