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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Hello again, and again, and again, and again…

Vor über 35 Jahren wurde Frank Behrendt zu einem Howard-Carpendale-Konzert mitgeschleppt, weil bei einem Kolleginnenquartett jemand krank geworden war. Seitdem hat ihn der blonde Südafrikaner musikalisch immer begleitet. Aktuell ist "Howie" zum 50-jährigen Bühnenjubiläum wieder auf großer Tournee.

Howard Carpendale

Howard Carpendale ist in Frank Behrendts Musikzimmer eine feste Größe

Als ich damals in den wilden 80er Jahren die legendäre Philipshalle in Düsseldorf-Oberbilk betrat, fühlte ich mich als junger männlicher Besucher wie ein Alien vom fremden Stern: Die Fans des blonden Schlagersängers Howard Carpendale waren vorwiegend weiblich. Und als eine riesige mitsangesfreudige Gruppe nach der Halbzeit kreischend nach vorne an den Bühnenrand stürmte ahnte ich, dass der lässige großgewachsene Typ mit dem Mikro irgendetwas richtig machte.

Da ich damals meine Haare noch etwas länger als heute trug, hielten mich zudem diverse Konzertbesucherinnen für einen Mega-Fan, der sogar die Frisur seines Idols kopierte. Was einst eher Zufall war, wurde später Programm: Kaum eine Weihnachtsfeier während meiner diversen beruflichen Stationen, an denen ich nicht zu später Stunde ans Mikro trat und "Hello again" von Carpendale intonierte, zur Freude der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den Refrain im fröhlichen Firmenchor laut und auch mal falsch mitsangen.

In der Düsseldorfer Nachtresidenz schritt ich einmal singend im goldenen Anzug eine von lauter Teelichtern beleuchtete Wendeltreppe hinunter und gab den Howie - von dem schrägen Gig wird bei Alumni-Treffen heute noch gesprochen. Auch in diesem Jahr, wenn wir im November im "Ugly Deluxe" Wiedersehen mit der Truppe meiner früheren Agentur "Pleon" feiern, wurde der Wunsch an mich herangetragen, doch wie früher den Entertainer zu geben und noch einmal zum Mikro zu greifen. Schaun wir mal…

Als ich in den 90er Jahren beim damaligen Plattenmulti PolyGram (heute Universal Music) mein Geld verdiente, hatten wir natürlich auch Carpendale im breit gefächerten Musikprogramm. Auf einer Vertriebstagung in Bad Wildungen präsentierte ich auf einer Showbühne mit lauter großen Plattencovern neben seiner Compilation "Meisterstücke" auch einen lebensgroßen Pappaufsteller des Sängers, mit dem wir im Handel die Verkäufe zusätzlich ankurbeln wollten. Der Plan ging auf: Den Papp-Howie mussten wir zeitnah nachproduzieren, so oft schleppten ihn seinerzeit Hardcore-Fans aus den Geschäften mit nach Hause. Legendär.

Während der "Lust auf mehr" Tour im Jahr 1999 hatte ich die Gelegenheit, Howard Carpendale bei einem Konzert backstage ausgiebig vor und nach seinem Auftritt zu erleben. Was mich damals schwer beeindruckte, war die Art und Weise wie er mit den Menschen umging, die ihn umgaben. Für jeden einzelnen seines riesigen Tour-Trosses hatte er ein nettes Wort, ein Lächeln. Wertschätzung pur. Ein Bühnenhelfer sagte mir: "Mit Howard auf Tour, da ist immer die Sonne Südafrikas mit dabei, auch wenn es regnet." Das habe ich nicht vergessen, denn das Bild war und ist stimmig.

Auch wenn er im Licht der Scheinwerfer stets ein umjubelter Star war und ist, gab es auch viele dunkle Schatten in seinem Leben. Aber der Mann, der während seiner frühen Kölner Zeit in den 60ern auch mal in der Rugby-Bundesliga beim ASV Köln spielte, packte sie an. Auch als er an multipler Sklerose erkrankte, machte er sein Problem öffentlich, um anderen Mut zu machen. Zum Glück verläuft die Krankheit bei ihm weitgehend beschwerdefrei.

Wayne Carpendale trainiert im Urlaub mit Baby

Natürlich war ich am 13. Dezember 2003 auch beim groß angekündigten Abschiedskonzert meines langjährigen musikalischen Wegbegleiters gemeinsam mit 16.000 anderen in der restlos ausverkauften Kölner Arena dabei. Sogar Carpendales damals 91-jährige Mutter war extra aus Südafrika angereist. Die Papiertaschentuchhersteller müssten in dem Jahr eigentlich Rekordergebnisse eingefahren haben, soviel wie kollektiv in der Halle geschluchzt wurde, als das Licht auf der Bühne ausging und Howie vermeintlich für immer verschwand.

Aber schon 2007 erklärte er sein Comeback und seitdem spielt er wieder Konzerte - so wie immer. 1966 kam der inzwischen 73-Jährige nach Deutschland, in seiner Heimat waren seine Versuche als Beat-Sänger und Elvis-Imitator zuvor nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Dafür lief es hier für ihn umso besser. 1969 landete er mit der deutschen Coverversion des Beatles-Songs "Ob-La-Di, Ob-La-Da" seinen ersten Hit, ein Jahr später gewann er mit "Das schöne Mädchen von Seite Eins" den deutschen Schlager-Wettbewerb.

Carpendale wurde zu einem absoluten Top-Star des deutschen Schlagers und verkaufte über 25 Millionen Tonträger. Auch zu seinem Sohn Wayne hatte ich schon Kontakt, während meiner RTL-Zeit trat der Carpendale-Junior in der Soap "Unter uns" auf. Später spielte er zu meiner Freude zuerst als Old Surehand und später als Old Shatterhand in Bad Segeberg am Kalkberg bei den Karl May Festspielen mit.

Howard Carpendale hat ein sehr gutes Verhältnis zu seinen beiden Söhnen und nimmt regen Anteil an allem was sie tun. Auch sein erstes Enkelkind hat es ihm angetan und bringt ihn zum Lachen. Als ich mit meiner kleinen Tochter Holly kürzlich durch die Stadt fuhr, entdeckte sie den Sänger auf einem schwarz-weißen Plakat, das auf sein Gastspiel in Köln im nächsten Jahr hinwies. "Da ist dein Howie, Papa", sagte meine Kleine und grinste schelmisch. Was machte ich, als ich nach Hause kam? Ich habe Karten bestellt, um live dabei zu sein, wenn Howie wieder mal "Hello again" in Köln sagt.