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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Mein wunderbarer S-Bahn-Talk mit einem tollen Teenie

Wer unterwegs ist, trifft viele Menschen, die nicht mehr ansprechbar sind. Sie tragen große Kopfhörer auf den Ohren oder stopfen sich kleine In-Ear-Modelle in selbige. Frank Behrendt hält die Ohren immer offen und redet gerne mit den Leuten. Kürzlich über die berufliche Zukunft mit seinem jugendlichen Sitznachbarn im Zug.

S-Bahn-Verkehr am Hamburger Hauptbahnhof

S-Bahn-Verkehr am Hamburger Hauptbahnhof

Getty Images

Die S-Bahn vom Hamburger Flughafen in Richtung Hauptbahnhof war brechend voll. Als ein Business-Typ an der Haltestelle Rübenkamp aufstand, setzte sich ein zuvor an der Wand lehnender Teenager mit Baggy-Jeans auf den frei gewordenen Platz neben mir. Und zu meiner Überraschung sprach er mich direkt an: "Krasse Tasche, bist du Pilot?" Ich musste lachen, denn für einen Flugzeugführer bin ich wahrlich noch nie gehalten worden.

Aber es lag wohl an meinem auffälligen Notebook-Behältnis mit zahlreichen aufgenähten Abzeichen der italienischen Luftwaffe "Aeronautica Militare". Ich antwortete eher aus Spaß, "Sind wir nicht alle irgendwie Piloten auf unserem Flug durchs Leben?" Das gefiel ihm und ich sprach den Satz bereitwillig als Erinnerung auf den Voice-Recorder in seinem Smartphone. Wir kamen ins Gespräch und ich war wirklich angetan von dem jungen Burschen.

Als er hörte, dass ich in der Kommunikationsbranche tätig bin, berichtete er von einem Schülerbetriebspraktikum, das er in der Redaktion eines Hörfunksenders gemacht hatte. Ich erzählte ihm von meinem Kollegen Mirko Kaminski, der einst auch vor dem Mikro saß und inzwischen stolzer Besitzer einer erfolgreichen Agentur ist, inklusive schnittigem Tesla vor seinem Wochenenddomizil auf der Ostsee-Insel Fehmarn.

Aber der Teenie wollte keine Agentur und auch keinen Sportflitzer. Er wollte überhaupt keine klassische Karriere machen sondern später in einem SOS Kinderdorf arbeiten. Ich war platt. Er erzählte von seinem Freund, der aufgrund einer häuslichen Problemlage nicht bei den Eltern leben kann und daher in einer Wohngruppe im Kinderdorf untergekommen ist. "Die Betreuer dort sind echt cool, so ne Mischung aus Lehrer, Mama und Kumpel", erklärte er mir. So was möchte er später auch machen, schließlich kümmert er sich auch jetzt schon oft um seine zwei jüngeren Geschwister, während seine alleinerziehende Mutter arbeitet.

Er sprach liebevoll über "die Lütten", seine Augen leuchteten. Der Junge ist mit Sicherheit geeignet und ich bin felsenfest überzeugt, er wird einmal seinen Beitrag leisten, um ein paar Kinder mit nicht optimalen Voraussetzungen auf die richtige Lebensbahn zu bringen. Als ich ausstieg, gab ich ihm meine Visitenkarte und bot an, dass er mich gerne bei Bedarf kontaktieren könne. Er grinste: "Alles klar, ich melde mich, wenn ich wieder mal einen guten Spruch brauche, Pilot."  

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