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Deutscher Gründerpreis 2010: Die Bessermacher

Die diesjährigen Sieger beim Deutschen Gründerpreis ähneln sich in einem Punkt: Sie wollen etwas besser machen. Am Dienstagabend wurden in Berlin die Preise in den drei Kategorien vergeben.

Von Jan Boris Wintzenburg

Wenn Willi Bruckbauer anfängt, über Dunstabzugshauben zu reden, dann wird es schnell so emotional, als ginge es um Politik oder gar Fußball. Die Dinger hängen immer im Weg, man stößt sich den Kopf daran und am Ende funktionieren sie noch nicht einmal richtig. Bruckbauer weiß wovon er redet: Als Betreiber eines Küchenstudios hat der gelernte Schreinermeister schon hunderte installiert. "Das muss doch besser gehen", sagte er sich eines Tages und stellte das System auf den Kopf: Der Dunst wird bei seinem patentierten Abzug nach unten durch Schlitze im Herd abgesaugt. Das funktioniert sogar besser, weil Dampf schwerer als Luft ist und sowieso nach unten fällt. Die Haube kann weg.

Doch eine einfache Erfindung genügte dem Bayern nicht: Er gründete auch gleich eine Firma, die Bora Lüftungstechnik in Rosenheim, um die Geräte selber herzustellen. Damit macht er den großen Küchengeräte-Herstellern Konkurrenz. Angst davor hat er keine: "Die Idee ist zu einfach, zu anders und zu gut, um wieder zu verschwinden", sagt er. Und der Erfolg gibt ihm Recht. Für sein junges Unternehmen erhielt Bruckbauer den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie StartUp (Unternehmen, die maximal drei Jahre alt sind). Der Deutsche Gründerpreis ist eine Initiative von stern, ZDF, Sparkassen und Porsche. Er wird in Kooperation mit dem Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Rainer Brüderle, vergeben.

Preisverleihung in Berlin

Neben Bruckbauer wurden auf der Preisverleihung im ZDF Hauptstadtstudio "Zollernhof" in Berlin noch weitere Firmen geehrt: Als Nominierte hatten sich auch die Leipziger Phacon, die Trainingsmodelle für Mediziner herstellt, und der Telematik-Dienstleister Antlogic aus Potsdam gegen hunderte anderer junger Firmen durchgesetzt. Genau wie die Sieger auch erhalten Sie ein aufwändiges Coaching und Zugang zum Netzwerk des Deutschen Gründerpreises, sowie namhafte Unternehmenspaten, die sie die nächsten Jahre bei ihrer Entwicklung begleiten.

Das gleiche Paket erhalten auch die Preisträger in der Kategorie Aufsteiger (Unternehmen, die maximal sieben Jahre alt sind). Hier gewann die Internetstores AG des 28-Jährigen Schwaben René Marius Köhler, der über den Fahrradhandel an den Vertriebsweg Internet gelangt war. Mit seinen 140 Mitarbeitern in Esslingen verkauft er inzwischen eine Breite Warenpalette online, darunter Sportgeräte, Mode und sogar Wohnaccessoirs. Der Jungunternehmer konnte namhafte Partner, wie Otto, Neckermann oder Amazon gewinnen. "Im scharfen internationalen Wettbewerb muss man immer einen Tick voraus sein", sagt Köhler.

Globale Produkte

Auch die beiden weiteren Nominierten in der Kategorie Aufsteiger zeichnen sich durch ihre Internationalität aus: Die Berliner Brillenmanufaktur Mykita ist längst eine feste Größe bei den Reichen und Schönen Hollywoods. Ihre Brillen werden von Sarah Jessica Parker oder Tom Cruise getragen. Und Daniel Gollmann verkauft seine computergesteuerten Schranksysteme inzwischen von Halle an der Saale bis nach Australien. Über 100 Mitarbeiter arbeiten für den erst 30-Jährigen Gründer. Noch ein paar Schritte weiter in Sachen Globalisierung ist der diesjährige Preisträger der Kategorie Lebenswerk: Mehr als 40000 Mitarbeiter arbeiten heute in über 50 Ländern für die B.Braun AG aus dem hessischen Melsungen. Medizinprodukte von der Infusionsnadel bis zum kompletten Hüftgelenk stellt die Firma her. Aufgebaut hat den Konzern maßgeblich der Lebenswerk-Preisträger Ludwig Georg Braun. Noch immer leitet er die Firma, doch schon im nächsten Jahr will sich der 66-Jährige zurückziehen und die Geschäfte an die nächste Generation übergeben. Dann hat Braun, der sich auch in der evangelischen Landeskirche engagiert und neun Jahre ehrenamtlich Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHK) war, wieder mehr Zeit für den Sport. Der bodenständige Hesse mit dem protestantischen Arbeitsethos ist Marathonläufer. Seine Firma hat er zeitgemäß aufgestellt: "Hier ist alles offen, alles ehrlich. Das ist meine Philosophie in diesem Unternehmen", sagt er.

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