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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Gefeuert, gefrustet, gesprungen und gewonnen

Vor einem Jahr gab Frank Behrendt einer früheren Mitarbeiterin den Rat, sich selbstständig zu machen, nachdem sie von ihrem Arbeitgeber im Zuge einer Umstrukturierung auf die Straße gesetzt wurde. Sie hat den Rat befolgt und ist heute genauso glücklich wie erfolgreich.

Diese Postkarte einer früheren Kollegin landete auf Frank Behrendts Schreibtisch

Diese Postkarte einer früheren Kollegin landete auf Frank Behrendts Schreibtisch

"Wenn Sie im Zweifel sind, ob Sie es tun sollen oder nicht, dann tun Sie es", stand auf der Postkarte unter einem Foto, auf dem ein mutiges Mädchen mit Schwung vom 10-Meter-Turm ins Schwimmbecken springt. Die Karte lag kürzlich auf meinem Schreibtisch im Kölner Haus der Kommunikation. Dazu ein Paket mit den von mir geliebten Lakritzschnecken von Haribo. Freude! Noch mehr begeisterte mich aber der beiliegende Brief.

Darin schrieb mir Martina, dass sie den Schritt in die Selbstständigkeit erfolgreich gegangen ist. Ich erinnere mich noch gut, wie wir damals im Café Miss Päpki im Belgischen Viertel saßen. Bei einer meiner früheren Agenturstationen hatten wir hervorragend zusammengearbeitet, ich war später traurig, dass sie ein besser bezahltes Angebot bei einem Kunden angenommen hatte. Dort wurde sie im Zuge einer Umstrukturierung nach einigen Jahren entlassen. Geschieden, 53 Jahre alt, zwei Kinder auf dem Weg ins eigene Leben. Es war alles andere als einfach, einen neuen Job zu finden in der Kommunikations- und Marketing-Branche, die vor allem nach digital tickenden Youngstern sucht. Also klingelte Martina ihr Netzwerk ab, schrieb Bewerbungen, führte viele Gespräche, hoffte.

Die Absagen füllten schnell einen Leitz-Ordner. Irgendwann rief sie dann mich an. Und ich habe sie zunächst erschreckt, als ich ihr sagte, dass sie sich am besten selbstständig machen sollte. Ihr Selbstbewusstsein war nach einem Jahr erfolgloser Suche am Boden, nicht mehr fest angestellt zu sein war das Letzte, was sie sich damals vorstellen konnte. Wir bestellten große Stücke Schokotorte und skizzierten ein mögliches Leistungsangebot. "Projektmanagerin mit Power", lautete der Arbeitstitel. Sie hatte viel Erfahrung, war bei uns immer die Königin der Ablaufpläne und Projektmanagement-Tools gewesen. Eine absolute Macherin, die immer eine Lösung fand.

Sie schrieb Agenturen an, screente Jobportale und schickte ihre Unterlagen auch an Firmen, die eigentlich ganz andere Leute suchten. Da sie nicht immer geeignete fanden, waren manche regelrecht dankbar für eine smarte Übergangslösung. So kam Martina an ihren ersten Job als freie Projektleiterin. Inzwischen ist sie bis Herbst 2018 ausgebucht. Als ich sie anrief, um mich für die Karte mit der kleinen Turmspringerin und die wohlschmeckenden Beilagen zu bedanken, freute sie sich. "Ich hatte damals schon Schiss zu springen", sagte sie in ihrem typischen Ruhrpott-Slang, den ich immer an ihr gemocht hatte. "Aber dann landet man plötzlich in einem Pool und merkt, dass man immer noch schwimmen kann." Ich bin absolut sicher, dass diese Power-Frau – die mir am Telefon frohgelaunt von ihren Erfolgen berichtete – auch in Zukunft nicht untergehen wird. 

NEON Unnützes Wissen Popstars_17.40

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