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Ein-Euro-Jobs: Hoffen auf eine richtige Stelle

Der Aufschrei im reichen Industrieland Deutschland war im Sommer 2004 groß: Arbeiten für nur einen Euro die Stunde. Vom "Hungerlohn" bis "menschenunwürdig" reichten die Kommentare.

Tausende gingen besonders in Ostdeutschland auf die Straße und demonstrierten gegen die Arbeitsmarktreform Hartz IV der rot-grünen Bundesregierung samt Ein-Euro-Jobs.

Arbeitgeber und Gewerkschaften gleichermaßen fürchten bis heute mit Ein-Euro-Jobs harte Billigkonkurrenz und den Verlust Zehntausender Arbeitsplätze, besonders im Bau-, Garten- sowie Pflege- und Dienstleistungsbereich. Mit den Ein-Euro-Jobs können Langzeitarbeitslose für sechs Monate maximal 30 Stunden in der Woche für einen Euro pro Stunde arbeiten und so zu ihrem Arbeitslosengeld II dazu verdienen. Die Bundesregierung rechnet mit bis 600.000 solcher Jobs.

Mittlerweile ist die Nachfrage nach den Ein-Euro-Jobs enorm

Die Träger dieser Arbeitsgelegenheiten rannten den Arbeitsagenturen geradezu die Bude ein. Sachsen-Anhalt, das Bundesland mit überdurchschnittlich hoher Arbeitslosigkeit, liegt nunmehr in Deutschland bei den Ein-Euro-Jobs an der Spitze.

Bislang wurden in dem ostdeutschen Bundesland über 8900 Erwerbslose in diese gemeinnützigen Tätigkeiten vermittelt, gefolgt von Thüringen mit 5900 und Sachsen mit 5700 Menschen, die schon lange Zeit arbeitslos waren. Hingegen ist das Interesse an den Ein-Euro-Jobs in den alten Bundesländern geringer. So wurde im bevölkerungsreichsten Land Nordrhein-Westfalen die Vermittlung von 2400 dieser Zusatzjobs gemeldet.

"Heute sind wir traurig, dass wir sie wieder hergeben müssen"

Die Sprecherin der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, Bianka Kleschtschow, sagt: "Wir hatten das schnell organisiert und Kontakte zu potenziellen Trägern hergestellt und keine Probleme, die Ein-Euro-Jobs zu besetzen." Eine Chemiefacharbeiterin aus Halle wurde ins Paul-Riebeck-Stift vermittelt. "Ich hatte am Anfang Angst und keine Vorstellung, was auf mich zukommt", berichtet sie. 147 Menschen leben in dem Heim, die pflegebedürftig und meist hoch betagt sind. Heute sei sie froh, wieder eine Aufgabe zu haben, sagt die Facharbeiterin.

"Die Verunsicherung war auf beiden Seiten da, was dürfen unsere neuen Helfer in der Betreuung und was dürfen sie nicht", erzählt die Leiterin des Heimes, Andrea Wagner. Die Sorge aus den Reihen der 60 Beschäftigten des Hauses, die sich professionell um die Betreuung der Bewohner kümmern, um etwaige harte Billigkonkurrenz um den Arbeitsplatz durch die Ein-Euro-Jobs hörte sie auch. Doch dem Team gelang es, die Aufgabe zu meistern. "Heute sind wir traurig, dass wir sie wieder hergeben müssen, helfende Hände kann man nie genug haben", sagt die Chefin des Hauses.

Orientierungskatalog für die Landkreise

"Durch diese Arbeiten darf der Wettbewerb in der freien Wirtschaft nicht gestört werden", betont die Sprecherin der Arbeitsagentur. Das Land Sachsen-Anhalt erstellte einen Orientierungskatalog für die Landkreise, in dem Aufgabenfelder für Ein-Euro-Jobs aufgelistet sind, um damit Gefahren für den ersten Arbeitsmarkt abzuwehren. Allein in dem Bundesland werden im kommenden Jahr voraussichtlich rund 30.000 Ein-Euro-Jobs für Langzeitarbeitslose entstehen.

Petra Buch, dpa