Generationen Unternehmensnachfolge: Wechsel gut vorbereiten

Wenn Firmenchefs in Rente gehen, übernehmen im klassischen Fall Kinder oder langjährige Angestellte das Unternehmen. Mittlerweile wollen jedoch immer weniger Söhne und Töchter in das elterliche Unternehmen einsteigen.

"Die Unternehmensnachfolge ist insbesondere im Mittelstand ein drängendes Thema", sagt Josef Düren vom Bund der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin. Denn in nächster Zeit stehen viele Betriebe vor einer Übergabe an die nächste Generation. Egal ob der Nachfolger aus der Familie stammt oder nicht, der Wechsel sollte gut vorbereitet werden.

355.000 Familienunternehmen werden in den nächsten fünf Jahren an einen Nachfolger übertragen, heißt es beim Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn. Allein rund ein Viertel aller Handwerksbetriebe stehen nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin in diesem Zeitraum vor der Übergabe. Das seien mehr als 155.000 Unternehmen. In weiteren 100.000 Betrieben werde in den nächsten zehn Jahren ein Nachfolger gesucht. Auch in zahlreichen Unternehmen des deutschen Maschinen- und Anlagebaus steht laut dem Branchenverband VDMA in Frankfurt/Main in naher Zukunft ein Generationswechsel an.

Demographische Gründe

Die steigende Zahl der Übertragungen sind laut Rolf Papenfuß, Leiter des Referats Unternehmensführung beim ZDH, vor allem demographisch bedingt: Viele Handwerksbetriebe, die nach dem Krieg gegründet wurden, gingen jetzt an die nächste Generation über.

Betroffene würden eine Übergabe aber häufig auf die lange Bank schieben, sagt Marcus Gödtel vom VDMA. Außerdem können Probleme einen reibungslosen Chef-Wechsel behindern: Oft sind Übernehmer und Übergeber den Experten zufolge nicht ausreichend informiert. Häufig denke der Senior auch schlicht zu spät an den anstehenden Wechsel, sagt Matthias Wittstock, der das Referat für Grundsatzfragen der Mittelstandspolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) in Berlin leitet.

Dabei sei eine Fülle von Dingen zu regeln: Ein möglicher Verkaufspreis müsse errechnet, und Fördermöglichkeiten sollten bedacht werden. Auch der Nachfolger muss laut Wittstock wichtige Fragen beantworten: "Mit welcher Strategie führe ich das Unternehmen weiter? Bleiben mir die Kunden erhalten oder sind sie zu sehr auf den aktuellen Inhaber bezogen?"

Ehe auf Lebenszeit

Generell gesunken ist die Bereitschaft von Söhnen und Töchtern, ein Familienunternehmen zu übernehmen: "Viele Kinder fragen sich heute: Will ich dasselbe machen wie mein Vater?", sagt Professor Fritz Simon vom Deutsche Bank Institut für Familienunternehmen an der Universität Witten-Herdecke (Nordrhein-Westfalen). So wollten Kinder zum Beispiel nicht immer 14 Stunden arbeiten wie ihre Eltern. Außerdem könne es auch psychologische Probleme bei der familieninternen Übergabe geben, sagt Josef Düren vom BDI: "Nichts ist vielleicht so schwer wie ein Vater-Sohn-Verhältnis."

"Das ist eine Ehe auf Lebenszeit, wenn Sie Unternehmer werden", sagt Professor Simon. Die Identifikation mit dem eigenen Lebenswerk sei sehr groß. Bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger müsse sich der Chef dann mit dem Ende dieser Leistung und mit dem Alter auseinander setzen. "Und wer beschäftigt sich schon gern mit dem Tod?", so Simon.

Patentrezepte für Nachfolgeregelungen gibt es laut Simon nicht. Ob Sohn oder Tochter, ein Geselle oder ein Externer den Betrieb übernimmt, der Professor sieht Vor- und Nachteile aller Nachfolgemodelle: "Man muss individuell abwägen." Es gebe dabei keinen Königsweg.

Lockerung des Inhaberprinzips

Der BDI empfiehlt Unternehmern, sich zur rechtzeitigen Vorbereitung an den zuständigen Industrie-Fachverband zu wenden. Der ZDH rät seinen Mitgliedern "spätestens im Alter von 55" zu einer Beratung durch die Handwerkskammern vor Ort. Marcus Gödtel vom VDMA zufolge liegt der größte Teil der Arbeit beim Rechtsanwalt und Steuerberater vor Ort. Sie seien die wichtigsten Ansprechpartner eines Unternehmers bei der Übergabe.

Um die Unternehmensnachfolge im Handwerk flexibler zu gestalten, sieht die Bundesregierung im Koalitionsvertrag eine "erleichterte Betriebsübernahme durch langjährige Gesellen" vor. Eine "Lockerung des Inhaberprinzips" soll Existenzgründer fördern und helfen, Nachfolger für Betriebe zu vermitteln.

Traditionell dürfen in Deutschland nur Meister einen Handwerksbetrieb führen - und die Meisterausbildung kostet viel Zeit und Geld. Der Meisterbrief bleibe auch in Zukunft Grundlage des Handwerks, sagt Matthias Wittstock vom Wirtschaftsministerium. Allerdings seien flexiblere Ausnahmeregelungen wichtig: In Zukunft werde es zunehmend Einzelfallentscheidungen geben.


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