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Ex-BDI-Chef Henkel: "Eine unmögliche Situation"

Sein offener Brief hat den designierten BDI-Geschäftsführer Norbert Röttgen den sicher geglaubten Job gekostet und den neuen Präsidenten Jürgen Thumann beschädigt. "Es ging um die Zukunft des BDI", rechtfertigt sich Henkel gegenüber stern.de

Herr Henkel, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Erfolg: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Röttgen verzichtet auf sein Amt als BDI-Geschäftsführer. Sie hatten zusammen mit Michael Rogowski, Ihrem Nachfolger als BDI-Chef, in der Bild-Zeitung einen offenen Brief geschrieben, in dem Sie seine Doppelrolle als Politiker und Lobbyist kritisieren.

Das ist kein Erfolg, über den ich froh sein kann. Ich hatte gehofft, dass sich Norbert Röttgen für den BDI entscheidet und sein Mandat niederlegt. Außerdem geht man mit so einer Aktion ein enormes persönliches Risiko ein: Sie sehen ja, was ich momentan für Prügel von Medien wie der FAZ beziehe.

Ihnen wird vorgeworfen, den BDI beschädigt zu haben. Haben Sie die Situation falsch eingeschätzt?

Wir haben vorher alles getan, was möglich war. Ohne den tatsächlich sehr ungewöhnlichen offenen Brief von Rogowski und mir hätten wir es nicht geschafft. Dem BDI-Chef Jürgen Thumann haben wir eindringlich erklärt, wie untragbar die Doppelrolle von Norbert Röttgen für den wichtigsten deutschen Wirtschaftsverband wäre. Ich habe sogar selber mit Röttgen geredet und ihn gebeten sein Mandat niederzulegen.

Doch der wollte beide Ämter behalten?

Uns war nach den Gesprächen klar, dass wir da in die "Situation Göhner" hineinrutschen. Das wäre weder bei Herrn Rogowski noch bei mir möglich gewesen. Die Unabhängigkeit des BDI wäre nicht mehr gewährleistet gewesen.

Sie sprechen vom Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) Reinhard Göhner, der seit Jahren für die CDU im Bundestag sitzt?

Richtig. Beim BDA hat man doch den unmöglichen Spagat gesehen, den Göhner bei Themen wie dem Anti-Diskriminierungsgesetz vollführen musste: Die CDU war dafür, der BDA dagegen und er bei der Abstimmung abgetaucht. Wenn ich mir diese Situation beim BDI vorstelle, dreht sich mir der Magen um.

Sind Sie generell gegen Nebentätigkeiten von Politikern?

Moment, Göhner hat doch keinen Nebenjob. Die Position des BDA-Geschäftsführers ist eine Vollzeit-Stelle. Wenn jemand nebenbei noch bei der Gewerkschaft tätig ist und das zeitlich geregelt bekommt, dann soll er das tun. Dagegen habe ich gar nichts. Aber ich weiß selber, wie viel Arbeit so ein Geschäftsführer beim BDI hat.

Ist der jetzige BDI-Chef Jürgen Thumann durch den Konflikt beschädigt?

Mir ging es um die Zukunft des BDI. Es tut mir Leid, dass zur Klarstellung eine öffentliche Diskussion nötig war. Ich glaube aber nicht, dass Thumann Schaden genommen hat. Aber was war die Alternative? Herr Thumann meinte wohl, er könnte Herrn Röttgen doch noch bewegen, sein Bundestagsmandat rechtzeitig niederzulegen. Dass Herr Röttgen nie daran dachte, ist ja nun von ihm selbst klargestellt worden. Allerdings: Wenn mein Amtsvorgänger Tyll Necker mir damals, als ich noch BDI-Chef war, so einen offenen Brief geschrieben hätte, dann hätte ich das sicher als riesigen Fehler meinerseits gewertet. Ich habe in einer so essentiellen Frage nie gegen den Rat meines Vorgängers gehandelt.

Heißt das für den Fall Röttgen: Hauptsache er ist weg, wenn auch mit Schaden?

Weg ohne Schaden wäre natürlich besser gewesen.

Interview: Jan Boris Wintzenburg