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Familienpolitik: Leyen will "Bündnis für Erziehung"

Ursula von Leyen will das Elterngeld mitsamt der so genannten Vätermonate wie geplant zum Jahresanfang 2007 einführen. Doch selbst die eigenen Unions-Reihen melden jetzt Bedenken an.

Trotz des Widerstandes führender Unions-Politiker will Familienministerin Ursula von Leyen das neue Elterngeld Ende April auf den Weg bringen.

Das Elterngeld werde mitsamt den so genannten Vätermonaten wie geplant zum Jahresanfang 2007 eingeführt, bekräftigte die CDU-Politikerin am Osterwochenende. Ende des Monats werde sie das Konzept vorstellen. CSU-Generalsekretär Markus Söder kritisierte, dass die einkommensabhängige Leistung nur gezahlt werden soll, wenn auch der Vater mindestens zwei Monate Erziehungszeit nimmt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, mahnte eine gerechte Verteilung der Aufgaben zwischen Männern und Frauen an. Von der Leyen will am Donnerstag mit den beiden großen Kirchen in Deutschland ein "Bündnis für Erziehung" ins Leben rufen.

CSU für alternatives Bonus-System

"Das Elterngeld wird zum 1. Januar 2007 kommen", sagte von der Leyen der "Bild am Sonntag". Sie wies die Kritik unter anderem von CDU-Ministerpräsidenten an den Vätermonaten zurück. Damit solle Männern der Rücken gestärkt werden, die eine Auszeit zur Erziehung ihrer Kinder nehmen wollten, aber finanzielle Einbußen fürchteten. Das sei so im Koalitionsvertrag vereinbart. Von der Leyen wies zugleich Bedenken aus der SPD zurück, es sei sozial ungerecht, das Elterngeld vom Einkommen abhängig zu machen. Geringverdiener profitierten in besonderer Weise, weil sie die Zwei-Drittel-Fördergrenze ausschöpfen könnten, ohne an die Obergrenze von 1.800 Euro im Monat zu stoßen.

Söder sagte der "Welt am Sonntag", der Staat solle nicht vorschreiben, wer die Kinder erziehe. Er schlug ein Bonusmodell vor, bei dem das Elterngeld unabhängig vom Anteil des Vaters ein volles Jahr gezahlt werden soll. "Ein 13. Partnerschaftsmonat könnte dann gewissermaßen als Bonus obendrauf kommen."

"Bündnis für Erziehung"

Kardinal Lehmann sagte im Deutschlandfunk, die gesellschaftliche Verantwortung für den Geburtenrückgang trügen nicht allein die Frauen. Voraussetzung für ein Gelingen von Ehe und Familie sei, dass es eine klare, beide Teile in die Pflicht nehmende Vereinbarung gebe. Dabei könne nie nur eine Seite in Anspruch genommen werden.

Von der Leyen sowie Spitzenvertreter der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz wollen am Donnerstag ein "Bündnis für Erziehung" gründen. Andere Religionsgemeinschaften seien eingeladen, sich zu beteiligen, sagte von der Leyen der "Bild am Sonntag": "Wir wollen gemeinsam Leitlinien erarbeiten, wie christliche Werte wieder zum Fundament der Erziehung werden können."

Reuters / Reuters