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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Funny Money: Den allerersten Job vergisst niemand

Seit kurzem habe ich einen eigenen Podcast: "FreitagsFranky" heißt er. Darin gibt es eine neue Rubrik: Ich muss raten, womit der nächste Gesprächsgast sein allererstes Geld verdient hat. Zuhören bekommt man sehr viele amüsante Geschichten.

Fahrradverleih Behrendt

Mit einem Fahrradverleih verdienten die Brüder Behrendt ihre ersten Taler - das 40 Jahre alte Schild wird bis heute in Ehren gehalten

Als mir Jens Breuer von der Deutschen Hörfunkberatung am Telefon vorspielte, wie er das neue Format rund um den ersten Job einleiten wollte, musste ich direkt lachen. Ein frecher Knirps, der kleine Sohn einer Mitarbeiterin, hatte den Satz so witzig eingesprochen, dass man sofort den ebenfalls nicht auf den Mund gefallenen Michel aus Lönneberga vor Augen hatte: "Mein allerallererster Job, Kommunikationsprofis packen aus", flötete der Junge ins Mikrofon. Im Anschluss erzählen gestandene Macher und Macherinnen, die am folgenden Montag im Podcast "5 Fragen an…" zu Gast sind, auf welche Art und Weise sie einst ihr erstes Geld verdient haben.

Philipp Schindera etwa, heute Kommunikationschef bei der Deutschen Telekom, ackerte einst in der Küche eines McDonalds Restaurants in Saarbrücken. Lufthansa-Kommunikator Andreas Bartels wusch den Wagen seines Vaters so gut, dass ihn der Nachbar ebenfalls anheuerte. Ein Ex-Agentur-Kollege von mir verdingte sich gar als Musiker in einem Bläserensemble. An den Wochenenden rückte er mit der Posaune aus und sorgte auf Schützenfesten für beste Stimmung.

Auch ich brauchte als Junge mehr Geld als ich durch Tätigkeiten im heimischen Garten verdiente. Für die glänzende Adidas-Turnhose oder gar das ersehnte Turnschuhmodell "Universal" mit den drei Streifen, reichte es nicht. Alternativen mussten her. In der Niederelbe-Zeitung stieß ich Ende der 70er Jahre auf die Annonce einer Gärtnerei: An Sonntagen wurden dort Schüler gesucht, die beim Blumenverkauf aushelfen sollten. Nun war ich nicht gerade der Typ, der mit einem grünen Daumen auf die Welt gekommen war, aber Business konnte ich, schließlich gewann ich in Serie bei den Monopoly-Schlachten gegen meine Mitschüler.

Also stand ich fortan früh auf, radelte zur "Flora-Hütte" und packte Stiefmütterchen und kleine Kakteen als Präsente ein. Die älteren Damen fanden mich offenbar süß, aber vielleicht hatten sie auch Mitleid, wie ich mich beim Einpacken abmühte. Auf jeden Fall gab es gutes Trinkgeld. Nicht alle waren allerdings meine Fans. Ein schnöseliger Hamburger, der seinen Benz mit laufendem Motor vor dem Blumenhaus abgestellt hatte, blaffte mich an und meinte, mein eingepacktes Blumenbouquet sähe aus, als ob da einer mit dem Trecker drüber gefahren wäre. Ich lächelte tapfer - Erfahrungen, die prägen.

Fahrradverleih für Touristen

Lange dauerte meine Blumenboy-Karriere allerdings nicht. Mein Bruder und ich hatten zeitnah eine bessere Idee, wie wir einfacher mehr Geld verdienen konnten: Wir vermieteten Fahrräder an Touristen. Am Anfang sammelten wir alte Räder auf dem Sperrmüll, machten sie wieder flott und pinselten sie an. Die "blaue Flotte" der Gebrüder Behrendt lief bestens, wir waren immer ausgebucht. Mein Vater bastelte uns ein schickes Schild, das den Weg zu unserem ersten Unternehmen wies. Dank meiner Mutter, die gottlob alle Relikte von früher aufgehoben hat, gibt es das über 40 Jahre alte Schild heute noch.

Irgendwann hatten wir so viele Räder im Einsatz, dass ich mich aufs Geldzählen konzentrieren konnte. Die originäre Arbeit ließ ich von den Nachbarskindern erledigen - gegen eine faire Bezahlung selbstverständlich. Die Geschichte habe ich später bei allen meinen Vorstellungsgesprächen erzählt und sie hat immer funktioniert. Die Frage, ob der Bewerber Behrendt unternehmerisch dachte, hatte sich direkt erübrigt.

Eine Frau in hellbrauner Lederjacke zieht etliche Euroscheine aus ihrem großen Portemonnaie

Den Führerschein selbst verdienen

Auch meinen eigenen Kindern habe ich natürlich die Heldensaga vom Jeff Bezos der Drahtesel erzählt und ihnen die alten Zeitungsausschnitte gezeigt, als ihr Papa in der Zeitung als Jungunternehmer des Jahres gefeiert wurde. Von den Einnahmen konnte ich mir später locker den Führerschein leisten und sogar ein erstes altes Auto. Seitdem ist es bei uns Tradition, dass der Führerschein selbst verdient wird.

Meine große Tochter war die erste, die in den Genuss dieser pädagogisch wertvollen Maßnahme kam. "Alle anderen bekommen den Führerschein von den Eltern bezahlt und kriegen ein Auto zum Abi", wurde zwar erklärt, um mich umzustimmen, aber ich blieb standhaft. Mein alter Herr hätte einen Lachanfall bekommen, wenn ich ihn nach der Finanzierung der Fahrerlaubnis gefragt hätte. Also verdingte sich meine Tochter bei Obi am Servicecounter. Da stand sie dann, in ihrer Orange-Weiß gestreiften Bluse mit dem aufgestickten Biber. Freundlich, hilfsbereit, immer ein Lächeln auf den Lippen, auch bei nervigen Kunden immer um eine Lösung bemüht.

Heute ist sie Lehrerin und lacht herzlich darüber. Aber sie sagt auch, dass sie die Erfahrung nicht missen möchte. Meine jüngste Tochter Holly hat kürzlich schon mal klar gemacht, dass sie später auch mal im Baumarkt jobben wird. "Ich singe dann aber bei der Arbeit", erklärte sie selbstbewusst. Ich bin jetzt schon gespannt, was der Marktleiter dazu sagen wird. Eines ist gewiss: Auch in Zukunft wird es witzig sein, sich an den allerersten Job zu erinnern, da bin ich ganz sicher.