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Förderung: Ein Stahlbaubetrieb als Familienparadies

Für die Chefinnen des Stahlbauunternehmen Schönberger sind "die Mitarbeiter mehr Familienmitglieder als Mitarbeiter". Hinter ihrer Aussage stecken auch Taten.

Familie und Beruf - viele Männer und Frauen können das nicht oder nur unter großen Schwierigkeiten unter einen Hut bringen. Beim Oberpfälzer Stahlbauunternehmen Schönberger ist dies anders. Die Familienfreundlichkeit einer Firma ist ein entscheidender Faktor beim Werben um die besten Arbeitskräfte, meint Juniorchefin Sabine Schönberger. Wegen der unkonventionellen Ideen sind die Metalltechnik-Spezialisten von der Bundesregierung als familienfreundlichster deutscher Betrieb mit bis zu 50 Beschäftigen ausgezeichnet worden. Bereits 2002 hatte Schönberger den Bayerischen Frauenförderpreis erhalten, der Betrieb wirbt auch besonders um weibliche Fachkräfte in Technik-Berufen.

Bei dem Betrieb in Schwarzach-Wölsendorf (Landkreis Schwandorf) kommt es regelmäßig vor, dass Kinder durch das Verwaltungsgebäude toben. Was bei anderem Firmen undenkbar ist - dass sich die Chefin um die Töchter und Söhne der Mitarbeiter kümmert - das ist bei den Schönbergers an der Tagesordnung. "Eine willkommene Abwechslung", freut sich Sabine Schönberger, wenn ein Angestellter seinen Filius mitbringt, weil sich keine Betreuung organisieren ließ.

Familienfreundliche Zugaben für alle Mitarbeiter

Die Liste der Angebote für die Familien beschränkt sich bei dem Unternehmen nicht nur auf das Spielzimmer mit Hausaufgabenecke und einen Spielplatz. Das Unternehmen mit 28 Beschäftigten hat ein ganzes Förderprogramm. Wenn ein Mitarbeiter sein Auto nicht in die Werkstatt bringen kann, organisiert der Arbeitgeber den Service. Ebenso werden Behördengänge übernommen und es wird ein steuerfreier Zuschuss für einen Ganztages-Kindergartenplatz bezahlt. Wenn ein Mitarbeiter von einem Auslandseinsatz zurückkommt, sorgt die Firma auf Wunsch auch dafür, dass der Kühlschrank nicht leer ist.

Der 1635 gegründete Familienbetrieb war bis in die 60-er Jahre eine kleine Dorfschmiede. Dann baute Anton Schönberger das Unternehmen zu einem überregional tätigen Metallbaubetrieb aus. Die ersten Großaufträge hatten die Oberpfälzer beim Bau des Münchner Olympiaparks. Seitdem ist Schönberger auf Einzelanfertigungen spezialisiert - vom Brückengeländer bis zum Laufsteg in Fabrikhallen wird alles gemacht. Zudem sind die Schweißexperten gefragt, wenn irgendwo ein Kran beschädigt ist und zusammenzubrechen droht.

"Die Mitarbeiter sind bei uns mehr Familienmitglieder als Mitarbeiter"

Seit 1990 halten die beiden Schönberger-Töchter das Ruder bei dem Metallbetrieb in Händen. Die Ingenieurin Andrea Schönberger kümmert sich um die technische Leitung, ihre Schwester Sabine hat Betriebswirtschaft studiert und ist kaufmännische Chefin. Bei dem Stahlbauer gab es schon zuvor familienfreundliche Zugaben, die woanders erst viel später in Mode kamen. So werden seit mehr als 40 Jahren Zeitkonten geführt und seit 1982 gibt es eine betriebliche Altersvorsorge. Dank der Lebensarbeitszeitkonten verfallen Urlaubstage und Überstunden nie. "Das Konto kann unbeschränkt ins Plus gehen oder auch ins Minus", erklärt Sabine Schönberger.

Für sie sind diese "weichen Faktoren" wichtig, um in einer von Automobil- und Zulieferunternehmen geprägten Region den eigenen Betrieb für qualifizierte Bewerber attraktiv zu machen. "Die Mitarbeiter sind bei uns mehr Familienmitglieder als Mitarbeiter." Mit ihren Angeboten wollen die Schwestern ihren Angestellten danken, ihnen etwas zurückgeben. "Wir verlangen ihnen ja auch einiges ab."

Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit beträgt knapp 20 Jahre

Die Beschäftigten müssten manchmal plötzlich zu einem Einsatz irgendwo in Deutschland, in der Schweiz oder Frankreich ausrücken und dann 12 oder 13 Stunden am Stück unter härtesten Bedingungen arbeiten. "So was müssen auch die Frauen mitmachen", erklärt Sabine Schönberger. Etwas Besonderes lassen sich die beiden Chefinnen auch einfallen, wenn ein Mitarbeiter auf Montage ist und dann den Hochzeitstag nicht mit seiner Partnerin verbringen kann. "Dann gibt es für die Ehefrau einen Blumenstrauß und einen Gutschein für ein Candle-Light-Dinner, damit die beiden nachfeiern können."

Die bei der Firma beschäftigten Techniker honorieren das Engagement der Chefinnen mit einer langen Treue zu der Firma. Wechseln möchte kaum einer der Angestellten, die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit beträgt knapp 20 Jahre.

Ulf Vogler/DPA