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Familienpolitik: Das Geld fließt in die falschen Kanäle

Beruf und Familie ist in Deutschland nur schwer zu vereinbaren. Zwar liegen die Ausgaben für Familienförderung über dem Durchschnitt, ihre Wirkung verpufft aber großteils. Alarmierend ist nach einer Studie der OECD der Anteil der Kinder, die von Armut betroffen sind.

Trotz vergleichsweise hoher staatlicher Ausgaben für Familien wachsen in Deutschland immer mehr Kinder in ärmlichen Verhältnissen auf. Zu diesem Ergebnis kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) . Zwar gewähre der Staat großzügige finanzielle Zuschüsse für Familien. Er stelle aber nicht genügend Betreuungsplätze bereit, um Eltern die Rückkehr in den Job und damit eine bessere finanzielle Situation zu ermöglichen. "Beruf und Familie sind in Deutschland nur schwer unter einen Hut zu bringen", lautet das Fazit der OECD-Studie.

Rund drei Prozent seiner gesamten Wirtschaftsleistung gibt die Bundesrepublik den Angaben nach für die Familienförderung aus - etwa für Kindergeld, Steuererleichterungen und Dienstleistungen. Im Schnitt der untersuchten 24 OECD-Länder seien es nur 2,4 Prozent. Allerdings würden die Schwerpunkte an der falschen Stelle gesetzt. So fließe nur ein Viertel des Familienbudgets in die Kinderbetreuung und andere Dienstleistungen. In den nordischen Ländern, Frankreich und den Niederlanden seien es zwischen 40 und 60 Prozent.

Deshalb stehe hierzulande nicht einmal für jedes zehntes Kind unter drei Jahren ein Betreuungsplatz zur Verfügung. Im OECD-Schnitt sind es 23 Prozent, in Skandinavien bis zu 60 Prozent. "Deutschland könnte durch mehr Betreuungsplätze die Arbeitsaufnahme von Frauen erleichtern und dadurch auch die wirtschaftliche und soziale Situation für Familien verbessern", sagte OECD-Experte Willem Adema. Gerade Alleinerziehenden könnte so geholfen werden. Deren Beschäftigungsquote liege mit 62 Prozent deutlich unter dem OECD-Schnitt von 71 Prozent.

Der Anteil der Kinder, die in einem Haushalt mit weniger als der Hälfte des Durchschnittseinkommens leben, liegt in der Bundesrepublik mit 12,8 Prozent über dem OECD-Schnitt von zwölf Prozent. Kinder, die nur mit einem Elternteil leben, sind häufiger von Armut betroffen. "Die Erfahrung aus anderen Ländern zeigt, dass Alleinerziehenden Betreuungsmöglichkeiten angeboten werden müssen, sie aber auch zur Arbeitsaufnahme ermuntert werden sollten", sagte Adema.

Reformen wie das neue Elterngeld und der Ausbau der Kinderbetreuung zielten in die richtige Richtung. So schaffe die verkürzte Bezugsdauer des Elterngeldes mehr Anreize, dass Eltern früher in den Beruf zurückkehren. "Damit wird verhindert, dass Frauen, die sich in der Regel um Kinder kümmern, zu lange aus dem Job sind und später Einbußen hinnehmen müssen", sagte Adema.

Reuters / Reuters
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