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email-newyork: Mein erstes offizielles Vorstellungsgespräch

Aber vorher muss noch ein Bügeleisen her. Dann klappt es auch mit dem »I am a creative business woman«-Outfit.

Aber vorher muss noch ein Bügeleisen her. Dann klappt es auch mit dem »I am a creative business woman«-Outfit.

Heute habe ich mein erstes offizielles Vorstellungsgespräch. Um 4.30 p.m. bin ich mit Jim Nevans - Geschäftsführer der Interaktiv-Unit einer großen amerikanischen Werbeagentur - verabredet. Am Telefon hat er einen sehr sympathischen Eindruck bei mir hinterlassen. Und jetzt will er mich also persönlich kennen lernen. Ich bin mächtig aufgeregt.

Das Büro der Agentur befindet sich in Midtown Manhattan, in der Straße mit dem wohlklingenden Namen Park Avenue. Feine Adresse. Dementsprechend möchte auch ich einen gelungenen Auftritt haben.

What to wear?!

Nach zweimaligem Durchforsten meines Koffers entscheide ich mich schließlich für die »I am a creative business woman«-Variante: ein anthrazitfarbener Hosenanzug - schmal geschnitten mit geradem Bein - und ein enges T-Shirt in army-grün. Das sollte genau richtig sein für die strategische Seite einer Werbeagentur, hoffe ich.

Stärken und Schwächen

Auf meinem Weg nach Chinatown, wo ich mir ein günstiges Bügeleisen zulegen wollte, gehe ich im Stillen den möglichen Gesprächsverlauf durch. Ja, meine Stärken und Schwächen sind mir insbesondere in letzter Zeit wieder sehr gut in Erinnerung gerufen worden. Und welche Vorstellungen ich von meinem Traumjob habe, kann ich Mister Nevans auch aus dem Stehgreif erzählen. Die einzige Sorge, die mir noch bleibt, ist die Frage nach meinen Gehaltsvorstellungen. Ich habe keinen blassen Schimmer, was hier in New York verdient wird, wie hoch die Steuern und sonstigen Abgaben sind, geschweige denn, was ich verlangen könnte. Hinzu kommt schließlich auch noch der kleine Haken mit dem Arbeitsvisum. Denn sollte mich die Firma einstellen wollen, muss sie vorerst ein sogenanntes H1B-Visum für mich beantragen. Ein recht aufwändiger und kostspieliger Prozess.

Doch ich bin auch darauf vorbereitet. Über das Unternehmen habe ich mich dank Internet schlau gemacht. Und den Online-Werbemarkt meine ich ebenfalls zu verstehen. Es kann also losgehen.

Mit neuem Bügeleisen bewaffnet, mache ich mich später an meinem Anzug zu schaffen. Das gute Stück hat schließlich die letzten Wochen im Koffer gelebt, und das hat durchaus Spuren hinterlassen. Meine stolze »made-in-china«-Errungenschaft darf ihre Fähigkeiten also sofort unter Beweis stellen.

Wenig später stehe ich geschniegelt und gestriegelt in der Haustür, werfe noch einen letzten Blick in den Spiegel und winke meinem optimistisch grinsenden Gegenüber zu. »Auf Wiedersehen, du Arbeitslose« murmel ich meinem Spiegelbild zu und mache mich auf den Weg in Richtung Park Avenue.

Fortsetzung folgt ...